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Döbeln Henning Homann möchte im Landtag bleiben
Region Döbeln Henning Homann möchte im Landtag bleiben
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07:00 03.11.2018
Der Döbelner Henning Homann will Regierungspolitik besser erklären. Quelle: Sven Bartsch
Döbeln

Der Döbelner Henning Homann (39) ist seit vergangenem Wochenende neuer SPD-Generalsekretär in Sachsen. Im DAZ-Interview erklärt er, trotzdem gern weiter als Landtagspolitiker arbeiten zu wollen.

Beim Parteitag in Dresden sind Sie mit 81 Prozent zum neuen SPD-Generalsekretär in Sachsen gewählt worden. Freuen Sie sich auf diese verantwortungsvolle Aufgabe?

Henning Homann: Selbstverständlich. Eine ehrenvolle, auch reizvolle Aufgabe. Als Generalsekretär habe ich die Möglichkeit die Politik in Sachsen und natürlich der SPD stärker mitzugestalten. Das geht mit mehr Verantwortung einher, vor der habe ich mich aber noch nie gedrückt.

Kam es für Sie überraschend, dass Parteichef Martin Dulig Sie für das Amt des Generalsekretärs vorgeschlagen hat?

Martin Dulig und ich arbeiten seit Jahren sehr eng zusammen und diskutieren oft darüber, wie wir Sachsen zukunftsgewandt und gerecht gestalten können. Die Gründung der Fachkräfteallianzen, der Plan den ländlichen Raum besser an die Metropolen anzubinden und die verbesserte Förderung junger Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sind Projekte, die wir gemeinsam entwickelt haben. Natürlich haben wir auch über das Amt des Generalsekretärs gesprochen.

Es hieß, Sie sollten im nächsten Jahr den Landtags-Wahlkampf der SPD managen. Bleibt es dabei, wenn Sie General sind?

Die Vorbereitung der Wahlen 2019 ist eine meiner Hauptaufgaben als Generalsekretär. Bis dahin gibt es viel zu tun: Aktuell führen wir Haushaltsverhandlungen, dabei entscheidet sich beispielsweise, wie viel Geld für die Städte und Gemeinden, für Bus und Bahn oder für Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt wird. Unsere Wähler erwarten, dass wir ihr Leben ganz praktisch verbessern. Mit mir wird es deshalb keinen Dauerwahlkampf geben.

Ihnen liegt als Döbelner Ihre Heimatregion sehr am Herzen und Sie wollten sich eigentlich als Landtagsabgeordneter weiter dafür einsetzen. Können und wollen Sie als SPD-Generalsekretär im Herbst 2019 überhaupt noch mal zur Landtagswahl antreten?

Es stimmt: Die Region Döbeln ist mein ’daheeme’, hier bin ich verwurzelt und hier will ich bleiben. Und ich möchte, dass die Menschen hier gut leben können und auch hier wohnen bleiben, wenn sie woanders arbeiten. Unsere Lage zwischen den großen Städten kann eine große Chance sein. Dass wir von unserer zentralen Lage profitieren, ist aber kein Selbstläufer. Wir müssen etwas dafür tun, um Anschluss an die wachsenden Metropolen zu finden. Eine neue Zuganbindung nach Dresden wäre ein wichtiger Teilerfolg. Ich glaube, ich kann dabei helfen, die Ziele unserer Heimatregion zu verwirklichen. Die vielen positiven Gespräche machen mir dabei Mut. Ich werde meine Basis darum bitten, mich wieder für den Landtag aufzustellen.

Sie engagieren sich gerade stark für Gemeinschaftsschulen in Sachsen, unterstützen die Unterschriftensammlung dazu. Wie ist die Resonanz bei den Bürgern?

Die Resonanz ist sehr gut. In mein Döbelner Büro kommen täglich Menschen, die ihre Unterschrift für längeres gemeinsames Lernen geben wollen. Die Infostände auf den Wochenmärkten sind Selbstläufer, von Freunden und Bekannten werden mir volle Listen in die Hand gedrückt. Und ja, wir mussten schon neue Unterschriftenlisten nachbestellen. In meinem Büro am Niedermarkt kann also weiter fleißig unterschrieben werden, schließlich wollen wir bis Weihnachten 40 000 Unterschriften zusammen haben!

Sollte die SPD Döbeln einen eigenen OBM-Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl im Mai 2019 aufstellen? Wüssten Sie jemanden, der für Ihre Partei antreten kann?

Hier sind wir als SPD noch in der Findungsphase. Oberbürgermeister Egerer hat ja recht überraschend verlauten lassen, wann er seine Arbeit für Döbeln einstellt. Wichtig ist, dass Döbeln ambitioniert und mutig vorangebracht wird. Döbeln ist zu lebenswert, um es nur zu verwalten. Die Region hat gute Zukunftschancen, wenn wir etwas dafür tun.

