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„Ich möchte mehr Verantwortung im Kreis übernehmen“

Marika Tändler-Walenta „Ich möchte mehr Verantwortung im Kreis übernehmen“

Vor zwei Jahren wollte die Roßweinerin Marika Tändler-Walenta (Die Linke) Landrätin von Mittelsachsen werden. Sie verlor mit 34,3 Prozent gegen den CDU-Politiker Matthias Damm (65,7 Prozent). Seitdem hat sich sowohl beruflich als auch privat viel für die heute 33-Jährige getan. Im DAZ-Interview spricht sie über das Geschehene.

Marika Tändler-Walenta könnte sich vorstellen, in zwei Jahren als Direktkandidatin für den Wahlkreis Döbeln bei den Landtagswahlen anzutreten.

Quelle: Sven Bartsch

Rosswein. Vor zwei Jahren wollte die Roßweinerin Marika Tändler-Walenta (Die Linke) Landrätin von Mittelsachsen werden. Sie verlor mit 34,3 Prozent gegen den CDU-Politiker Matthias Damm (65,7 Prozent). Seitdem hat sich sowohl beruflich als auch privat viel für die heute 33-Jährige getan. Im DAZ-Interview spricht sie über das Geschehene.

Frage: Sie schafften es 2015 nicht, Landrätin für Mittelsachsen zu werden. War das eine herbe politische Niederlage für Sie?

Marike Tändler-Walenta: Natürlich bin ich angetreten, um zu gewinnen. Mein Ziel war es vor allem aber, zu zeigen, dass es auch andere, jüngere Kandidaten gibt, die sich in der Politik hier in der Region engagieren. Und das ist mir gelungen. Wir haben mit 34 Prozent ein gutes Ergebnis erzielt und können darauf aufbauen.

Hätten Sie es besser gemacht als ihr damaliger Konkurrent und heutiger Landrat Matthias Damm?

Zunächst ist es wichtig, langfristig zu denken, statt nur im Zeitraum der eigenen Wahlperiode. Meiner Meinung nach verfolgt Matthias Damm zudem einen Demokratieabbau. Die Möglichkeit, dass Bürger Anfragen im Kreistag stellen können beispielsweise, ist begrenzt, obwohl der Kreistag das Vertretungsorgan der Bürger sein sollte. Auch seine Flüchtlingspolitik sehe ich kritisch, da wurden seinerseits Äußerungen getroffen, die mehr als fraglich sind. Das Verteilzentrum in Rossau, welches als Einrichtung einmalig in Sachsen ist, hat letztendlich mehr gekostet als genützt. Kreistagsabgeordneten wurde ein Maulkorb verhängt, in dem sie im Vorfeld nicht mehr über Sitzungsvorlagen sprechen dürfen. Gegen letzteres klagt meine Fraktion übrigens gerade beim Verwaltungsgericht.

Seit der Landratswahl ist viel passiert. Was kam danach?

Ich habe mein zweites Kind bekommen und hatte während meiner Elternzeit die Möglichkeit für die sächsische Landtagsfraktion meiner Partei zu arbeiten. Zudem bin ich auch weiterhin im Bundesparteivorstand meiner Partei. Seit Mai dieses Jahres bin ich als parlamentarisch-wissenschaftliche Referentin im Deutschen Bundestag für Gregor Gysi tätig.

Wie kam es dazu?

Ich wurde dafür angefragt und musste nicht lange zögern, die Stelle anzunehmen. Ich bin flexibel und habe keine Angst, mich auf etwas neues einzulassen. Die Arbeit ist unglaublich bereichernd, man lernt viele Leute kennen und bekommt einen anderen Blick auf politische Prozesse.

Ihre Verbindung zur Region ist trotzdem nie abgerissen?

Ich bin seit 2014 im Roßweiner Stadtrat, außerdem stellvertretende Kreisvorsitzende. Perspektivisch gesehen, möchte ich künftig mehr Verantwortung im Kreis übernehmen.

