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Hund tickt aus – Besitzer schießt: Richter verurteilt Leisniger zu Geldstrafe

Prozess am Amtsgericht Hund tickt aus – Besitzer schießt: Richter verurteilt Leisniger zu Geldstrafe

Einen Setter wie auf dem Symbolfoto hat ein 52-jähriger Leisniger im Juni erschossen. Er sagte nun im Prozess am Amtsgericht Döbeln, dass er dem Hund nicht mehr Herr wurde, als dieser ausgerastet, auf ihn und die Nachbarn losgegangen sei. Strafrichter Janko Ehrlich ließ das nicht gelten.

In einem Dorf bei Leisnig musste ein Setter sein Leben lassen, weil er ausgetickt war. Der Todesschütze war nun wegen eines Vergehens nach Tierschutzgesetz angeklagt.

Quelle: Volker Hartmann

Leisnig/Döbeln. Ein Pistolenschuss zerfetzte am 10. Juni nicht nur die dörfliche Ruhe in einem Leisniger Ortsteil. Er beendete auch das Leben eines 8-jährigen Jagdhundes. Sein Besitzer hatte geschossen. Wohl aus einer Art Notwehrsituation heraus, wie er am Montag im Amtsgericht Döbeln sagte. Dort sah sich der 52-Jährige einer Anklage der Staatsanwaltschaft Chemnitz ausgesetzt, ein Tier ohne vernünftigen Grund getötet zu haben. Strafbar als Vergehen nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz.

„Mit dem „vernünftigen Grund“, wie es im Gesetz steht, ist das so eine Sache. Das liegt mit daran, dass man irgendwas vermutet und das schreibt man dann in die Anklage“, sagte Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der den Schützen verteidigte. Dieser wiederum darf Waffen haben und diese auch führen. „Ich kam mit dem Auto zurück, der Hund saß im Kofferraum. Als er meine Nachbarin und deren Tochter mit ihrem Mops spazieren gehen sah, fing er an zu toben“, sagte der Mann. Als schließlich bei sich auf dem Grundstück angekommen war, wollte er den Jagdhund von der Größe eines Dobermanns aus dem Auto führen und in den Zwinger sperren.

Das steht im Gesetz

Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder

2. einem Wirbeltier

a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder

b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

(Paragraf 17 Tierschutzgesetz, Quelle: www.gesetze-im-internet.de/tierschg/BJNR012770972.html)

„Er sprang mir über die Schulter und ging auf die Nachbarn los.“ Bei der Attacke riss der Hund die Tochter der Nachbarin um. Mit Mühen gelang es dem Mann, den wild Gewordenen von den Nachbarn und deren Mops zu trennen und zum Zwinger zu schaffen. „Dort biss er mich in die Hand und ging auf mich los“, sagte der 52-Jährige. Die Zwingertür habe er nicht zu bekommen und es auch nicht geschafft, den ausgetickten Vierbeiner im Zwinger anzubinden. Um Schlimmeres zu vermeiden, griff er schließlich zur Pistole.

Richter sagt: Erschießen war unvernünftig

„Mein Mandant wollte verhindern, dass der Hund andere Menschen oder Tiere anfällt, die Sicherheit des Straßenverkehrs gefährdet und was noch an Rechtsgütern durch einen Hund dieser Größe in Gefahr gewesen wäre“, sagte Rechtsanwalt Göddenhenrich und berief sich auf den rechtfertigenden Notstand. Er beantragte, den Schützen freizusprechen. Dem folgte Straffrichter Janko Ehrlich erwartungsgemäß nicht. Er sprach den Mann des Vergehens nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz schuldig und verhängte eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 50 Euro als Rechtsfolge. So hatte es Staatsanwalt Markus Schori beantragt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Richter Ehrlich begründete es so: „Wenn Sie mit einer Hand die Pistole bedienen können, hätten Sie mit dieser Hand den Hund auch ordentlich anleinen können. Ihn in dieser Situation zu töten, halte ich für unvernünftig.“

Keine Trauer löste das gewaltsame Ableben des Jagdhundes in der Nachbarschaft des Schützen aus. „Der Hund hatte sich total in seinem Wesen verändert. Es war das einzig Richtige, ihn zu erschießen“, sagte die Tochter der Frau mit dem Mops aus. Bereits vor zwei Jahren habe es zwischen diesem und dem Jagdhund Probleme gegeben.

Große Trauer über den Verlust des geliebten Setters herrschte dagegen bei den Kindern des Angeklagten. Auf dem Zeugenstuhl hatte der Sohn sichtlich mit der Fassung zu kämpfen, als er berichtete, wie vom Tod des Tiere erfuhr, der eigentlich seiner war. Weil er ihn nicht mit nach Leipzig nehmen konnte, blieb er im Dorf beim Leisnig. Der junge Mann konnte sich nicht vorstellen, dass sein Hund aggressiv gewesen sei. „Es hätte 1000 andere Möglichkeiten gegeben, als ihn zu erschießen. Ich baue in der Nähe und hätte den Hund zu mir nehmen können“, sagte er.

Von Dirk Wurzel

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