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Heike Paletzki schließt Bestell-Shop Harthas

Heike Paletzki schließt Bestell-Shop Harthas

Bestellt wird immer. Diesen Satz sagten sich viele Anfang der 90er Jahre und eröffneten Shops, in denen Bestellungen von Versandhäusern wie Quelle und Neckermann aufgegeben werden konnten.

Hartha.

 

Auch heute bestellen die Leute gern. Vor allem einfach und bequem im Internet. Bestell-Shops wie der von Heike Paletzki in Hartha sind mehr und mehr verzichtbar geworden. Für Heike Paletzki bedeutet das das Aus nach über zwei Jahrzehnten Selbstständigkeit.

 

In dieser Woche hatte Heike Paletzki 22-jähriges Firmenbestehen. "Kein Grund zu feiern", sagt die 48-Jährige, noch hinter der Theke ihres Ladens in der Harthaer Karl-Marx-Straße stehend. Inzwischen sind auch die letzten Kataloge und Artikel verkauft oder ausgeräumt. Gestern hat das "persönliche Kaufhaus", wie über dem Eingang zu lesen war, geschlossen.

"Ich bin froh, die Selbstständigkeit endlich zu verlassen", erklärt die Harthaerin. In den letzten Jahren war der Versandhandel kein leichtes Brot. Den Zeitpunkt des Einbruchs kann Heike Paletzki relativ genau benennen: Oktober 2009. Damals meldete der Handelskonzern Quelle Insolvenz an. "Der Kundenrückgang war von dem Moment an deutlich zu spüren." Den Kundenservice und den Umgang von Quelle mit den Landeninhabern ließen andere Versandhändler vermissen, berichtet Heike Paletzki. Konzentriert hat sie sich zuletzt auf Bestellungsannahmen von Händlern wie Neckermann, Weltbild, Schwab und Avon.

Bestellshop-Qualitäten wie Lieferservice und Kundenberatung waren in den letzten Jahren auch durch die Entwicklung des Internets immer weniger gefragt. Heute kann jeder bequem und relativ einfach von zu Hause aus Bücher, Kleidung oder was sonst auch immer benötigt wird ordern. Versuche, Alternativen zu finden, hat Heike Paletzki unternommen. So übernahm sie unter anderem die Reinigungsannahme für ein Unternehmen in Lommatzsch und füllte ihre Regale mit Waren des täglichen Bedarfs. "Für den Notfall sollte man hier Aushilfe finden." Toaster, Kaffeemaschine oder Spielsachen, Lagerbestände wie diese wurden in den letzten Tagen so weit es ging verkauft. Auch für die Anzeigenannahme der DAZ war sie die lokale Anlaufstelle. "Wir waren sehr zufrieden mit der verlässlichen Arbeit von Frau Paletzki", erklärt Regionalverlagsleiter Jan Simon. Anzeigekunden aus Hartha und Umgebung können in Zukunft die kostenlose Hotline (0800/2181020) nutzen oder den DAZ-Shop in der Breiten Straße 1 in Döbeln aufsuchen.

Für die gelernte Krippenerzieherin geht es nun bei einem Unternehmen im Altkreis Döbeln weiter. Bereits Anfang des Jahres hat sie begonnen, sich nach möglichen Stellen umzusehen. Wo und was genau sie macht, möchte Heike Paletzki nicht sagen. Sie ist wieder angestellt und ihre Existenz gesichert, das war ihr wichtig. Die 50 Quadratmeter große Ladenfläche, die sie mit dem gesamten Haus einst für ihre Selbstständigkeit erwarb, steht nun zum Verkauf.

Der Bestell-Shop Paletzkis war der erste und letzte in Hartha. "Am Ende haben sich Aufwand und Nutzen gegensätzlich entwickelt."

 

 

 

Bürgerarbeiter und Historiker

Uwe Reinwardt forscht für die Chronik des Töpelwinkels

Wöllsdorf. Viele Jahre war Uwe Reinwardt freiberuflich in der Medienlandschaft unterwegs. Jetzt ist er Bürgerarbeiter im Freizeitzentrum Töpelwinkel und schreibt an einer Chronik.

"Ich habe in den ersten Monaten bereits verblüffende Dinge herausgefunden", berichtet er, "es ist wahnsinnig spannend, sich mit Geschichte ausein- anderzusetzen." Bislang habe sich noch niemand mit der Historik der Freizeit- und Jugendeinrichtung im Töpelwinkel beschäftigt.

Reinwardt, der gelernte Metallbauer, macht sein Hobby zum Beruf. Die Erstellung einer Chronik ist für ihn nicht nur spannend, sondern auch Herzensangelegenheit. Bis 2014 läuft die Bürgerarbeiterstelle und bis dahin will Reinwardt seine Recherchen abschließen. Genaueres stehe zwar noch nicht fest, doch er ist zuversichtlich, dass die Geschichte des Naturzentrums in Form eines Buches veröffentlicht wird. Seit Anfang März wühlt sich Reinwardt durch Akten, Briefe, Urkunden, Fotos. Auffällig seien die Analogien zwischen der DDR und dem dritten Reich. Hitler-Jugend und Junge Pioniere nutzten das 1951 eröffnete Landschulheim für Zeltlager. Während die Aktenbestände ab 1950 vielversprechend sind, fehlen für die NS-Zeit zahlreiche Quellen. "Die Recherche gestaltet sich schwierig. Da ist durch den Krieg leider nicht mehr viel erhalten", erklärt Reinwardt. Daher kontaktiert er derzeit die wenigen noch lebenden Zeitzeugen. Seine beruflichen Erfahrungen sind ihm dabei sehr hilfreich. Nach der Wiedervereinigung nahm Reinwardt verschiedene Jobs als Freiberufler an. Dabei arbeitete er als Fotograf bei der Döbelner Allgemeinen Zeitung und zuletzt bei der Caritas-Stiftung in der Öffentlichkeitsarbeit. "Ein Jahr lang habe ich an einer Magazingestaltung mitgewirkt", so Reinwardt, "diese Berufserfahrung brauche ich bei der jetzigen Netzrecherche." Dass diese Stelle bewilligt wurde, sei ein großes Glück, meint Carin Lau.

Für die Geschäftsführerin des Natur-und Freizeitzentrums ist die Arbeit des Chronisten nur eine Zusatzaufgabe. Für die Jugendbetreuung gibt es noch zwei weitere Bürgerarbeiter im Töpelwinkel. "Ohne die Bürgerarbeiterstelle würde sich niemand um das Schreiben der Chronik kümmern. Deswegen ist das gerade für Vereine klasse", freut sich Lau.

Und Reinwardt hilft bei der Internetpräsenz des Freizeitzentrums aus: "Ich bin froh, jemanden wie ihn bei uns zu haben. Mit seinen Computer-Fähigkeiten hat er unsere Homepage verbessert", versichert Lau. Und so hofft Reinwardt, dass er noch zwei Jahre im Töpelwinkel weiter recherchieren darf: "Für viele Leute sind Archive bestimmt langweilig. Aber ich schnüffle gern zwischen den alten Akten herum."

Dennis Heldt

 

Uwe Reinwardt arbeitet als Bürgerarbeiter die Geschichte vom Töpelwinkel auf. Er macht damit sein Hobby zum Beruf.Foto: Dennis Heldt

 

 

Katharina Schultz

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