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Döbeln Hexenprozesse in Leisnig neu aufgerollt: Rechtsanwalt will Rehabilitierung
Region Döbeln Hexenprozesse in Leisnig neu aufgerollt: Rechtsanwalt will Rehabilitierung
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15:13 04.12.2015
Lange Jahre Teil des Leisniger Burg- und Altstadftestes und zuletzt aus dem Programm genommen: Darstellungen von Hexenverbrennungen. Quelle: Wolfgang Sens
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Leisnig

Jahrelang gehörten sie ins Programm der Leisniger Burg- und Altstadtfeste: Darstellungen von Hexenprozessen, so oder so ähnlich, wie sie sich in Leisnig zugetragen haben könnten. Unumstritten war das nie, und es wurde zuletzt in der früheren Form aus dem Programm genommen. Nun unternimmt mit Red Fischer ein Leisniger Rechtsanwalt einen ungewöhnlichen Vorstoß, die drei vor 400 Jahren in Leisnig zuletzt als angebliche Hexen verbrannten Frauen zumindest sozialethisch zu rehabilitieren. Fischer sagt: „Das, wofür diese Frauen eingesperrt, gequält und getötet wurden, können sie nicht getan haben. Sie sind Opfer eines Justizmordes.“ Die Stadtobrigkeit übte damals die Halsgerichtsbarkeit in Leisnig aus, verantwortete demnach auch die Hinrichtungen.

Der Jurist weiß darum, dass es keine Rehabilitierung im juristischen Sinne geben kann. Er sieht dennoch die Stadt in einer gewissen Verantwortung, das Kapitel in einer der Frauen würdigen Weise abzuschließen. Am 17. November jährte sich die qualvolle Hinrichtung der Witwe Magdalena Alber, genannt Meline, sowie ihrer Töchter Anna Lange und Christine Zimmermann zum 400. Mal.

Mit seinem Vorstoß folgt Fischer einer Initiative des deutschlandweit aktiven Arbeitskreises Hexenprozesse um deren Initiator Hartmut Hegeler aus Döbelns Partnerstadt Unna. „Städte wie, Suhl, Schleswig, Köln, Dortmund und viele mehr haben sich dem Thema in würdiger Weise gewidmet, in der Lutherstadt Wittenberg im Oktober 2013“, weiß er. Oft geschehe dies in Kooperation mit den Kirchen, auch mit heute noch lebenden Verwandten der Getöteten. http://www.anton-praetorius.de/

So wendete sich Fischer an den Bürgermeister von Leisnig, um für den Fall der Leisniger Frauen eine gewisse Hinwendung zu der Thematik zu erwirken. Tobias Goth (CDU) leitete das Ansinnen an Uwe Dietrich vom Rechts- und Ordnungsamt weiter. Dietrich sagt auf Anfrage der DAZ: „Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins haben Dokumente und weitere Schriftstücke über den Fall zusammen gestellt. Wir wollten uns ein Bild über die Geschehnisse verschaffen. Eine juristische Rehabilitierung in dem Sinne kann es nicht geben, weil die heutige Stadtverwaltung nicht Rechtsnachfolgerin der damaligen Stadtobrigkeit ist. Trotzdem halten wir eine öffentliche Würdigung für wichtig - in welcher Form, das wird sich noch herauskristallisieren. Das wird nicht ohne Beteiligung des Stadtrates entschieden.“

Red Fischer sieht den Punkt der Rechtsnachfolge so: „Ungeachtet dessen sehe ich aber die Stadt Leisnig moralisch in der Pflicht, die Ehre der Opfer dieser Repressalien wieder herzustellen.“ Als Auslöser für seine Aktivitäten benennt Fischer einen Vortrag der Autorin Regina Röhner im Februar auf der Burg Mildenstein. Röhner ist Verfasserin des Buches „Hexen müssen brennen“, in welchem sie Geschichten vom Hexenwahn in Sachsen veröffentlichte. Darin wird der Leisniger Fall der Mühl-Lena und ihrer Töchter geschildert, angefangen vom Entstehen des bösen Leumundes über die Foltermethoden und die Schilderung der öffentlichen Aburteilung auf dem Marktplatz, bis hin zur Höhe des Henkerslohns für jene, die die Frauen auf die Holzstöße banden. Die Leidenszeit der Frauen dauerte einschließlich Inhaftierung und Folter von Mitte Juni bis zum 17. November 1615. An diesem Tage wurden sie auf der Muldenwiese lebendigen Leibes verbrannt. Regina Röhner schreibt über den beauftragten Scharfrichter Hans Stengler: „Der Meister ist kein Unmensch, er versteht es wohl, den Brand so einzurichten, dass der Rauch die Opfer bald erstickt.“

Von Steffi Robak

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