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Hochschule Mittweida unterstützt Kampf gegen Internetkriminalität

Wissenschaft und Behörden Hochschule Mittweida unterstützt Kampf gegen Internetkriminalität

Künftig enger wollen die Hochschule Mittweida und sächsische Strafverfolgungsbehörden zusammen arbeiten. Der Grundstein dafür wurde nun gelegt. Schon jetzt unterstützen die Forscher der Hochschule beispielsweise das Landeskriminalamt Sachsen in konkreten Fällen.

Studentin Michelle Stebner und Projektmitarbeiter Heiko Polster zeigen, wie Daten eines Fahrzeugsteuergerätes mit simplen Methoden gelesen werden können.

Quelle: René Helm

Mittweida. Gemeinsam mit sächsischen Strafverfolgungsbehörden geht die Hochschule Mittweida gegen Internetkriminalität vor. Eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit im Bereich Cyberkriminalität wurde geschlossen. Schon seit längerer Zeit sind die IT-Forensiker der Hochschule Mittweida in diesem Bereich Partner für verschiedene Stellen auf Landes- und Bundesebene. Dazu gehört beispielsweise auch das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen, die sächsische Polizei und die Staatsanwaltstaat des Freistaates. Zusammengearbeitet wird im Bereich Weiterbildung, darüber hinaus leistet die Hochschule Ermittlungsunterstützung.

An der Hochschule Mittweida gibt es mehrere Möglichkeiten, innerhalb dieses Bereiches zu studieren. Drei Bachelorstudiengänge gibt es: Allgemeine und Digitale Forensik, IT-Sicherheit und IT-Forensik/Cybercrime (Fernstudium). Neu ab dem kommenden Wintersemester ist der Masterstudiengang Cybercrime/Cybersecurity. Für den interessiert sich auch die 21-jährige Michelle Stebner. Sie ist im sechsten und damit letzten Semester ihres Bachelorstudiums und eine von rund 400 Studenten in diesem Bereich. Derzeit schreibt sie ihre Abschlussarbeit. Danach möchte sie als eine der ersten das neue Masterangebot nutzen.

Blutanalyse: „Auf den halben Tag genau“

Praktisches Arbeiten gehört zu ihrem Studium jetzt schon dazu. Sie zeigt, wie sie sich mit relativ simplen Methoden, nämlich einer einfachen Software, in das Steuergerät eines Fahrzeugs einwählt. „Ich könnte das Auto jetzt steuern, beispielsweise die Fenster herunter lassen“, erklärt sie. Oder aber: „Überprüfen, ob der angegebene Kilometerstand tatsächlich der Wahrheit entspricht oder getrickst wurde.“ Den Sinn dahinter erklärt Projektmitarbeiter Heiko Polster: „Bei uns sollen die Studenten lernen, nicht nur mit teurer Software zu arbeiten, sondern auch mit einfachen Mitteln ans Ziel zu kommen.“

Wer an Kriminalität und Forensik denkt, dem fällt vermutlich spontan das Wort Blutanalyse ein. Tommy Bergmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fakultät „Angewandte Computer- und Bio­wissen­schaften“. Er erklärt: „Mittels der Blutspurenmusteranalyse können wir mittlerweile auf den halben Tag genau sagen, wie lange das Blut am Tatort ist. Vorausgesetzt es liegt nicht länger als drei Wochen dort.“ Doch wie ist das möglich? Das Blut wird analysiert: Wie sieht das Blut aus? Welche Farbe hat es? Mit spezifischen Computerprogrammen lässt sich dann das Alter des Blutes nachweisen.

Untersuchungen im Auftrag von Staatsanwaltschaft und Polizei

Weniger abstrakt kommt die 3D-Tatortrekonstruktion daher. Die ist computergestützt. Fotos von Tatorten werden, gekoppelt mit Informationen, zu einem 3D-animierten Tatort auf dem Computer.

An der Mittweidaer Hochschule werden schon jetzt konkrete Fälle im Auftrag von Staatsanwaltschaft und Polizei untersucht. Unter anderem, wenn es um die Analyse von Video- und Bildmaterial geht. „Das kommt meistens in sehr schlechter Qualität bei uns an“, erklärt Tommy Bergmann. „Wir arbeiten das Material auf, analysieren es und können so beispielsweise Töne zuordnen und Personen erkennen.“ Letzteres beispielsweise auch durch die sogenannte Gangbildanalyse. Dabei wird die Art, wie sich die entsprechende Person im Überwachungsvideo bewegt, analysiert und verglichen. Ebenso können mit Hilfe digitalforenischer Untersuchungsmethoden große Datenmengen gezielt ausgewertet und damit Taten und Täter sicher identifiziert werden.

Nachrichtenverläufe werden analysiert

Zwei weitere wichtige Punkte, mit dem sich die Forscher und Studenten der Hochschule befassen, sind „SoNA“ und MoNA“. SoNA steht für Social-Network-Analyzer. Dahinter versteckt sich ganz grob gesagt die Analyse sozialer Netzwerke wie Facebook, Twitter und anderen. Am Beispiel „Pegida“: Fällt das Wort Pegida, werden – vereinfacht erklärt – Posts, Kommentare und Gruppen durchforstet, beobachtet und kritische Stimmen aufgenommen. MoNA hingegen bedeutet Mobile-Message-Analyzer. Heißt: Wird ein Handy konfisziert, untersucht man Daten auf dem Gerät. Nachrichtenverläufe werden analysiert und auf entsprechenden Tatverdacht hin geprüft. Das alles geht mit dafür notwendiger Software. Die erarbeiten und entwickeln die Forscher der Hochschule Mittweida.

Hand in Hand arbeiten Wissenschaft und Behörden zusammen. Davon überzeugte sich am Dienstagabend auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziére, der sich in der Hochschule umsah und mit Lehrkräften und Studenten ins Gespräch kam.

Von Stephanie Helm

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