Gibt es diesbezüglich schon konkrete Pläne?

Ich könnte mir vorstellen, zu den Landtagswahlen 2019 als Direktkandidatin für den Wahlkreis Döbeln anzutreten. Die Genossinnen und Genossen der Partei haben mir ihr Vertrauen schon einmal geschenkt. Ich denke, die Unterstützung habe ich auch dieses Mal.

Im Herbst steht die Bundestagswahl auf dem Programm. Engagiere Sie sich im Wahlkampf?

Selbstverständlich werde ich mich im Wahlkampf engagierten. Wir haben mit Falk Neubert einen kompetenten Direktkandidaten in der Region und diesen unterstütze ich natürlich in seinem Wahlkampf. Schon bald werden Wahlplakate aufgehängt, erst kürzlich hat Die Linke ihr Wahlprogramm beschlossen und die Wahlkampagne vorgestellt.

Können Sie sich mit dem Programm Ihrer Partei identifizieren oder gibt es Punkte, mit denen Sie nicht einverstanden sind?

Mir fällt nichts ein, dem ich widersprechen wöllte. Ein paar Punkte sind mir mit Blick auf den ländlichen Raum aber besonders wichtig: Da wäre zum einen die Breitbandversorgung, bei der es unbedingt Verbesserungspotenzial gibt. Ebenso der Ausbau von Jugendangeboten.

In Kriebstein und Hartha existiert derzeit quasi keine Jugendarbeit. Im Gegenteil: Jugendclubs wurden geschlossen, im Fall von Hartha findet sich – trotz Engagement der Jugendlichen selbst – keine Lösung. Ein Problem?

Definitiv. Gerade in der Region ist es wichtig, dass Städte und Gemeinden erkennen, das nicht zuletzt eine aktive Jugendarbeit dafür sorgt, dass Menschen im ländlichen Raum bleiben.

Der Breitbandausbau geht ebenfalls schleppend voran.

Das ist vor allem für Unternehmen ein Problem. Im Wahlprogramm der Linkspartei ist ein Zugang zu schnellem Internet, und zwar überall und vor allem bezahlbar, gefordert.

Wie schätzen Sie die Chancen Ihrer Partei zur Bundestagswahl ein?

Der deutlich spürbare Rechtsruck, die Politik von Donald Trump und zuletzt der Brexit – das alles sind Entwicklungen, die die Leute wieder aktiver in der Politik werden lassen. Wir haben einen deutlichen Mitgliederzuwachs verzeichnen können. Die Politikverdrossenheit, die vor allem älteren Menschen vorgeworfen wird, kann ich nicht bestätigen. Ich glaube, Deutschland braucht eine linke Partei. Ich gehe davon aus, dass wir als Die Linke stärkste Oppositionspartei werden und das ist auch notwendig.

Kam für Sie beruflich jemals etwas anderes als Politik in Frage?

Ich habe Soziologie studiert, bin danach als wissenschaftliche Mitarbeiterin im EU-Parlament für Lothar Bisky tätig gewesen. Meine berufliche Laufbahn in der Politik hat sich aus meinem politischen Engagement heraus ergeben. Politik macht mir nach wie vor Spaß. Solange mich meine Arbeit bereichert, und das tut sie, höre ich damit nicht auf.

Was ist es, was sie als Politikerin ausmacht?

Ich führe Gespräche auf Augenhöhe, bringe Argumente vor und möchte etwas verändern. Dass sich mit kleinen Stellschrauben was bewirken lässt, ist etwas, was ich über die letzten Jahre gelernt habe. Daran möchte ich weiter arbeiten, denn nur so kann eine Wechselstimmung erzeugt werden.

 

Von Stephanie Helm

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Bundesland: Sachsen

Landkreis: Mittelsachsen

Fläche: 91,64 km²

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Bevölkerungsdichte: 264 Einwohner/km²

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Stadtverwaltung: Obermarkt 1, 04720 Döbeln

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