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Döbeln Hiebe statt Liebe – Gericht verurteilt 23-jährigen Döbelner wegen Körperverletzung zu Geldstrafe
Region Döbeln Hiebe statt Liebe – Gericht verurteilt 23-jährigen Döbelner wegen Körperverletzung zu Geldstrafe
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16:05 11.03.2016
Der 23-jährige Döbelner stand wegen Körperverletzung vor Gericht. Er soll seinen Sohn geschlagen haben, als dieser ein Jahr und vier Monate alt war. Quelle: Archiv
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Döbeln

Die Umstände einer Verlobung interessierten Strafrichter Janko Ehrlich im Amtsgericht Döbeln am Freitag. Verlobte brauchen vor Gericht nämlich nicht gegen ihre Partner auszusagen Die Strafprozessordnung billigt ihnen das Recht zu, die Aussage zu verweigern. In Richter Ehrlichs Verhandlung saß eine 21-jährige Döbelnerin auf dem Zeugenstuhl – auf der Anklagebank ihr vermeintlicher Verlobter. Er soll das gemeinsame Kind geschlagen und es zudem in sein Bettchen geworfen haben, so dass sein Köpfchen ans Bettgestell stieß. Körperverletzung lautete der Tatvorwurf. Ein Jahr und vier Monate alt war der Knabe, als ihn sein Vater misshandelt haben soll.

Für die Zeugin wäre es besser gewesen, sie hätte die Aussage verweigern dürfen. Jetzt drohen ihr selber Strafverfahren. Richter Ehrlichs Nachforschungen ergaben nämlich, dass sie wohl nicht mit dem Angeklagten verlobt ist. Getrennt befragt, sagte er, man habe sich im November 2012 das Eheversprechen gegeben, so richtig mit Heiratsantrag und Ringen in ihrer Wohnung an der Mastener Straße. Sie dagegen behauptete, es sei im April 2013 gewesen und ohne Ringe. Austragungsort dieser kleinen Zeremonie sei die Wohnung ihres Vaters an der Feldstraße gewesen. Das passt nicht zusammen.

Ex-Affären klären Fall auf

Der Richter glaubte weder die Verlobungsgeschichte noch die Aussage der Zeugin vor Gericht, die den Angeklagten entlasten sollte. Dabei war die Frau selbst zur Polizei gegangen und hatte ihren vermeintlich Verlobten angezeigt, sogar eine schriftliche Aussage hinterlassen. Das stritt sie zunächst ab, gab es aber schließlich kleinlaut zu, als sie Richter Ehrlich an seinen Tisch geholt und ihr das Schreiben vorgelegt hatte. „Entweder stimmt ihre Aussage bei der Polizei. Dann erwartet Sie ein Verfahren wegen falscher uneidlicher Aussage. Oder Sie haben bei der Polizei gelogen. Dann sind Sie wegen falscher Verdächtigung dran“, legte der Richter der jungen Frau die möglichen strafrechtlichen Konsequenzen ihres Verhaltens dar. Ihren Freund verurteilte Janko Ehrlich wegen Körperverletzung in zwei tatmehrheitlichen Fällen zu einer Gesamtgeldstrafe von 75 Tagessätzen á zehn Euro. Der junge Mann mit der abgebrochenen Tischlerlehre hatte die Taten bestritten. 2014 hatte eine Geldstrafe akzeptiert, weil er seinen Sohn geschlagen hatte. 2015 habe er ihm aber nichts mehr getan.

Richter Janko Ehrlich gelangte durch zwei belastende Zeugenaussagen zur Überzeugung, dass der 23-Jährige schuldig ist. Es waren die Ex-Affären des Angeklagten und seiner Freundin, die deutliche Indizien für die Schuld des jungen Mannes lieferten. Die Cousine des Mannes hatte die Schläge wohl beobachtet. Als die Mutter des Jungen Wind von dem Verhältnis ihres Freundes bekam, hatte sie ihn rausgeschmissen und war zur Polizei gegangen, hatte jene belastende schriftliche Aussage hinterlassen, die ihr Richter Ehrlich schließlich vorgehalten hat. Die Frau fing dann selbst ein Verhältnis mit einem 21-jährigen Döbelner an, wie dieser als Zeuge berichtete. Die vorgeworfene Tat habe er zwar nicht beobachtet aber oft gesehen, wie grob der 23-Jährige mit dem kleinen Jungen umging: „Er hat ihn fest angepackt und ins Zimmer geschmissen. Das ist eines kleinen Kindes unwürdig“.

Verletzungen nicht schlimm – darum Geldstrafe möglich

„Man kann Sie nicht wegen ständiger Gewalttätigkeiten verurteilen. Mann muss sich da einen konkreten Fall herauspicken“, sagte Richter Ehrlich, als er das Urteil begründete. „Ich denke, dass uns die Zeugin H. (Cousine des Angeklagten, d. Red.) nicht belogen hat.“ Weil die Verletzungen des Jungen nicht so schlimm waren, „dass man hätte zum Arzt gehen müssen“, könne er lediglich eine Geldstrafe als Rechtsfolge aussprechen, sagte Richter Ehrlich. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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