Heißt „Findungsphase“, es mangelt in der SPD am geeigneten Personal für einen Kandidaten?

Nein, in Döbeln gibt es viele engagierte und kompetente Menschen, mit denen wir im Gespräch sind. Eine Kandidatur für ein so wichtiges Amt muss nicht nur gut überlegt sein, sondern auch in die Lebensplanung möglicher Kandidaten passen.

Noch mal zurück zu Ihrer neuen Funktion in der Landes-SPD – was kommt da auf Sie zu?

Als Generalsekretär ist es meine Aufgabe, die SPD-Regierungspolitik in Sachsen zu erklären und gleichzeitig inhaltlich und organisatorisch vorauszudenken. Eine gute Regierungsbilanz ist natürlich wichtig, genauso wie eine gute Organisation. Aber das reicht mir nicht. Die Menschen in Sachsen wollen wissen, wie wir den Freistaat in die Zukunft führen wollen und wie die SPD ihr Leben ganz praktisch verbessern wird. Ein Beispiel: Die Verbesserung an Sachsens Kitas ist einer der SPD-Schwerpunkte. Dazu haben wir in den letzten vier Jahren über 2 800 neue Erzieherinnen und Erzieher eingestellt und investieren so in die Qualität frühkindlicher Bildung. Mit dem kommenden Doppelhaushalt führen wir eine Vor- und Nachbereitungszeit ein, um auch die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Nach der Landtagswahl wollen wir neben weiteren Qualitätsverbesserungen damit beginnen, die Elternbeiträge abzuschaffen. Manchen Menschen geht das zu langsam, das kann ich verstehen. Aber aufgrund der hohen Kosten und fehlender Fachkräfte sind Verbesserungen hier nur Schritt für Schritt möglich. Wenn man das gut erklärt, sind die Menschen bereit, uns auf diesem Weg zu unterstützen.

Dulig setzt großes Vertrauen in Sie. Er sagt, Sie sollen die neue selbstbewusste Stimme der SPD Sachsen werden. Wie wollen Sie das schaffen, mit zuletzt schlechten 11,4 Prozent Umfrageergebnis im Nacken?

Wir sollten selbstbewusst sein. Wir haben als SPD in den letzten vier Jahren die Regierungspolitik an zentralen Stellen wesentlich verbessert. Bis 2014 war es der Plan der CDU in Sachsen, tausende Stellen bei den Lehrern und Polizisten einzusparen. Statt weiter zu kürzen, werden jetzt neue Stellen aufgebaut. Bis 2014 fand der Breitbandausbau nur dort statt, wo es sich für die großen Konzerne lohnte. Jetzt arbeiten wir daran, allen Menschen in Sachsen schnelles Internet zur Verfügung zu stellen. Man darf nicht vergessen, dass die SPD in Sachsen anders als in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern schon immer eine kleinere Partei war. Uns mit den Hochburgen zu vergleichen wäre nicht fair. Unsere Umfragen in Sachsen sind weitgehend stabil und wir haben den Anspruch bei der kommenden Landtagswahl stärker zu werden.

Schaut man sich die schlechten Wahlergebnisse von Bayern und Hessen an, scheint das weniger an der Landes- oder der Oppositionspolitik der SPD, vielmehr an der Groko in Berlin zu liegen. Haben Sie nicht Angst vor den sächsischen Landtagswahlen im nächsten Jahr?

Wir erleben, dass es in Berlin seit der letzten Bundestagswahl fast ausschließlich um parteitaktische Debatten geht. Ist Jamaika gut für die FDP? Ist die Groko gut für die SPD? Was muss die CSU tun, damit sie bei der Bayernwahl gut abschneidet? Muss Angela Merkel zurücktreten? Mich nervt das auch. Was mich ärgert ist, dass dadurch wichtige SPD-Erfolge nicht wahrgenommen werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Das Verbandsklagerecht, mit dem betrogene Dieselbesitzer Schadensersatz geltend machen können, ist dafür ein gutes Beispiel. Die SPD Sachsen hat sich schon vor Jahren für einen eigenen Weg entschieden. Mit der Küchentisch-Tour hat SPD-Chef Martin Dulig eine neue Politik auf Augenhöhe zu den Bürgern entwickelt, die heute von vielen anderen kopiert wird. Ich selber versuche durch mein Bürgerfrühstück, durch Veranstaltungen in meinem Bürgerbüro oder durch das Bürgerpraktikum, bei dem mich Bürger einen Tag lang zu allen Terminen begleiten, aktiv auf Menschen zuzugehen und Hinweise, Lob und Kritikpunkte aufzunehmen. Wenn wir unseren Weg in Sachsen konsequent fortsetzen, schaue ich mit Optimismus in Richtung Landtagswahl im kommenden Jahr.

Von Olaf Büchel

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