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Döbeln Heimatgeschichte: Im Jahr 1847 über 200 Katholiken in der Region
Region Döbeln Heimatgeschichte: Im Jahr 1847 über 200 Katholiken in der Region
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16:03 14.01.2013
Blick in die Kapelle. Quelle: Andreas Lobe
Mügeln

Nach dem Ersten Weltkrieg wanderten Katholiken aus dem polnisch besetzten Oberschlesien in unsere Region ein. Die katholische Gemeinde in Mügeln suchte nun nach geeigneten Räumen, um ihren Gottesdienst abhalten zu können.

Der weite Weg zur Kapelle in der Hubertusburg war sehr beschwerlich. In den Hinterzimmern der Pension Feßler oder in der Mühlgasse 2 wurde unter provisorischen Bedingungen die heilige Messe zelebriert. Das wurde von den Behörden immer wieder, unter dem Vorwand baupolizeilicher Bestimmungen unterbunden. Im Jahre 1937 kaufte die katholische Gemeinde Scheune und Wiese des Kürschnermeisters Paul Zaspel für 7000 Reichsmark auf.

Hier zwischen der Hackstraße und dem Blumenweg sollte ein eigenes Objekt für die kleine Gemeinde aufbaut werden. Aber der Bürgermeister der Stadt Mügeln und späterer Kreisleiter der NSDAP Parteigenosse Max Albrecht übte auf Paul Zaspel Druck aus, so dass dieser eingeschüchtert wenige Tage später den Kauf rückgängig machte. Eine darauf folgende Bitte an die evangelische Gemeinde um Gastrecht in ihren Kirchen wurden vom Parteigenossen der NSDAP Pfarrer Hugo Becher sowie von zwei Mitgliedern des Kirchenrates strikt abgelehnt.

Die Nazis versuchten nach ihrem Machtantritt ihren Einfluss zu stärken, indem sie beide großen Kirchen gegeneinander ausspielten.

Nach langen Verhandlungen durfte das Altmügelner Konfirmantenzimmer für katholische Gottesdienste genutzt werden. Der stellvertretende Pfarrer der Hubertusburger Schlosskapelle und Vertreter eines Militärpfarrers der Wehrmacht Kaplan Hermann Scheipers konnte bei Anwesenheit von Truppenteilen einige offizielle katholische Gottesdienste gegen den Widerstand der nationalsozialistischen Behörden in Mügeln durchsetzen. Diese wurden in der Johanniskirche und sogar auf dem Markt abgehalten. Im Krieg verschlechterte sich die allgemeinen Lebensverhältnisse.

Wer sich dagegen auflehnte, spielte mit seinem Leben. Trotz strengen Verbots setzte sich Kaplan Scheipers für in Mahlis untergebrachte polnische Kriegsgefangene ein und wurde von den Nazis dafür 1940 ins KZ gebracht. Einem in Schlagwitz untergebrachten, französischen katholischen Militärpfarrer wurde das Abhalten von Gottesdiensten ausdrücklich verboten. Als Kriegsgefangener musste er aber in der Mügelner Chemischen Fabrik Lipsia arbeiten.

Im Laufe des Krieges vergrößerte sich durch ausgebombte Familien aus dem Rheinland die Mügelner katholische Gemeinde. Als sich die Wehrmacht dann auf dem Rückzug befand, spülte der Krieg tausende entwurzelte Menschen nach Mitteldeutschland und somit auch in unsere Region.

Zum Kriegsende befanden sich im damaligem Kreis Oschatz 26 763 Flüchtlinge und Vertriebene.

Fortsetzung folgt Andreas Lobe

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