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Hausaufgaben für alle

Hausaufgaben für alle

In den Hochwasserschutz für die westlichen Döbelner Stadtteile kommt jetzt schneller Bewegung als gedacht. Dem Döbelner Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (CDU) war es gelungen, gestern die Bürger der Interessengemeinschaft Döbeln-West mit dem Leiter der Landestalsperrenverwaltung, Axel Bobbe, Vertretern der Flussmeisterei und der Oewa vor Ort am Muldenufer zusammenzubringen.

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Unterm Brückenpfeiler der Brücke an der Grimmaischen Straße startete die gestrige Runde, bei der die Mitglieder der Interessengemeinschaft Döbeln-West auf Initiative des Landtagsabgeordneten Sven Liebhauser (2.v.r.) mit Axel Bobbe von der Landestalsperrenverwaltung (M.) über den Hochwasserschutz ins Gespräch kamen.

Quelle: W. Sens

Döbeln. Im Wirrwar der Zuständigkeiten für den Hochwasserschutz steht Axel Bobbe als Leiter der ausführenden Behörde immer im Kreuzfeuer zwischen den Fronten. Er muss bei den Bürgern für Verständnis werben, dafür dass sie in den Randbereichen beim Flutschutz eine geringere Priorität haben als etwa das Döbelner Stadtzentrum. Bis zu einem gewissen Grad stößt er dabei auf ein Grundverständnis bei den Vertretern der Großbauchlitzer Bürgerinitiative. Denn der Landtag hat bereits nach der Flut 2002 beschlossen, dass die begrenzten Investitionen für den Hochwasserschutz in Sachsen zuerst dahin fließen, wo die meisten Menschen geschützt und die größten wirtschaftlichen Schäden mit effektiven Mitteln verhindern werden können. Da kommt die Döbelner Innenstadt vor den Stadtteilen. Doch Bobbe unterstreicht, dass die 52 Millionen Euro, die in den Hochwasserschutz der Döbelner Innenstadt fließen werden, auch den Großbauchlitzern nützen. Mit allen innerstädtischen Bauvorhaben sei ein 50-jähriges Hochwasser in Döbeln beherrschbar. "Wenn erst die beiden Rückhaltebecken in Mulda und Oberbrobritzsch gebaut seien, würde das den Muldepegel in Nossen im Hochwasserfall noch um ein Drittel senken", ist Bobbe überzeugt. Naturschützer würden die Becken aber im Moment noch massiv ausbremsen. "Für das Rückhaltebecken in Oberbobritzsch stehen die Aussichten mittlerweile gut. Für Mulda ist im Moment noch kein Land in Sicht", ergänzt der Landtagsabgeordnete Liebhauser.

Flutschutz mit einfachen Mitteln

"Wir in unserer Interessengemeinschaft wären schon zufrieden, wenn beim Hochwasserschutz der Abflussquerschnitt des Flusses zwischen dem Eisenbahnviadukt, der Brücke Grimmaische Straße und der Brücke der Bundesstraße 169 wieder in den Zustand von vor 2002 versetzt würde", sagt Michael Naumann von der Bürgerinitiative. Gemeinsam zeigt die Gruppe den Plattenweg am Ufer, den bis Anfang der 1990-er Jahre die Döbelner Zuckerfabrik in Schuss hielt. Er liegt mittlerweile größtenteils unter einer großen Schicht angeschwemmten Sandes und Erde verdeckt. Überall haben große und kleinere Hochwasserereignisse das Flussufer an beiden Seiten stark verändert. Auch unter den Brückenpfeilern hat der Fluss hier angespült, andernorts weggespült. Eine Abwasserleitung unter der Brücke in der Grimmaischen Straße liegt jetzt frei. Der Abfluss eines Schöpfbauwerkes aus der Teichstraße mit einer Rückstauklappe am Ufer scheint von angeschwemmten Steinen versperrt. "Wenn hier einfach wieder Platz für die Mulde zum Fließen geschaffen werden würde, wäre uns schon geholfen", sind sich die Mitglieder der Bürgerinitiative einig.

