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Döbeln Harthas Oberschüler ergreifen im Rathaus das Wort
Region Döbeln Harthas Oberschüler ergreifen im Rathaus das Wort
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00:38 09.03.2018
Wie im echten Leben: Fair und sachlich galt es beim Jugendstadtrat im Harthaer Rathaus zu beraten, abzuwägen und am Ende abzustimmen. Quelle: Foto: Sven Bartsch
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Hartha

Dienstagmorgen, kurz nach acht, der Stadtrat tagt – zu ungewöhnlicher Zeit. Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) erklärt Sitzungsablauf und Tagesordnung, anschließend beginnt er mit der Fragestunde: „Also Bürger, haben Sie Fragen?“, sagt er zu einem sichtlich jüngeren Publikum und kippt dann ins Du: „Nein? Dann seid ihr dran! Eure Zeit läuft!“

Planspiel führt in Lokalpolitik ein

Gemeint sind die jugendlichen Stadträte, die an diesem Tag das angestammte Personal ersetzen. Nach Leisnig und Waldheim
tagt zum ersten Mal ein Jugendstadtrat in Hartha. Er ist das große Finale des Planspiels Kommunalpolitik. Die Neuntklässler der Pestalozzi-Oberschule tauschen dafür mit den Kommunalpolitikern die Rolle. Sie richten Anfragen an die Verwaltung und stellen Anträge, die sie zuvor mit Mitarbeitern der Friedrich-Ebert-Stiftung und den echten Stadträten erarbeitet haben.

Alle an einem Tisch: Die Neuntklässler nahmen dort Platz, wo sonst ihre realen Vorbilder vom Stadtrat und der Verwaltung sitzen. Quelle: Sven Bartsch

Jugendliche wollen mehr Mitsprache

So fragen die Oberschüler, warum sie bei der geplanten Unterbringung des Horts in ihrer Schule nicht einbezogen wurden. Gleich die erste Frage belegt, dass die Jugendlichen gern mitsprechen würden. Für Bürgermeister Kunze „ein guter Hinweis“, zwar sei das Konzept mit den Lehrern abgesprochen worden, „also Leuten, die ganz nah dran sind“, aber auf die Idee, die Jugendlichen zu fragen, sei niemand gekommen, gibt er zu.

Jugendförderung im Blickfeld

Weitere Anfragen berühren das Lebensumfeld der Teenager, so erkundigen sie sich, was aus dem Bahnhofsgelände wird oder wann in Hartha schnelleres Internet verfügbar ist. Eine Frage führt dann direkt dahin, was auch die Anträge später indirekt bestimmen wird: Die Jugendförderung und wie viel Geld für sie zur Verfügung steht. Kunze zählt auf, was unter diese fällt: Die Hartharena, in der Jugendliche bis 16 Jahren kostenlos trainieren könnten, die Bibliothek, die Sternwarte. „Es könnte immer besser sein“, gibt er zu. Neuen Jugendprojekten stehe der Stadtrat immer offen gegenüber, jedoch um diese zu realisieren, brauche es Geld. Dass müsse irgendwo eingespart, umgelegt oder aus Fördertöpfen gewonnen werden.

Verhandlungsgeschick ist gefragt

„Das bestimme nicht ich, sondern ihr, die Stadträte. Wenn ich kritisiert werde, werdet ihr mitkritisiert“, erklärt er seinen jungen Räten. Die Jugendlichen lernen: Am Sitzungstisch wird verhandelt. Sie lernen aber auch, manchmal sind der Stadt die Hände gebunden. Damit sich in Hartha eine Drogeriekette ansiedelt, kann sie lediglich für sich werben, in den Markt eingreifen kann sie nicht. Also beschließt das Stadtparlament, ein Exposé vorzubereiten und Grundstückseigentümer anzusprechen.

Angespannte Gesichter, obwohl die Sitzung nur nachgestellt war. Quelle: Sven Bartsch

Eigener Raum bleibt für Jugendliche ein Wunsch

An anderer Stelle geht es darum, Kompromisse zu schließen. Einen, der für sie eher nachteilig ist, berührt der Antrag, ein Jugendcafé einzurichten. „So weit weg ist das nicht, was wir machen“, erklärt Kunze. Dieselben Diskussion und Argumente, die die Jugendlichen bringen, habe er so auch in „seinem“ Stadtrat erlebt. Der entschied, die Pestalozzi-Oberschule zu renovieren. Ihm selbst tue es weh, dass, seitdem der Hort in der Sonnenstraße untergebracht ist, den Jugendlichen kein anderer Raum zur Verfügung stehe. „Eine Zwischenlösung für die drei Jahre hat man nicht gewollt.“

Vorschläge bieten Stoff für kommende Stadtratssitzung

Bei Annica Berger, Schülersprecherin aus der Neunten, keimt trotzdem die Hoffnung, dass das im Jugendstadtrat Gesagte auch noch einmal regulär aufgegriffen wird.

Alex Saling, der für die Ebert-Stiftung die Sitzung begleitet, ist am Ende zufrieden: „Ihr habt ziemlich viel diskutiert, fair und sachlich Argumente gebracht. Ich fahr motiviert nach Hause“, sagt er. Auch aus der Reihe der drei anwesenden Stadträte gibt es anerkennende Worte. So sagt Stefan Orosz (Die Linke): „So vor Publikum zu sprechen hätte ich mir nicht in dem Alter getraut.“

Von Manuel Niemann

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