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Döbeln Holzautos für große Kinder entstehen in Roßwein
Region Döbeln Holzautos für große Kinder entstehen in Roßwein
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23:00 19.11.2012
Ullrichsberg

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Ausgestellte, rund geschwungene Radkästen, eine Schnauze halb so lang wie das gesamte Gefährt, eine Rückbank zum Ausklappen und schmale Weißwand-Reifen - so sehen Autos aus den 1930er und 40er Jahren aus. Liebhaber solcher Stücke werden bei ihrem Anblick zu großen Kindern und dürften ins Schwärmen geraten, wenn sie die Werkstatt von Matthias Hohmuth betreten würden. Auf Zuruf lassen die beiden neugierigen Hofhunde vom interessierten Besucher ab und der Hausherr bittet in die kleine Werkhalle am Wohnhaus des 300 Jahre alten Vier-Seiten-Hofes.

Mit einem Schritt ist man 75 Jahre in der automobilen Vergangenheit angekommen. Es ist nur ein Metallgestell auf vier schmalen Rädern, die Frontscheibe und der vordere Rahmen der Fahrerkabine sind zu erkennen, auch Bodenbleche und hintere Kotflügel. Doch erst mit seinem originalgetreu nachgebauten Holzrahmen lässt Matthias Hohmuth die Form des 326er BMW aus dem Jahr 1936 erkennen. "Ein Cabriolet, das Verdeck lässt sich sogar schon öffnen", sagt er und klappt das hölzerne Dach zurück. Perfekt fügt es sich auf das Chassis. Viel Arbeit steckt schon drin. "Und 150 Stunden werden es noch mal werden, bis es fertig ist", blickt der 59-Jährige voraus. Wobei mit fertig tatsächlich nur der Holzrahmen gemeint ist, den anschließend das Blechkleid umfassen wird. "Ich baue nur die Rahmen für Privatkunden oder Karosseriebauer, die das selbst nicht können", erklärt der Sachse aus dem Vogtland, der seit 25 Jahren auf dem Ullrichsberg lebt und arbeitet. Nur etwa vier oder fünf Restaurateure wie ihn gebe es deutschlandweit. "Große Konkurrenz habe ich keine", sagt er und lächelt verschmitzt. Zu DDR-Zeiten lernte Hohmuth Modellbauer für Gießereien, arbeitete beim Sachsenring in Zwickau sogar an der letzten Trabant-Baureihe P 603 mit, der aber nicht mehr auf den Markt kam. Nach einem Studium zum Formgestalter kreierte er im Motorradwerk Zschopau an neuen Zweirädern mit, bevor er sich 1987 selbständig machte. "Ich bekam Aufträge für Spielplätze und Innenarchitektur - und dann kam die Wende", erzählt Hohmuth. So landete er als Museologe für technische Ausstellungen auf Burg Mildenstein. "Dort konnte ich meine Vorstellungen aber irgendwann nicht mehr umsetzen. Ich wollte gern hinter meiner eigenen Arbeit stehen können", sagt er heute. Ab 1997 restauriert er das erste alte Automobil, 1999 reichen die Aufträge schon, um sich selbstständig zu machen.

"Früher war man technisch eben noch nicht in der Lage, einen Autorahmen aus Stahl herzustellen. Darum wurde das Blech um einen Holzrahmen herum gebogen", erklärt er und zeigt die Originaltür des alten BMW, in der das Holz erstaunlich gut erhalten ist.

Nach dieser Vorlage sägt, schnitzt und schleift er jedes Teil neu, macht sich Aufzeichnungen, falls so ein Wagen noch mal den Weg in seine Werkstatt findet. Kein zweites Mal wird er wohl einen Bugatti Atalante fahrbereit zu sehen bekommen. Das italienische Kunstwerk auf vier Rädern, von dem zwischen 1936 und 38 nur 17 Stück gebaut wurden, hat heute einen Wert zwischen drei und vier Millionen Euro. Zumindest einen fertigen und verwendbaren Holzrahmen hat Matthias Hohmuth in seiner Ausstellungshalle stehen. "Ich habe mal einen gebaut und mir gleich noch einen zweiten angefertigt, um auf Messen präsent zu sein. Die Blechteile würde man auch noch hinbekommen und einen Motor finden. Den Rest aber original zu bekommen, ist unbezahlbar", sagt er über den 175 PS starken Boliden. So ist der Rahmen seine Altersvorsorge, denn das gute Stück allein dürfte einen sechsstelligen Betrag wert sein.

Sebastian Fink

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