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"Ich glaube an das Gute"

"Ich glaube an das Gute"

Peter Nöbel ist ein agiler, drahtiger Mann. Er hat große, kräftige Hände, die von Arbeit zeugen, von viel Arbeit. Wenn er von seinen Maschinen erzählt, vor allem von den alten, dann leuchten seine wachen Augen.

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Maschinenbauer Peter Nöbel an seiner ältesten funktionsfähigen Betriebstechnik - einer Verzahnungsmaschine. Der Koloss ist Baujahr 1927, sollte 1978 von der Elsterstahl-Gießerei verschrottet werden, wovor ihn der Mastener bewahrt hat. Noch heute läuft die Maschine wie ein Uhrwerk und kann Zahnräder mit einem Durchmesser bis zu 1,60 Meter herstellen.

Quelle: Sven Bartsch

Der Mann flitzt durch die Werkhallen wie ein Junger. Durch die Werkhallen, die sein Leben bestimmt haben. Die nach und nach, also gesund gewachsen sind und die heute das mittelständische Maschinenbau-Unternehmen Nöma in Döbeln-Masten ausmachen, das jetzt in der dritten Generation geführt wird. Schon vor ein paar Jahren ist Nöbel "in die zweite Reihe" getreten, wie er selbst sagt, um den 40-jährigen Sohn Ulf ans Ruder zu lassen. Trotzdem mischt er als Senior-Chef noch fleißig in der Fertigung mit. Das will er auch so schnell nicht bleiben lassen, obwohl er am heutigen Sonnabend 75 Jahre alt wird, stolz und zufrieden zurückblicken kann. Peter Nöbel hat vieles richtig gemacht. Der Sohn und die zwölf Mitarbeiter profitieren von seinem reichen Erfahrungsschatz. "Warum sollte ich jetzt aufhören? Ich fühle mich fit und mit mir und Ulf läuft es gut. Wir ziehen an einem Strang."

 

In die Metallbranche schnuppert Peter Nöbel schon als kleiner Junge hinein - kein Wunder. Der Krieg ist gerade vorbei. Vater Fritz, als Meister im Vorgängerbetrieb von Rasoma tätig, fasst den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Er beginnt, im Waschhaus des eigenen Grundstückes in der Thomas-Müntzer-Straße in Masten einen kleinen Metall verarbeitenden Betrieb aufzubauen. Das ist schwierig. Es gibt nichts. "Die erste Maschine haben wir aus den Kriegstrümmern in Chemnitz geholt. Da war ich als Kind dabei. Die kleineren Teile haben wir Stück für Stück mit dem Rucksack per Reichsbahn nach Döbeln gebracht, bis alles komplett war", erinnert sich Peter Nöbel.

 

Im Gründungsjahr der DDR, 1949, gelingt es, die kleine Firma aus der Taufe zu heben. Kein leichtes Unterfangen, weil Handwerksbetriebe eigentlich im sozialistischen Staat nicht gern gesehen sind. Maschinen, so der politische Grundsatz, gehören nicht in private Hände. Doch andererseits kommt dieses Land nicht ohne das private Engagement aus. Selbst Staatschef Walter Ulbricht gesteht das indirekt ein, als er den Drei-Mann-Betrieb Nöbel für dessen Erfindergeist bei der Agrarmesse in Leipzig mit einer Urkunde auszeichnet. Die Firma hat früh damit begonnen, Aggregate und Anlagen für die Landwirtschaft, vor allem für die Kartoffelverarbeitung herzustellen. Doch immer wieder werden, vor allem von den Kreisorganen, Steine in den Weg gelegt. Der Druck auf den Betrieb, sich einer Produktionsgenossenschaft anzuschließen, wird erhöht und in der DDR-Zeit nie ganz verschwinden.

