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Döbeln Hier heizt Döbeln der Welt ein!
Region Döbeln Hier heizt Döbeln der Welt ein!
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16:41 26.09.2011

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"Das ist ja außerirdisch, wie die hier tanzen..." Es ist kurz vor Mitternacht am Sonnabend, ein paar letzte Gäste unterhalten sich im Foyer. Die World Masters Main Class & World Championship Girls Formations 2011 sind Geschichte. Die "Smileys" sind längst daheim, dem WelWel-Team und seinen Helfern steht die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben. Und doch ist die Stimmung gut - Platz fünf, wer hätte das gedacht? Keiner.

Rückblende. 15 Stunden vorher herrscht im Eingangsbereich des auf Weltmeisterschaft getrimmten Sport- und Freizeitzentrums Hochbetrieb, das Stimmengewirr im Foyer ist international. Alle Formationen auf einmal, so scheint es, wollen einchecken und die Gegebenheiten in Besitz nehmen. Die Gastgeber in gelben Oberteilen versuchen, Ruhe zu bewahren, diese erste größere Stressphase dieses sehr lang werdenden Tages zu meistern. Nach Außen bleibt das Team um Vereinschef Thorsten Hartwig und Organisationsleiterin Judit Schmidhoffer immer gelassen. Schließlich hat man Übung darin, Unwegsamkeiten zu umschiffen.

In der Halle ist bereits Musik zu hören. Die Stellproben laufen. In Schwarz und Rot präsentieren sich die Kulissen, das Gelb des Organisationsteams komplettiert den Auftritt als deutscher WM-Gastgeber. Relativ entspannt ist die Lage in der Sauna. Hier haben seit 9 Uhr die "Smileys" ihr Domizil. Gemeinsam mit Muttis und ehemaligen Tänzerinnen verwandelt Trainerin Susann Hoba zwölf junge Damen in schicke Ladys. Einmal schwarzes Haar für alle bitte, die Optik muss stimmen, fließt in die Bewertung mit ein. Deshalb wird auch noch einmal Hand an die Kostüme gelegt - beim Tanzen darf sich nichts ablösen.

"Die Linie halten, haltet die Linie!", korrigiert Judit Schmidhoffer die Döbelner Formation. Im Aufwärmraum wird Klartext gesprochen, für Streicheleinheiten ist keine Zeit. "Das reicht nicht Mädels, das reicht nicht", ruft Susann Hoba und treibt die zwölf "Smileys" händeklatschend an. Mittlerweile wissen die, dass sie in der Vorrunde an vierter Stelle von 20 Gruppen tanzen müssen. "Das ist nicht gut", schütteln einige Eltern den Kopf und auch Susann Hoba rollt mit den Augen, als sie die Liste sieht. Langsam aber sicher kribbelt es bei allen. In der Halle haben die 25 Profi-Paare nach dem ersten großen Einmarsch aller WM-Starter ihre Fußtechnik-Runde absolviert, der Wettbewerb läuft zügig. Die 1000 Zuschauer fassende Tribüne ist schon jetzt gut gefüllt, das Publikum zeigt sich begeistert. Und lokalpatriotisch, klar. Als die Gastgeber zu ihrer Performance die Bühne betreten, jubelt die Halle. Drei wunderbare Minuten lang beeindrucken die "Smileys". Fehlerfrei tanzen sie, exakt, ausdrucksstark, von innen heraus, mit Freude. So manchem treibt die Leistung der Zehn- bis 13-Jährigen die Tränen in die Augen, während er begeistert mitklatscht und dem Rhythmus folgt. Die Choreografie ist phantastisch, kann sich messen mit vielen anderen an diesem Tag - ist besser als viele andere. Die "Smileys" auch? Glückliche Gesichter nach dem Auftritt, schwer atmend klatschen die Mädchen einander ab. Das hat gepasst. Auch die Trainerinnen sind zufrieden, das erste Mal an diesem Tag ist ein relativ entspanntes Lächeln auf ihren Gesichtern zu sehen.

