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Döbeln Harthas Jäger fürchten Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus dem Osten
Region Döbeln Harthas Jäger fürchten Verschleppung der Afrikanischen Schweinepest aus dem Osten
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14:15 22.03.2018
Wildschweine geraten als Träger der Afrikanischen Schweinepest auch in Hartha ins Visier. Quelle: Montage: Olaf Majer
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Hartha

Das Jagdjahr endet am 31. März, weshalb jetzt für die Eigentümer bejagbarer Flächen und der Jäger, die diese pachten, die Zeit ist, Bilanz zu ziehen.

Ruhiges Jahr mit wenig Wild- und Sturmschäden

Das vergangene Jahr, so Gerd Tröger, der Vorsitzende Jagdgenossenschaft Hartha, sei ein ruhiges Jahr gewesen. Während die Jäger aus Hartha, Wallheim und Aschershain berichteten, was sie zur Strecke gebracht hatten, lobte Tröger die Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten. Zwar könne nicht immer ein Jäger vor Ort sein, um zu verhindern, dass Wildschweine etwa auf frisch bestellte Felder ziehen, aber die Rücksprache, wann welche Feldfrüchte geerntet oder ausgesät werden, erfolge zeitnah.

Schwarzwild in der Diskussion

Damit benannt waren bereits die Tiere , die die Diskussion im weiteren Verlauf des Abends bestimmen sollten: Der Wildschwein- oder auch Schwarzwildbestand, bereitet der Jagdgenossenschaft Sorgen: Die Mitglieder blicken alarmiert nach Osten, wo die Afrikanische Schweinepest (ASP) seit einiger Zeit ausgebrochen ist. Seit 2007 breitet sie sich von Russland und Georgien über Osteuropa aus. Mittlerweile ist sie in Polen und Tschechien angekommen.

Schweinepest-Ausbruch auch in Deutschland befürchtet

„Sollte die Seuche Deutschland erreichen, sind die Konsequenzen nicht absehbar“, gab Tröger Befürchtungen weiter, die aus Gesprächen mit dem Veterinäramt des Landkreises gewonnen hatte. Auch aus amtstierärztlicher Sicht könnte nicht vorausgesagt werden, wann und wo die Seuche ausbreche – aber sie verbreite sich mit 90 Stundenkilometern: mit dem LKW-Verkehr über die Grenze. Der Mensch sorge dafür, dass sich die Tierseuche verbreiten kann. Lederzecken, die in Afrika, wo die Krankheit zuerst beschrieben wurde, spielen in Ost- und Mitteleuropa bei der Übertragung keine Rolle.

Rohkost und Fleischreste als Überträger

Es brauche noch nicht einmal Anhaftungen von Sekret, Blut oder Sperma: Erzeugnisse von infizierten Haus- oder Wildschweinen, aber auch unverpackte Rohkostprodukte genügen, um das Virus weiter zu tragen. Grund hierfür ist, dass das Virus bei niedrigen Temperaturen hochresistent ist. So kann es bis zu sechs Monate in ungekochten Schweinefleischprodukten überleben.

Unachtsamkeit hilft Virus bei Ausbreitung

Was auf Autobahnparkplätzen oder Picknickplätzen unachtsam weggeworfen werde, könne so zur Infektionsquelle werden. Aber auch auf den eigenen Flächen frage er sich manchmal: „Warum muss hier Hausmüll liegen?“ Insbesondere den Umgang mit Schwarzwild in Polen, wo die Schweine geschont und gefüttert werden, kritisierte Tröger.

Keine Gesundheitsgefahr für Menschen

Andererseits entkräftete er auch die Panikmache: „Für Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.“ Die Krankheit befällt nur Haus- und Wildschweine und verläuft meist tödlich. Eine Therapie oder Impfung gibt es nicht. Die Menschen hingegen fürchten vor allem die wirtschaftlichen Folgen von Sperrzonen, längerfristigen Handels- oder ein landesweites Exportverbot. So forderte der Bauernverband, ganzjährig präventiv 70 Prozent der Wildschweine zu töten.

Geforderte Abschussquote kritisiert

Tröger stellte klar, dass es sich bei dieser Zahl, 70 Prozent, um ein theoretisches Szenario des Friedrich-Löffler-Instituts gehandelt habe. „Realistisch ist das gar nicht zu schaffen“, zumal Hilfsmittel wie Nachtzielgeräte oder Schalldämpfer, wenn, nur zeitlich begrenzt genehmigt würden und kostenintensiv seien. Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit hatte für einen Ausbruchsfall „laut mathematischen Modellen“ als eine Maßnahme aufgeführt, die Wildschweinpopulation in einer Pufferzone um weniger als 70 Prozent zu reduzieren.

Verklärtes Verhältnis zur Natur erschwert Jägern ihre Arbeit

Die Jäger, die auch in und um Hartha angehalten sind, Bestände zu dezimieren, fürchten auch auf Seiten der Bevölkerung auf fehlendes Verständnis zu treffen: Ein verklärtes Verhältnis zur Natur kennzeichne derzeit den Zeitgeist. So sei es politisch nicht gewollt, ob ein anderer Grenzgänger das Virus über Anhaftungen übertragen könnte, brachte Tröger das Gespräch auf den Wolf, der nach Mitteleuropa zurückgekehrt ist.

Von Manuel Niemann

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