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Döbeln Hilfswelle folgt auf Unwetter in Region Döbeln
Region Döbeln Hilfswelle folgt auf Unwetter in Region Döbeln
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21:27 10.06.2018
Geröll blockiert den Verkehr auf der Kriebsteiner Straße. Zwischen Waldheim und Kriebethal. Quelle: Dirk Wurzel
Region Döbeln

Erst lagen die Nerven blank. Vor allen bei denen, die das Wasser im Keller hatten. Aber noch während die Wassermassen rauschten, lief schon eine Welle der Hilfsbereitschaft an nach dem Unwetter, das in der Gemeinde Ostrau, Waldheim und Döbeln schwere Schäden verursachte.

Döbeln

Manchmal braucht auch die Feuerwehr Hilfe. Die Döbelner Kameraden jedenfalls waren heilfroh, dass ihnen das Technische Hilfswerk (THW) sofort zur Seite stand. „Mit dem Radlader halfen die Kameraden vom THW, Straßen freizuräumen und waren auch mit im Einsatz in der Tiefgarage des Penny-Marktes“, sagt Ingo Geidelt von der Döbelner Feuerwehr. Er hielt in der Zentrale die Stellung. Zu 85 Wasser-Einsätzen rückten die Döbelner Feuerwehrleute aus – überwiegend im Stadtgebiet Döbeln. Keller auspumpen, Straßen räumen hieß es. Bis gestern gegen 6.30 Uhr dauerte es, die Wappenhensch-Straße vom Schlamm zu befreien. Auch umgestürzte Bäume hatten die Kameraden zu beseitigen. Am Sonntag sägten sie einen um, der auf ein Haus an der Alexanderstraße zu stürzen drohte.

Im Klosterviertel waren einige Leute fuchsteufelswild und nicht gut auf die Stadt zu sprechen. Grund: Die Stadt habe die Dreckfangkörbe der Schleuseneinläufe nicht gereinigt. So konnte das Wasser nicht abfließen, das wieder den Kreisel an der Oberbrücke flutete. Am Dresdner Platz sah es nicht besser aus. Anwohner sagen, das Rückhaltebecken im Amselgrund sei übergelaufen. „Ich schaute in die Garage und da stand schon alles unter Wasser“, sagte Thomas Noack, der an der Klosterstraße wohnt. Er berichtet von Hagel mit scharfkantigen Körnern.

Volle Dreckfangkörbe Quelle: Dirk Wurzel

Gemeinsam mit seinen Nachbarn hat Thomas Noack alle Dreckfangkörbe gezogen, damit die Brühe besser abfließen konnte. „Wenn wir das nicht selber gemacht hätten, wäre es noch schlimmer gekommen“, sagte Klosterviertel-Bewohner Hagen Kunze. Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) kritisiert in einer Email die Berichterstattung der DAZ im Internet zum Thema Klosterviertel („Sie sollten sich schämen“) und verweist darauf, „dass die Kanalisation allerorten für Niederschläge in diesen Mengen nicht ausreichend ist.“

Hop Phans Geschäft liegt oberhalb des Klosterviertels, wo sich die Anwohner über verstopfte Einläufe beschwerten. „Bei mir steht das Wasser 20 Zentimeter im Laden“, sagte der Wirt des Asia-Imbisses „Hoang Long“ an der Ecke St.-Georgen-Straße/Leipziger Straße am Sonnabendabend. Er hofft, dass die Schäden in der Gaststube nicht allzu groß sind. Ob er am Montag wieder aufmachen wird, konnte er am Sonnabendabend noch nicht sagen. Das Wasser hatte sich auch im Döbelner Saunagarten breitgemacht. Es kam von oben, nicht aus der Freiberger Mulde. In den Räumen habe es keinen großen Schaden angerichtet. Ob die Sauna wieder aufmachen kann, müssen aber die Verantwortlichen der Stadtwerke noch entscheiden. In Gärtitz zeigte sich, welche Wucht das Wasser entwickelte. Ein reißender Strom schoss durch Gärten, wie ein Video zeigt, das Anwohner gedreht haben. In Pommlitz standen Keller unter Wasser. Noch Stunden nach den Niederschlägen lagen Hagelkörner rum.

