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Hartha: Werkstätten für Menschen mit Behinderung bieten Perspektive

Hartha: Werkstätten für Menschen mit Behinderung bieten Perspektive

"Wenn sich auf jedem Produkt, das aus einer Werkstatt für behinderte Menschen kommt, ein Aufkleber befände, wären viele überrascht", ist sich Uta Meier sicher.

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Sieben Stunden die Woche arbeitet Ingo Kemnitzer in der Roßweiner Werkstatt in Hartha. Besonders liegt ihm die Arbeit in der Tischlerei, in der er gerade die Teile für ein Kinderspielhaus zurecht sägt.

Quelle: Katharina Schultz

Hartha. Meier ist Leiterin des Sozialdienstes der Diakonie Döbeln, gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Ingenieur Heiko Buschbeck, gibt sie einen Einblick in den Produktionsalltag der Werkstatt für Behinderte in Hartha und das Leben der Menschen, die dort arbeiten.

Die Regale sind voll, bis zur Decke hoch stapeln sich Holzteile. In einer Ecke der großen Halle fräst jemand. In einer anderen sägt Ingo Kemnitzer gerade einzelne Latten zurecht. Am Ende soll ein Spielhaus entstehen. "Das Maß muss stimmen", sagt Kemnitzer, "und ich muss aufpassen, dass die Kanten nicht zu scharf sind." Später wird er das Haus noch abschleifen, damit sich die Kinder nicht verletzen.

Auf den ersten Blick ist hier alles wie in jeder anderen Produktionsstätte: Menschen arbeiten zusammen, um den Auftrag eines Kunden zu erfüllen. Sichtlich vertieft in ihre jeweilige Aufgabe: "Sie sind hochmotiviert", sagt Markus Kaphegy, ohne dessen Anleitung hier nichts funktionieren würde. "Mittlerweile ist es eine Art Selbstläufer", erzählt der gelernte Tischler, der, wie jeder Ausbilder hier sonderpädagogisch geschult wurde. In den letzten zwei Jahren hat er eine Gruppe von zehn ungelernten Leuten ausgebildet. "Aber noch immer ist Herr Kaphegy unverzichtbar als Ansprechpartner für jeden Einzelnen", sagt Uta Meier, die durch die Räumlichkeiten der Werkstatt führt.

"Betreute Mitarbeiter", sagt Meier, wenn sie von den Menschen spricht, die in dieser besonderen Werkstatt im Gewerbegebiet West von Hartha arbeiten. Jeder von ihnen hat irgendeine Form einer Behinderung. Neben Menschen mit geistigen Behinderungen - die in Werkstätten wie diesen überwiegend vertreten sind - gibt es auch körperlich schwerst und mehrfach Behinderte und zum Teil chronisch psychisch Erkrankte. Gemeinsam ist allen, dass sie in der freien Marktwirtschaft keine Chance hätten, wie es Uta Meier formuliert. Die Werkstätten der Döbelner Diakonie bieten ihnen den geschlossenen Arbeitsplatz, auf den sie ein Recht haben: Alle drei Häuser zusammen genommen, sind es etwa 350 Angestellte, zu denen weitere 30 Auszubildende kommen.

Gegründet wurden die Roßweiner Werkstätten, wie sie sich nennen, 1991. Seit 2000 gibt es die Einrichtung in Hartha. Ein großer Neubau mit einem hellen Ess-Saal, Räumlichkeiten für Physio- und Sprachtherapie sowie einem Lager und Produktionshallen für Montage, Tischler- und Zimmerei. Vor allem die letzten beiden Bereiche haben eine starke Außenwirkung. Denn die betreuten Mitarbeiter sägen, bohren und hobeln nicht nur, sondern gehen auch Vorort, helfen mit beim Aufbau von Terrassen und Carports. "Dadurch werden sie als leistungsfähig erlebt", sagt Meiers Kollege Heiko Buschbeck. "Nicht nur durch die Produkte, sondern auch durch unsere Mitarbeiter werden wir hier nach außen sichtbar." Noch ist das so selten, dass wenig bekannt ist, wie viele Alltagsdinge eigentlich aus den Händen von Werkstattmitarbeitern stammen: Parkbänke, Außenspiegel und Sicherheitsgurte für Autos, Lampen, Wasserhähne und -zähler sind nur einige Beispiele.

"Wir arbeiten nicht für die Schrottkiste. Da steht immer ein Kunde dahinter", so Heiko Buschbeck. Doch letztlich ist die Arbeit "Mittel zum Zweck". "Unsere erste Aufgabe ist es, behinderte Menschen zu fördern. Sie in ihrer Lebensführung zu unterstützen, was über die Arbeitsinhalte realisiert wird", erklärt der Ingenieur.

Eine geförderte soziale Einrichtung und eine im Wettbewerb stehende Firma gehen hier ineinander über. "Behinderte nehmen uns die Arbeitsplätze weg", sagen diejenigen, die den Unterschied dazwischen nicht sehen. Meier und Buschbeck entkräften diese "Gegen-Emotion", wenn sie sagen: "Wir sind nicht billiger als andere Handwerksbetriebe." Im Gegenteil: "Unsere Mitarbeiter brauchen das Zehnfache an Zeit". Zudem werden erwirtschaftete Erlöse den Mitarbeitern ausgezahlt.

Das, was Werkstätten wie die in Hartha leisten, kann man überspitzt vielleicht so umschreiben: Sie machen Menschen mit Behinderung zu einem Teil der Gesellschaft, vor der sie sie zugleich schützen.

Doch diesen geschützten Raum kann man nicht ohne weiteres betreten. "Direkt zu uns kommen nur Absolventen der Förderschule für geistig Behinderte", berichtet Uta Meier. Alle anderen - deren Weg zu großen Teilen von Entscheidungen von Arbeitsagenturen oder Rententrägern gelenkt wird - haben Erlebnisse des Scheiterns hinter sich. "Umso schöner ist es, dass wir ihnen etwas Langfristiges versprechen können", sagt Meier. Denn eine Ausbildung hier ist zugleich berufliche Perspektive.

Auch wenn ab und zu jemand aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund eines Umzugs ausscheidet, bedeutet diese langfristige Eingliederung permanente Expansion. Bis auf eine Gruppe, die Außeneinsätze für externe Betriebe im Montagebereich macht, ist eine Ausgliederung oder Überleitung in Betriebe der freien Marktwirtschaft nicht in Sicht. "In fünf Jahren haben wir die erste Rentnergeneration", verraten Meier und Buschbeck, die sich wünschen würden, dass andere Unternehmen die Arbeitskraft ihrer Auszubildenden schätzen lernen. Doch beide wissen auch, dass die Menschen um sie herum dauerhaft hier bleiben möchten.

Katharina Schultz

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