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Döbeln Herzschlagfinale: Bellmann holt Direktmandat knapp vor Hessenkemper
Region Döbeln Herzschlagfinale: Bellmann holt Direktmandat knapp vor Hessenkemper
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00:11 25.09.2017
Ilka Theile, Marlies Kießig, Steffi Tauber und Thomas Harnisch sortieren kurz nach 18 Uhr im Wahllokal im Döbelner Feuerwehrgerätehaus die Stimmzettel fürs Zählen vor Quelle: Thomas Sparrer
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Mittelsachsen/Region Döbeln

Mittelsachsen/Region Döbeln. Ein Kopf an Kopf-Rennen lieferten sich bei der Bundestagswahl die Direktkandidatin der CDU, Veronika Bellmann und der AfD-Direktkandidat Heiko Hessenkemper. Erst mit dem Vorliegen des letzten Wahlergebnisses aus Flöha stand Bellmann als knappe Siegerin fest. Sie lag am Ende mit 0,9 Prozentpunkten vor dem Kontrahenten (vorläufiges Endergebnis). Bei der Zweitstimme holte im Wahlkreis 161 Mittelsachsen die AfD das stärkste Ergebnis mit 31,2 Prozent, die CDU kommt hier nur auf 27,7 Prozent. Drittstärkste Kraft wird Die Linke vor SPD und FDP. Im Altkreis Döbeln liegt die CDU beim Zweitstimmenergebnis in vier Kommunen vorn, in weiteren vier Kommunen die AfD. Die Wahlbeteiligung lag dieses Mal mit 74,7 Prozent um 5,6 Prozent höher als 2013.

„Das war ein Herzschlagfinale. Wobei ich noch vorsichtig bin. Drei Briefwahlergebnisse, die von Lichtenberg, Mittweida und Sayda stehen zurzeit noch aus“, sagte Veronika Bellmann Sonntagabend, 22.30 Uhr. Für die Ergebnisse aus dem Döbelner Raum sei sie dankbar, weil diese besser ausgefallen sind, als gedacht. „Ich bin nicht so richtig ernst genommen worden, als ich gesagt habe, dass es knapp wird. Dass es aber so haarscharf wird, hätte auch ich nicht gedacht“, erklärte Bellmann.

Die Wahl in Mittelsachsen Quelle: Patrick Moye

Linken-Kandidat Falk Neubert hat ein so gutes Abschneiden der AfD nicht erwartet. Eine Ursache sieht er „in der Politik der sozialen Ungerechtigkeit“ der CDU-SPD-Koalition. Der FDP-Direktkandidat Philipp Hartewig erklärte: „Ich freue mich, dass wir im Bund ein zweistelliges Wahlergebnis erreicht haben und in Sachsen und Mittelsachsen deutlich über dem Ziel von fünf Prozent liegen.“

Die Wahl verlief in der Döbelner Region ohne Zwischenfälle. „Die meisten Wähler waren zwischen 11 und 12 Uhr da“, hat Wahlhelferin Marlies Kießig im Döbelner Wahlbezirk 094 (Feuerwehrgerätehaus) beobachtet. 1089 Wahlberechtigte aus der Döbelner Weststadt, rund um den Sternplatz, der Bahnhofstraße sowie der Mastener und der Feldstraße waren in diesem Wahllokal wahlberechtigt. „Um 7.45 Uhr stand die erste Wählerin vor der Tür und das obwohl es gar keinen Blumenstrauß für den ersten gibt“, so Toni Gebler, der Leiter des Wahllokales. Bis 18 Uhr hatten 519 Wähler ihre Stimme abgegeben. „Das wären nicht mal 50 Prozent. Aber es haben sicher sehr viele Briefwahl gemacht, so dass man daran für die Wahlbeteiligung noch nicht viel ablesen kann“, so Gebler. Erstmals dabei war die Jüngste in der siebenköpfigen Runde des Wahlvorstandes: Lisa Wagner ist gerade 25 Jahre alt und arbeitet als Erzieherin in der Kindertagesstätte „Tausendfüßler“ in Döbeln-Nord. „Ich wurde in der Einrichtung angesprochen, ob ich als Wahlhelfer mitmachen würde und habe zugesagt. Vielleicht bin ich bei der nächsten Wahl wieder mit dabei“, sagte sie, während Toni Gebler um 18 Uhr die Wahlurne öffnete und die Stimmzettel auf den Tisch schüttete. Es wurde sortiert, ausgezählt, nachgezählt und protokolliert. Zwischen 35 und 45 Euro bekommen die ehrenamtlichen Wahlhelfer, je nach Funktion im Wahlvorstand, als Aufwandsentschädigung.

