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Döbeln Heile Straßen und Plätze - kranke Bäume
Region Döbeln Heile Straßen und Plätze - kranke Bäume
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21:28 23.10.2013

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Kein Einzelfall, sagt Revierförster Dirk Tenzler. Der Wurzelschutz von Bäumen in bebauten Gebieten werde oft vernachlässigt und kaum kontrolliert. Auch in Döbeln müssen demnächst Bäume weichen. Der Döbelner Baumkommission, zu der auch Dirk Tenzler gehört, fiel diese Entscheidung sehr schwer.

Mit Motorsägen, Kran und anderem schweren Gerät rückten gestern auf der Lommatzscher Straße zwischen Hermann- und Karl-Marx-Straße die Baumpfleger drei Roßweiner Eichen zu Leibe. Wobei Pflege in dem Moment das falsche Wort war - die kranken Riesen mussten gefällt werden. "Das geschieht aus gesundheitlichen Gründen. Wir haben die Bäume in den letzten Jahren immer wieder ausgeschnitten und viel Totholz herausgeholt. Aber sie treiben kaum noch aus", erklärt Bauhofleiterin Monika Weigel. "Wir sind zur Verkehrssicherung verpflichtet. Und zwischen Baumstamm und Wurzel haben sich schleichende Schäden gezeigt", sagt sie.

Vom Pilz befallen sind zwei der Eichen, die dritte hat bei früheren Straßenbauten nahe der Kreuzung zur Herrmannstraße einen Wurzelschaden erlitten. Für Revierförster Dirk Tenzler sind das jedoch keine zwei verschiedenen Dinge. "Die Eiche ist normalerweise kaum ein Kandidat für Pilzbefall. Der Parasit kann erst angreifen, wenn schon Schäden da sind", sagt der Baumexperte. Es sei wahrscheinlich, dass auch die vom Pilz befallenen Bäume Schäden an der Wurzel haben. Dass Bauarbeiten dafür verantwortlich sind, sei "kein unbekanntes Problem", erklärt Tenzler. "Normalerweise sind Wurzelschutzmaßnahmen bei solchen Bauten vorgeschrieben, zum Beispiel durch Schachten per Hand. Das wird aber auf Baustellen kaum kontrolliert", ärgert er sich. Letztlich sei die Erkrankung der Bäume meist auf eine Mischung von Ursachen zurückzuführen. "Wir sind uns über die genaue Ursache nicht ganz einig. Ein Ansatz ist, dass die Wurzeln degenerieren, wenn man immer so viel aus den Kronen schneidet, wie es zuletzt passierte", meint Tenzler.

Ein ähnliches Schicksal droht in diesem Winter der alten Eiche am Döbelner Lutherplatz. Seit Jahren muss aus dem Baum direkt vor der Döbelner Stadtbibliothek jede Menge Totholz geschnitten werden. "Schuld sind nicht nur Baumaßnahmen. Die Eichen haben im Stadtbereich aus vielen Gründen nicht das ewige Leben", sagt Maja Köhler, die das Sachgebiet Natur und Umwelt im Döbelner Rathaus leitet. Auch der zweiten alten Eiche gegenüber an der Kirche geben die Experten keine zehn Jahre mehr. Das historische Eichen-Quartett am Lutherplatz wird so wie die beiden vor zehn Jahren neu gepflanzten Eichen am Pfarrhaus wieder vervollständigt.

Leidtragende sind neben den Bäumen selbst die Anwohner, die sich Jahrzehnte am Anblick und Schatten der Riesen erfreuten. So geht es gerade dem Döbelner Rolf Berndt. Er wohnt auf der, dem Lutherplatz abgewandten, Seite des Schlossberges im hintersten der Färberhäuser. Auf dem Schlossberg über seinem Haus sollen nächste Woche eine Linde und ein Ahorn mit Hilfe von Kletterexperten Ast für Ast vom Fels gefällt werden. Während sein Nachbar Peter Palberg sich sorgt, dass die 140 Jahre alten Bäume irgendwann auf sein Haus fallen, nennt Rolf Berndt die Fällung der gesunden Bäume Frevel. "Die stehen fest, wachsen nicht mehr und richten mit ihren Wurzeln auch keinen Schaden an. Im Gegenteil sie festigen den Hang über unseren Häusern", meint Berndt. Auch die Döbelner Baumschutzkommission tat sich mit der von Palberg im Sommer beantragten Baumfällaktion schwer. "Die Bäume sind gesund. Stünden sie an einem geraden Grundstück und nicht an einem Felshang, wäre es tatsächlich Frevel, sie zu fällen" sagt Maja Köhler. Doch am Standort über den ältesten Häusern der Stadt wollte von den Baumexperten keiner eine Garantie übernehmen. "Beim Dauerregen im Sommer sind an ganz anderen Stellen gesunde Bäume umgekippt. Das hat uns schweren Herzens zustimmen lassen", so die Stadtplanerin.

Th. Sparrer / S. Fink

Thomas Sparrer

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