Doch dass es die Döbelner direkt ins Finale schaffen könnten, gleich unter die ersten Sieben kommen, glaubt hier keiner. "Das Niveau ist sehr hoch", schätzt Judit Schmidhoffer ein. "Nur die Deutschen können da nicht ganz mithalten", fügt die gebürtige Ungarin ein wenig resignierend hinzu. Bestimmt wird das Niveau von den Tschechen, Ungarn und Russen. Bilder wie aus einem Guss, brillante Technik, rasante Positionswechsel - nicht nur "Mystique" aus Tschechien verwöhnt mit seinem Auftritt das Auge des Betrachters und fesselt mit Marilyn-Monroe-Optik seinen Blick. Auch die "S-Girls" aus Russland verblüffen den Laien einfach nur mit ihrer Leichtfüßigkeit, der Exaktheit, dem rasanten Tanz, der jederzeit sauber in der Ausführung bleibt. Rock'n'Roll ist toll - doch "diesem Sport wird viel zu wenig Anerkennung entgegengebracht", schätzt Antje Kalies ein, die als Zuschauer das erste Mal bei einem solchen Wettkampf dabei und angesichts der sportlichen Leistungen verblüfft ist.

Vor allem die sportlichen Leistungen sind es auch, die bei den Paaren hervorstechen. Hier sorgt weniger die Show für Luftanhalten, als vielmehr die zum Teil gefährliche Akrobatik. Nach der Vorrunde der Formationen legt die Main Class los - mit Salti, Sprüngen und Würfen, bei denen die Frauen beispielsweise kopfüber den Rücken ihres Partners hinunterrutschen, um dann an Hand und Nacken gepackt zwischen seinen Beinen wieder nach oben befördert zu werden. "Hätte ich gewusst, wie gefährlich das hier wird, hätte ich niemals zugesagt", sagt Dr. Sergej Strungaru vom Krankenhaus Döbeln, der als Arzt "am Ring" die Stellung hält. Wie gefährlich der Paartanz auf diesem Niveau tatsächlich ist, zeigt ein Sturz der Norweger am Abend im Finale, bei dem Anne Ragnhild Olstad aus zwei Metern Höhe flach auf den Rücken fällt. Zum Glück verletzt sie sich nicht ernsthaft. Aufatmen allerorten.

Für mehr als nur Aufatmen sorgt die erste Bewertung der international besetzten Jury für die Formationen. Susann Hoba bereitet die "Smileys" gerade mit Feinarbeit an der Technik auf die Hoffnungsrunde vor, als die Wahnsinns-Nachricht in der Halle verlesen wird: Die Döbelner haben es auf Anhieb als einer von sieben Kandidaten ins Halbfinale geschafft, müssen sich nicht über die Zwischenrunde qualifizieren. Der Jubel ist schon jetzt grenzenlos. Nicht nur alle drei anderen deutschen Formationen haben sie hinter sich gelassen, auch Ungarn, Ukrainer, Österreicher und Kroaten. "Ziel erreicht", schmunzelt Thorsten Hartwig, und "alles, was jetzt noch kommt, ist Zusatz."

Der Zusatz kommt, zur großen Abendveranstaltung vor voller Tribüne. Das Ambiente ist edel, das MDR-Fernsehen weicht den Gastgebern nicht von der Seite. Moderatorin Diana Holtdorff bereitet das Publikum auf spannende Stunden vor. "Wir sind heute WM!", sagt Thorsten Hartwig mit dem Mikro in der Hand und dankt nach dem mitreißenden Einmarsch aller Halbfinalisten allen, die die Weltmeisterschaft in Döbeln möglich gemacht haben: Ein großes Team, Sponsoren, viele freiwillige Helfer. Und nicht zuletzt der Rock'n'Roll-Weltverband, der den Döbelnern nach der EM 2008 erneut das Vertrauen geschenkt hat.

An dritter Stelle müssen die "Smileys" im Halbfinale ran. Mit blassen Lippen hält sich Susann Hoba die Hand auf den Magen, die Finger von Judit Schmidhoffer zittern. Ihre Schützlinge dürfen sich absolut keinen Fehler erlauben, wenn sie das Niveau halten wollen. Machen sie auch nicht. Im Gegenteil. Noch besser als in der Vorrunde tanzen die Döbelnerinnen, begeistern das heimische Publikum. Jetzt herrscht wieder Gänsheaut-Feeling. Einige Zuschauer hält es nicht auf den Sitzen, stehend applaudieren sie diesen jungen Mädchen, die sich da in Schwarz-Rot-Gold soeben die Seele aus dem Leib getanzt haben. Das Programm ist mitreißend. Dafür sorgen die zwölf besten Formationen dieser WM. "Da bekommt man richtig Lust, sich zu bewegen", sagt ein Zuschauer und wippt mit den Beinen.