Auch die Polizei musste in Döbel ausrücken. 25 Meldungen zu umgestürzten Bäumen und überfluteten Kellern gingen beim Polizeinotruf ein. Am Sonnabend, gegen 21.30 Uhr stieß im Döbelner Ortsteil Schweimnitz auf der Kreisstraße 7514 ein Ford gegen einen umgestürzten Baum. Zwei Personen verletzten sich leicht. Auf der St.-Georgen-Straße fuhr ein Opel-Fahrer einen 51-Jährigen an, der sich dabei leicht verletzte, teilt die Polizeidirektion Chemnitz mit.

Waldheim

Ein großes Loch klafft im Fußweg an der Mittweidaer Straße im Bereich der Kreuzung mit der Schillerstraße.

Das Unwetter hat den Fußweg an der Mittweider in Waldheim Straße unterspült. Im Bereich der Kreuzung Schillerstraße klafft jetzt ein Loch, Medienleitungen liegen frei. Quelle: Dirk Wurzel

Auch anderswo habe der Regen Fußwege unterspült, sagt Bürgermeister Steffen Ernst (FDP), der bis zum späten Sonnabendabend im Unwetter-Einsatz war. „Das Gerätehaus der Feuerwehr an der Gebersbacher Straße stand komplett unter Wasser. Wir hatten Unterstützung von Wehren aus dem Raum Mittweida, wie ich am Kennzeichen erkannte. Die Harthaer Kameraden waren auch im Einsatz in der Nachbarstadt. Zudem waren unsere Ortswehren ausgerückt. Es waren zum Glück viele Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort, wie zum Beispiel die Anwohner in der Niederstadt. Vielen Dank dafür“, sagt Steffen Ernst, froh und dankbar über die schnelle Hilfe.

Geröll blockiert den Verkehr auf der Kriebsteiner Straße. Zwischen Waldheim und Kriebethal. Quelle: Dirk Wurzel

Durch die Folgen des Unwetters ist die Kriebsteiner Straße gesperrt. Auf dem halben Wege von Waldheim nach Kriebethal blockiert Geröll den Verkehr auf der Staatsstraße 32. Ein Bach hat sich seinen Weg durch den Hang gebahnt und fließt mittlerweile gemächlich über die Straße. An das Verbot halten sich nicht alle Kraftfahrer. Der Fahrer eines VW-Tiguan mit höherer Bodenfreiheit schaffte es über die spitzen Steine. Aber für normale Pkw ist es gefährlich, diese Strecke zu passieren. Sie ist Gift für Reifen, Federung, Bodenblech.

Ostrau

In der Gemeinde Ostrau sind durch das Unwetter vor allem die Orte Zschochau, Pulsitz und Jahna betroffen. Wegen der dort anstehenden Bauarbeiten am Bahndamm, rissen die Wassermassen abgesägte Sträucher und geschredderte Holzteile mit sich. Diese verstopften die Durchlässen. „Dadurch konnte das Wasser nicht abfließen und flutete die angrenzenden Grundstücke“, erklärt Dirk Schilling (CDU) Bürgermeister der Gemeinde Ostrau. Noch während des Unwetters koordinierte er die Einsätze, forderte zusätzliche Hilfskräfte an und teilte diese in Abstimmung mit der Feuerwehr ein. Als erstes ließ er besagte Durchlässe freiräumen. Da halfen etliche Freiwillige ohne groß zu fragen sofort mit. Auch am Sonntag waren Dirk Schilling und die Feuerwehren unermüdlich im Einsatz. Bauhof und Entsorgungsdienste werden am Montag weiter nach dem Rechten sehen und ihre Hilfe anbieten. Unter anderem werden Container aufgestellt. Viele Ostrauer Handwerksbetriebe sicherten dem Bürgermeister ihre Hilfe zu.

Familie Fuhrholz aus Pulsitz zeigt wie hoch das Wasser auf dem Grundstück stand. Quelle: Sven Bartsch

Von Olaf Büchel, Dirk Wurzel und Heiko Stets

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