 

Peter Nöbel bekommt das an eigener Haut zu spüren. Maschinenschlosser gelernt und in Roßwein den Ingenieur für Fördertechnik gemacht, möchte er Anfang der 70er Jahre den Betrieb gern übernehmen. Doch die Wirtschaftsabteilung des Kreises sträubt sich, stuft ihn als überqualifiziert ein. Nöbel bleibt hartnäckig, ein Charakterzug, der ihn bis heute auszeichnet. Er macht seinen Handwerks-Meister, bittet einen Bezirkstagsabgeordneten um Hilfe und siehe da - der Gewerbeschein flattert ins Haus. Mit Technik, die volkseigene Betriebe ausmustern, baut der Unternehmer seinen Maschinenpark aus. Mit Einzel- und Sonderfertigungen besetzt er Nischen. "Wir wollten nie ein nullachtfünfzehn Betrieb sein." An kontingentiertes Material, wie legierten Stahl, kommt er legal nicht ran. Doch die Apfelbäume für den Obstsekt stehen vor, das Gewächshaus mit Gurken und Tomaten steht hinter dem Haus. "Da erhielt der Verkäufer im Metallurgiehandel eben mal eine Anerkennung in Form von Naturalien. Das nächste Mal rief er von sich aus an, um den Überplanbestand anzubieten. So war das eben damals", schmunzelt Nöbel heute darüber.

 

Mit der Wendezeit kommt die ersehnte Marktwirtschaft, aber zunächst einmal ein Tiefschlag für den Döbelner Maschinenbauer. Ein West-Kollege ist zu Besuch und gibt Nöbel "noch ein halbes Jahr bis zur Pleite". "Das war für mich der graueste Tag in meinem Leben. Aber ich zweifelte. Wir hatten ja genügend Aufträge." Wie sich herausstellt, wollen die "Freunde" aus dem Westen Nöbels Betrieb nur als verlängerte, billige Werkbank nutzen. Der Mastener ist clever, macht das nicht mit und fährt gut damit. Als flexibles, zuverlässiges Unternehmen mit zwölf Mitarbeitern ist die Nöma bis heute bei den Geschäftspartnern gefragt. Die von ihr hergestellte Technik findet sich im Bilzbad Radebeul ebenso wie bei Friweika Weidensdorf oder im Stahlwerk Riesa.

 

Durchzuhalten, sich nicht klein kriegen zu lassen, sozial zu sein und bescheiden, das hat Peter Nöbel auch seinem Glauben zu verdanken. "Es ist weniger der Glaube an Gott, als der Glaube an das Gute. Ich gebe mir Mühe, mich entsprechend zu verhalten und kritisiere mich, wenn es mal nicht gelungen ist." Einen privaten Rückschlag erleidet er, als einer seiner beiden Söhne aus erster Ehe Ende der 80er Jahre bei einer versuchten Flucht aus der DDR ums Leben kommt. Dänemark ist das Ziel. Doch das Überqueren der Ostsee scheitert, der Jugendliche kommt nie drüben an. "Es hat Zeiten gegeben, da konnte ich gar nicht daran denken", beschreibt der Vater seine Ohnmacht.

 

Sein heutiges Lebensglück weiß der Mann umso mehr zu schätzen. Dazu gehört die Familie mit seiner zweiten Ehefrau Brigitte, mit den Enkelinnen, von denen er die jüngste frühmorgens immer selbst zur Schule nach Technitz bringt. Dazu gehört der Mischlingshund Costa, der aus Griechenland stammt, über eine Tiervermittlung zu Nöbels kam und zum liebenswerten Gefährten wurde. "Der Hund braucht natürlich Bewegung. Für mich ist er deshalb eine laufende Apotheke", verrät Peter Nöbel. Dazu gehören das wochenlange Reisen mit dem Wohnmobil durch ganz Europa, natürlich die Freunde von der Oldiegruppe, die bei der heutigen Geburtstagsparty bestimmt für jede Menge Überraschungen sorgen. Dazu gehört aber vor allem ein gut funktionierender Maschinenbaubetrieb mit Sohn Ulf an der Spitze und seinen guten Mitarbeitern. Die eigenen Wünsche zu seinem heutigen 75. Geburtstag kann Peter Nöbel deshalb in einem Satz zusammen fassen: "So wie es ist, soll es noch lange weiter gehen."

 

Olaf Büchel

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