Auf den Gesichtern der Mädchen liegt ein dünner Schweißfilm. Susann Hoba reicht Getränke. Über ihr Gesicht zieht sich ein breites Lächeln "Alles gut", sagt sie, "egal, was jetzt noch kommt..." Wird es fürs Finale der besten Sieben reichen? Wird es. Nach dem Kreischalarm inmitten der Akrobatik-K.o.-Runde der Paare stürzen die Gastgeber in ein Meer aus Tränen. Freudentränen. Die "Smileys" stehen im Finale, haben geschafft, womit absolut keiner gerechnet hat. Am wenigsten Judit Schmidhoffer. "Niemals!" Die strenge Chefin der Döbelnerinnen lässt ihren Tränen freien Lauf, liegt hemmungslos schluchzend ihrer Trainer-Kollegin in den Armen. Genau dafür haben sich die letzten verdammt harten Monate gelohnt. Die Mädels sind fassungslos. Und glücklich. Die Eltern auch. Tanzen im Finale - was kann jetzt noch kommen?

Auf jeden Fall erst einmal noch eine dritte tolle Performance der Döbelner Girls und ihrer Mit-Finalistinnen. Eins-A wieder die Tschechinnen, ganz heißer Favorit auf den Titel. Das sehen Zuschauer und Wertungsrichter gleich. Im Gegensatz zum Abschneiden der russischen "S-Girls" und ihrer älteren Landsmänninen von "Nitty Gritty". Beide Formationen nämlich lassen die Döbelnerinnen hinter sich - Platz fünf, eine Sensation. "Die Mädels haben alles umgesetzt, was wir ihnen gesagt haben - wir sind absolut zufrieden", sagt Susann Hoba. Vierte werden die tschechischen "Madonna"s, hinter "Fresh", ebenfalls aus Tschechien. Ungarn erklimmt mit den "Corals" Platz zwei und die strahlenden Mädels von "Mystique" aus Tschechien holen sich den größten Pokal, den der Weltmeister.

Doch auch nach der Siegerehrung für die Formationen können sich die Döbelner Gastgeber und die Wertungsrichter nicht zurücklehnen. Noch steht die Entscheidung über den Titel bei den Paaren aus, derer sieben in einer letzten Akrobatik-Runde tanzen müssen. Am Ende macht Titelverteidiger Russland das Rennen vor den Polen und den Franzosen.

"Allein dieser fünfte Platz hat alle Mühen gelohnt", sagt Thorsten Hartwig kurz vor Mitternacht. Hinter den Kulissen läuft die Arbeit für viele Helfer weiter. Der Aufwand, ob logistisch, finanziell oder sportlich gesehen, ist enorm. Ob es wieder eine Meisterschaft dieser Größenordnung in Döbeln geben wird? "Keine Meisterschaft ohne eigene Formation am Start", sagt der Welwel-Chef. "Und dafür muss sich der Verein noch sehr stark weiterentwickeln." Den Rock'n'Roll-Weltverband zumindest haben die Döbelner als Ausrichter auf ihrer Seite: "Döbeln, I love it", meinte Präsidentin Miriam Kerpan-Izak am Sonnabend schlicht und ergreifend.

Ergebnisse Girl-Formationen: 1. "Mystique" (Cze), 2. "Corals" (Hun), 3. "Fresh" (Cze), 4. Madonna (Cze), 5. "Smileys" (Ger), 6. "S-Girls" (Rus), 7. "Nitty Gritty" (Rus). Main Class: 1. Youdin/Sbitneva (Rus), 2. Tarczylo/Miadzielec (Pol), 3. Baron/Golf (Fra), 4. Cerutti/Hsien (Sui), 5. Levko/Mokhoreva (Rus), 6. Panferova/Adeeva (Rus), 7. Berg/Olstad (Nor).

lokalsport

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Montag, 26. September 2011

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