Doch das ist gar nicht so einfach: Denn bevor Axel Bobbe mit seiner Landestalsperrenverwaltung loslegen kann, muss die untere Naturschutzbehörde des Landratsamtes mit ins Boot. Zudem sind jeweils 50 Meter vor und 50 Meter nach einer Brücke die Baulastträger der Brücke verantwortlich für alles Angeschwemmte und Weggeschwemmte, denn die Strömungsverhältnisse unter einer Brücke gehören auch zur Brückenstatik. Zum gestrigen Termin war deshalb eigentlich auch das für die Brücken zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr eingeladen. Diese Behörde sagte das Treffen gestern aber aus Termingründen ab.

Unverständlicher Naturschutz

Mit der unteren Naturschutzbehörde hatten Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer und Baudezernent Thomas Hanns am gestrigen Nachmittag im Rathaus noch einen Erörterungstermin einberufen. Dort war eigentlich die hinter dem Döbelner Klosterviertel in die Mulde gestürzte Stützmauer das Hauptthema. Doch ein ganzes Themenpaket wollten der Oberbürgermeister und sein Baudezernent aus Großbauchlitz gleich noch mit auf den Tisch packen. Besonders der Wiederaufbauerlass vom 11. Dezember aus dem Umweltministerium von Minister Frank Kupfer sorgt dabei sowohl im Rathaus als auch bei der Landestalsperrenverwaltung für Kopfschütteln. Der Erlass verbietet es aus Naturschutzgründen, die Uferbereiche wiederherzustellen. "Dadurch werden die Beseitigung von Flutschäden und der Ausbau des Hochwasserschutzes ausgebremst", sagt Baudezernent Thomas Hanns. Am Großbauchlitzer Mulde-Ufer wird das sichtbar, wenn Baumleichen und Wurzeln im Uferbereich festhängen und es für das Beseitigen keine Genehmigung mehr gibt. "Die untere Naturschutzbehörde ist jetzt am Zug, wenn es in Sachen Flutschutz für die gebeutelten Anwohner der Teichstraße, der Grimmaischen Straße und der Sandhäuser vorwärts gehen soll. Erst dann können wir unsere Flußmeisterei in Bewegung setzen", sagt Axel Bobbe. Die Zeit läuft, die vegetationsarme Winterzeit wäre für Arbeiten an den Uferbereichen ideal.

Die Bürgerinitiative stellte dem Oberbürgermeister für das Gespräch am Nachmittag mit der unteren Naturschutzbehörde Fotos und Dokumente zur Verfügung, welche die Knackpunkte verdeutlichen. Auch am neugebauten Wasserkraftwerk Großbauchlitz muss das Landratsamt nochmals ein Auge auf die mit Erde aufgeschütteten Uferbereiche werfen. LTV-Mann Axel Bobbe befürchtet, dass ansonsten die vom Wasser abgetragenen Erdmassen wieder seine Behörde beschäftigen.

"Wir haben heute alle ein paar Hausaufgaben mitgenommen und bleiben im Kontakt", verspricht der Landtagsabgeordnete Sven Liebhauser. Tatsächlich haben auch die Mitglieder der Bürgerinitiative ein paar Hausaufgaben mit ihren Mitgliedern zu erledigen. Denn die Besichtigung gestern zeigte auch, dass mancherorts die Grundstücksgrenzen zum Ufer für das Verklappen von Kompost genutzt wird. Andernorts werden Uferbereiche terrassiert, um im Sommer nett am Wasser zu sitzen. Auch all das nimmt dem Fluss Raum. Im Hochwasserfall könnten dadurch die entscheidenden Zentimeter fehlen.

 

 

 

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Thomas SparrerKommentar Seite 11

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