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Döbeln Bundesstraße 169: Hochbahn durch Ostrau oder quer übers Feld
Region Döbeln Bundesstraße 169: Hochbahn durch Ostrau oder quer übers Feld
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12:14 10.04.2018
Drei Optionen gibt es für den Verlauf der B 169 zwischen Salbitz und Döbeln: Variante 1 (rot) führt weiterhin durch Ostrau, Variante 2 (grün) und 3 (blau) hinter dem Gewerbegebiet entlang.  Quelle: Patrick Moye
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Ostrau

 Die Neuverlegung der B 169 zwischen Salbitz und der A14-Anschlussstelle Döbeln-Nord erhitzt die Gemüter. Nachdem die Großweitzschener Räte am Dienstag ihre Stellungnahme zurückgestellt haben (die DAZ berichtete), werden sie kommende Woche an einer nichtöffentlichen Sitzung in Ostrau teilnehmen, zu der Bürgermeister Dirk Schilling CDU) auch die Zschaitz-Ottewiger Gemeinderäte einladen will. Am 11. April werden die drei Varianten der Trassenführung im öffentlichen Teil der Ostrauer Ratssitzung vorgestellt, der wegen des erwarteten Anwohnerinteresses in den Saal der Meffert AG Farbwerke im Gewerbegebiet verlegt wurde. Der DAZ gewährte Bürgermeister Dirk Schilling vorab einen Blick auf die detaillierten Pläne der drei Varianten für den rund zehn Kilometer langen Bauabschnitt.

Variante 1 (rot): Hinter Salbitz verläuft die Trasse gänzlich neu als Umgehung und biegt parallel zur jetzigen Streckenführung in Richtung Ostrau ein. Auf wenigen hundert Metern verläuft sie auf der aktuellen Trasse zwischen Ostrauer Gewerbegebiet und Sportplatz, bevor sie statt der Rechtskurve hinter Wutzschwitz geradeaus weiter vor der Milchviehanlage in Richtung Autobahnzufahrt verläuft. Die alte verbleibende B 169 wird komplett zurückgebaut. Die Kosten liegen etwa bei 58 Millionen Euro.

Wichtig für Ostrau: Statt bislang drei direkter Zufahrten, gibt es künftig nur noch eine: an der jetzigen Wutzschwitzer Kreuzung. Das Gewerbegebiet kann von der B169 aus nur noch per Durchfahrt durch Wutzschwitz erreicht werden. Der Ort Ostrau wird durch eine Brücke über die tiefer gelegte Trasse von der Kirchstraße aus mit dem Gewerbegebiet verbunden. Der Sportplatz wäre nicht beeinträchtigt, soll durch Spundwände von der Straße abgeschirmt werden.

Kritikpunkte: Die Trasse verläuft durch die Trinkwasserschutzzone direkt an einem Brunnen vorbei. Zudem wird die Belastung für Anwohner in Ostrau und Wutzschwitz wesentlich größer, da der Verkehr beispielsweise nach Pulsitz oder Noschkowitz ausschließlich durch den Ort verlaufen kann. Und: Wer aus Richtung Döbeln die Abfahrt ins Gewerbegebiet verpasst, kann erst bei Salbitz umkehren. Einzelhändlern wie dem Hammer Fachmarkt könnten Spontankunden verloren gehen. Die Brücke Kirchstraße darf von LKWs als Zulieferern im Gewerbegebiet nicht genutzt werden.

Variante 2 (grün): Verläuft ähnlich wie Variante 3, allerdings zwischen Ostrau und Noschkowitz hindurch, weswegen dieser Trasse schon jetzt kaum eine Chance der Realisierung gegeben wird. Zu viele Anwohner würden unnötig belastet.

Variante 3 (blau): Auch hier wird die neue Umgehungsstraße hinter Salbitz der Startpunkt. Von dort aus wird allerdings eine völlig neue Trassenführung quer über Äcker und Wiesen vorgenommen. Die Straße führt zwischen Auerschütz und Schmorren hindurch, knapp vorbei am Noschkowitzer Holz, hinter der Milchviehanlage zum letzten Geradeaus-Stück der jetzigen B 169.

Die Zufahrtsstraßen nach Hohenwussen, Delmschütz und Niederlützschera werden mit Brücken überquert. Das Gewerbegebiet Ostrau bekommt eine direkt Zufahrt von hinten ins Gelände. Die Kosten liegen bei etwa 47 Millionen Euro.

Wichtig für Ostrau: Durch die völlige Neutrassierung würde in Ostrau Vieles beim Alten bleiben. Ein Teil der jetzigen B 169 zwischen Wutzschwitz und dem Abzweig Hohenwussen bliebe erhalten, was für anliegende Landwirte nicht unbedeutend sein dürfte. Denn egal, welche Variante letztlich gebaut wird, sie wird für den landwirtschaftlichen Nutzverkehr nicht zugelassen sein. Nach Variante 1 müssten die Landwirte daher auf Feldwege und Nebenstraßen ausweichen.

Kritikpunkte: Die Trasse verläuft in weiten teilen über bisher als Ackerland genutzte Flächen. Diese müssten die Landwirte abtreten. Die Nettoversiegelung von Grundflächen liegt bei Variante 3 allerdings nur um 400 Quadratmeter höher als bei Variante 1, da auch Flächen wieder entsiegelt werden. Die neue Trasse würde allerdings auch einige naturschutzrechtliche Fragen aufwerfen, da sie an mehreren Stellen Baumreihen durchbricht, die für Fledermäuse und andere Tiere wichtig sind. Zudem müssten einzelne Anwohner, die bisher bis auf Landwirtschaftslärm kaum Geräuschpegel zu erdulden hatten, mit mehr Lärmbelastung rechnen.

Aktueller Planungsstand: Der Bauabschnitt Salbitz-Döbeln befindet sich derzeit in der Vorplanung. Die vier anliegenden Gemeinden Großweitzschen, Ostrau, Zschaitz-Ottewig und Naundorf müssen als Träger öffentlicher Belange ihre Stellungnahmen abgeben. Danach beginnt das Planfeststellungsverfahren. Klar ist: Die Straße wird zwei spurig mit stellenweiser Erweiterung auf drei Spuren. 2009 hatte die Gemeinde Ostrau Variante 1 favorisiert – allerdings mit direkter Abfahrt fürs Gewerbegebiet und unter dem Einfluss der Landwirte. Die neuen Entwürfe könnten für eine Neubewertung sorgen. Aufgrund des hohen Klagepotenzials sowohl von Anwohnern als auch von Naturschutzverbänden, wird mit einer Fertigstellung allerdings erst 2030 gerechnet.

Von Sebastian Fink

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