So wählte die Region Döbeln (Zweitstimme)

Döbeln: AfD 28,8 % ; CDU 28,3 %; Linke 16,0%; SPD 10,9 %; FDP 7,1%; Grüne 2,2 %

Großweitzschen: AfD 30,7; CDU 32,4 ; Linke 12,1; SPD 8,9; FDP 7,6; Grüne 2,9

Hartha AfD 26,9; CDU 31,1; Linke 15,3; SPD 11,0; FDP 6,7; Grüne 2,3

Leisnig AfD 26,8; CDU 29,0; Linke 16,6; SPD 12,1; FDP 7,4; Grüne 2,6

Ostrau AfD 31,3; CDU 28,7; Linke 15,3 ; SPD 9,6; FDP 7,2; Grüne 2,0

Roßwein AfD 27,9; CDU 29,6; Linke 14,9; SPD 10,4; FDP 8,0; Grüne 2,6

Waldheim AfD 26,7; CDU 26,7; Linke 16,3; SPD 11,3; FDP 9,2; Grüne 2,1

Zschaitz-Ottewig AfD 31,2; CDU 30,2; Linke 10,5; SPD 9,6; FDP 8,7; Grüne 2,1

Zweitstimme Mittelsachsen (WK161) gesamt:

AfD 31,2; CDU 27,7; Linke 14,5; SPD 9,7; FDP 7,8; Grüne 2,8

In Roßwein und den Ortsteilen der Stadt kamen die Wähler über den ganzen Tag verteilt, um ihre Stimme abzugeben. Bereits am späten Nachmittag vermutete Hauptamtsleiterin Michaela Neubert eine vergleichsweise hohe Wahlbeteiligung, was sich nach der Auszählung bestätigte. Die Roßweiner Ortsteile Littdorf, Grunau und Wetterwitz gehörten Sonntagabend zu den allerersten Wahlbezirken im Wahlkreis 161 Mittelsachsen, die die Ergebnisse ausgezählt und weitergemeldet hatten.

„SPD als stärkste Kraft in der Opposition ist OK“

„18 sein ist cool, wegen der vielen neuen Möglichkeiten. Eine davon ist, wählen zu dürfen“, sagt Paula Menzel aus Meinsberg, die am Wahltag ihren 18. Geburtstag feierte. Genau genommen hat sie mit Freunden reingefeiert und weil sie wusste, dass das spät wird, hat sie schon mit 17 Briefwahl gemacht. „Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis ganz zufrieden. Die vielen Stimmen für die AfD finde ich blöd, aber das war zu erwarten. Dass die SPD jetzt aber stärkste Oppositionskraft und damit gewichtiger Gegenpol zur AfD wird, finde ich gut. Ebenso gut finde ich den Wiedereinzug der FDP ins Parlament. Eine schwarz-grün-gelbe Koalition wäre mal was Neues“, so die Erstwählerin.

„Ich hatte es noch schlimmer befürchtet“

Nach den ersten Hochrechnungen und dem traurigen Ergebnis für „seine“ SPD hat sich Hermann Mehner vom Döbelner SPD-Ortsverein ins Auto gesetzt und die Wahlplakate seiner Partei im Döbelner Stadtgebiet eingesammelt. „Ich hatte es noch schlimmer befürchtet. Es wird jetzt ein Neuanfang für die SPD. Wenigstens sind wir in Döbeln die Ersten, die wieder aufräumen und für Ordnung sorgen nach der Wahl“, sagt er lachend und wirft weitere Pappplakate auf seinen Anhänger.

Von Olaf Büchel und Thomas Sparrer

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