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Historisches Lagerleben

Historisches Lagerleben

Geschichtsinteressierte sollten sich den 20. Mai 2012 schon jetzt dick ankreuzen. Dann können sie auf dem Staupitzberg im Norden Döbelns ein Armee-Biwak besuchen und sich in die Zeit des Siebenjährigen Krieges zurückversetzen.

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Hobbyforscher Ralph Gundram vor einem Diorama zur Schlacht bei Döbeln im Mai 1762.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Geschichtsinteressierte sollten sich den 20. Mai 2012 schon jetzt dick ankreuzen. Dann können sie auf dem Staupitzberg im Norden Döbelns ein Armee-Biwak besuchen und sich in die Zeit des Siebenjährigen Krieges zurückversetzen. Initiatoren sind Ralph Gundram und das Stadtmuseum Döbelns. Der Waldheimer Hobbyhistoriker kriecht für die authentische Darstellung der Regionalgeschichte schon mal durchs Unterholz.

 

Frage: 2012 gilt als großes Preußen-Jubiläumsjahr. Was muss den Sachsen denn das bedeuten?

Ralph Gundram: Bei einem Preußengeburtstag stecken die Sachsen immer im Zwiespalt. Im Ernst. Wir haben Friedrich II., dessen 300. Geburtstag gefeiert wird, nicht nur die Kartoffel zu verdanken, die auch Sachsen im Siebenjährigen Krieg durch Hungersnöte geholfen hat. Mit Blick auf Döbelns Geschichte sind durchaus gemischte Gefühle angebracht. Den einen gilt der Preußenkönig als Humanist, den anderen als Militarist. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.

Was hat Döbeln konkret mit dem Jubiläumsjahr zu tun?

Mit dem Heimatmuseum der Stadt erinnern wir am 20. Mai 2012 an ein Gefecht, das hier am 12. Mai 1762, also gegen Ende des Siebenjährigen Krieges stattfand. In diesem Krieg wurde zum dritten Mal zwischen Österreich und Preußen um Schlesien gerungen. 1756 waren die Preußen in Sachsen eingefallen, denn Sachsen hatte sich in geheimer Diplomatie der Großmacht Österreich angeschlossen. Im Herbst 1761 war der nördliche Teil von Leipzig her preußisch besetzt, die Region von Dresden über Freiberg bis Plauen österreichisch. Als Trennlinie galt in unserer Region die Freiberger Mulde - Döbeln lag im Tal mittendrin. Bei den Kämpfen am 14./15. November 1761, in deren Ergebnis die Preußen aus Döbeln vertrieben wurden, hatte die Stadt Riesenglück. Das dabei geführte Artillerieduell rollte direkt über den Ort hinweg, baulicher Schaden wurde kaum angerichtet. Es gab ein ziviles Opfer.

Was passierte danach?

Am 12. Mai 1762 morgens starteten etwa 8000 Preußen einen Generalangriff gegen die Österreicher bei Döbeln unter dem Bruder Friedrichs II. - Prinz Heinrich von Preußen. Von Technitz über Döbeln bis Mahlitzsch rückten die preußischen Kolonnen in einer Front über die Mulde vor. Gegen 9 Uhr war das Gefecht zu Ende, und Prinz Heinrich konnte seine Truppen bei Knobelsdorf sammeln. Die Österreicher wurden total geschlagen und hatten mehr als 2000 Mann Verlust, auf preußischer Seite zählte man 80 Tote. Zu den Gefangenen gehörte auch General von Zedtwitz, der das Kommando übers österreichische Korps gehabt hatte.

Welche Spuren gibt es davon?

Bis vor kurzem waren keine Hinterlassenschaften bekannt. Doch vor ein paar Monaten habe ich Reste einer österreichischen Schanze entdeckt. Das archäologische Landesamt in Dresden hat den Fund bestätigt.

Warum suchen Sie solche Spuren?

Sicher, das Gefecht bei Döbeln hat für die große Geschichtsschreibung nur Fußnotencharakter. Aber es wird gern vergessen, dass alles, was wir heute haben und sind, eine Vorgeschichte hat. Alles ist Ergebnis von Geschichte. Der preußische Sieg bei Döbeln ebnete der ebenfalls für Preußen siegreichen Schlacht bei Freiberg im Oktober 1762 den Weg. Danach gab Österreich auf und der Siebenjährige Krieg war zu Ende. Die Verhandlungen und der Friedensschluss fanden im Schloss Hubertusburg in Wermsdorf statt. Preußen ging aus diesem Krieg als gefestigter Staat und europäische Großmacht hervor.

Wie wollen Sie das erlebbar machen?

Ab 12. Mai 2012 beginnt eine Reihe Aktivitäten zum Thema Siebenjähriger Krieg in der Region. Höhepunkt ist ein Biwak, das zum Internationalen Museumstag am 20. Mai auf dem Staupitzberg historisches Lagerleben beim Militär zeigen soll. Wir wollen dabei auch an das Negative von damals erinnern. Die Menschen litten sehr unter den Zuständen, es gab ja auch Einquartierungen, Plünderungen und Zwangsrekrutierungen. Überall rings um Döbeln gab es Schäden. Nach dem Siebenjährigen Krieg herrschten jämmerliche Zustände: Die Landwirtschaft lag darnieder, Wälder und Wiesen waren zerstört, viele Höfe verwüstet. Das Biwak soll keine Kriegsverherrlichung oder Heimatduselei sein, sondern die Dinge einordnen helfen.

Interview:

Kathrin König

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