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Im Gleichgewicht von Glück und Erfolg: Ellen Kirchesch alias Eliza Doolittle

Im Gleichgewicht von Glück und Erfolg: Ellen Kirchesch alias Eliza Doolittle

Eliza Doolittle - das einfache Blumenmädchen wächst an der Seite des Sprachwissenschaftlers Professor Higgins zur selbstbewussten Dame. Die Entwicklung der Hauptfigur in Bernard Shaws "My Fair Lady" spiegelt auch ein Stück des Weges von Susanne Ellen Kirchesch wider.

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Susanne Ellen Kirchesch in der Garderobe des Döbelner Theaters - "Lottchen" ist immer dabei: Im Herzen und im Smartphone.

Quelle: Wolfgang Sens

Döbeln/Berlin. Es ist Schicksal. Oder Zufall. Dass es ausgerechnet der Titel "Ich hätt' getanzt heut Nacht" ist, der Kircheschs Musiklehrer bei einem Schulmusical des Gladbecker Gymnasiums auf das Talent der heute 35-Jährigen aufmerksam werden lässt. "Er hat meiner Mutter damals geraten, darüber nachzudenken, ob ich nicht Gesangsunterricht nehmen wolle", erinnert sich die gebürtige Essenerin. Sie wollte. Die ehrgeizige Abiturientin, die mit 18 Jahren Geige in drei Orchestern spielt, Ballett tanzt und in der Gladbecker Pop-Band "Diluvian" singt, stopft sich auch noch den Gesang in den Freizeitkalender. Bei ihrer Lehrerin Meral Alper macht sie erste - wenig begeisterte - Bekanntschaften mit dem Operngesang. "Eigentlich wollte ich nie Oper singen."

Sie tut es doch. Studiert an der Berliner Hochschule für Musik "Hanns Eisler". Erarbeitet sich das Privileg, mit Mentoren arbeiten zu können, die ihr Form und Schliff geben. Erobert noch während des Studiums Bühnen, die sich gut lesen im Lebenslauf - Staatsoper Berlin, Opéra National du Rhin Strasbourg, Landestheater Mecklenburg. Susanne Ellen Kirchesch nennt die Erfolge. Misst ihnen aber keine größere Bedeutung bei, als sie in der Branche haben. "An den großen Häusern waren es meist Minirollen."

Ihre Begabung gibt der Berlinerin Sicherheit. Sie ist sich ihrer Qualitäten bewusst. Als Sängerin. Als Frau. Als Mutter. Mit dem Tänzer Sören Swart (tanzt heute in der Premiere am Freiberger Haus den "Kleinen Prinzen") und der zweijährigen Tochter Lotte-Marie lebt Kirchesch in Berlin-Pankow. Genießt die Stadt, in der sie seit der Studentenzeit von einem Stadtteil zum nächsten zieht. Sesshaftigkeit gibt es im jungen Leben einer Künstlerin nicht. Auch die Geburt von "Lottchen" bringt kaum Ordnung in den Alltag. Im Gegenteil. Das feste Engagement am Theater Neustrelitz, das geregelte Einkommen, planbare Arbeitszeiten gibt sie nach fünf Jahren gerade auf. "Ich möchte freischaffend arbeiten", sagt sie, stochert dabei etwas unsicher im Vollwert-Frühstück - und lacht.

Eigentlich lacht sie immer. Kichert, wenn sie von Berliner Flohmärkten schwärmt. Lächelt, wenn sie von der neuen Wohnung in Berlin erzählt, in der seit Mai die Bilder immer noch nicht an der Wand hängen. Grinst, wenn sie an ein gescheitertes Vorsingen bei einer Death-Metal-Band im Teenie-Alter denkt. Oder schmunzelt, wenn sie verrät, dass Lottchen zum allabendlichen Vorsingen lieber "Mamas Lieder aus dem Theater" statt "Schlaf, Kindlein schlaf" hören möchte. Erzählt Susanne Ellen Kirchesch von ihrer "fast drei Jahre" alten Tochter - dann strahlt sie. Um gleichzeitig traurig darüber zu werden, dass Lotte-Marie nicht bei ihr, "Nein, ich nicht bei Lotte sein kann". Zwei Wochen waren Oma Margret und die Enkelin in Döbeln, wo die Hauptstadt-Sopranistin "unglaublich herzlich aufgenommen" wurde und fünf Wochen harte Arbeit genießen kann, weil "die Stimmung des Teams und das Ambiente des kleinen Theaters sehr familiär sind". Oma und Lottchen haben Mama bei den Proben zugeschaut. "Sie saß ganz leise in der hintersten Reihe und hat mitgesummt-" Lottchen liebt die Musik. "Sie bekommt es von uns mit. Es ist das, was wir leben und beherrschen. Klar, die musischen Momente sind in der Familie dauerpräsent. Das können wir am besten. Lotte soll werden können, was sie will. Es selbst entscheiden. Hauptsache, sie wird glücklich."

Susanne Ellen Kirchesch wächst ohne Vater auf. Die Eltern trennen sich, als ihre Mutter noch schwanger ist. "Für meine sechs Jahre ältere Schwester war es schwieriger. Ich habe es nicht anders gekannt." Deswegen habe ihr der Vater auch nie gefehlt. Heute hat sie den Vergleich. "Wenn Sören mit Lottchen spielt, denke ich mir manchmal - ,ach so hätte das sein können.'" Wehmut kommt dabei nicht auf. Das Verhältnis zu beiden Eltern ist immer gesund. Lotte-Maries Oma, die im Münsterland lebt, ist "große Stütze, die wir auch brauchen." Sie ist dankbar und zerbricht nicht an Gedanken, dass die Tochter in einem Leben mit Künstlereltern auch zurückstecken müsste. Es ist Normalität. In der die Sopranistin das Gleichgewicht zwischen der Angst vor der Ungewissheit und der Angst vor der Unbeschwertheit wahren kann. Sie ist selbst einmal geschieden. Hat mit dem älteren Sören Swart, "den Mann gefunden, den ich an meiner Seite brauche".

"Mit der Entscheidung als freischaffende Sängerin zu arbeiten, hoffe ich, dass mir mehr Freiheit beziehungsweise Zeit bleibt, die ich mit der Familie habe. Wir sind nicht die, die sich an freien Wochenenden ein paar schöne Stunden zu Hause machen. Irgendwie wollen wir immer raus und bremsen uns nicht selten selbst." Die geschaffene Freiheit, die "zweifelsfrei neue Anforderungen an mich stellt", ist gerade so unvorhersehbar, wie es die 35-Jährige von ihrem Leben gewohnt ist. Und für dessen Beschreibung es beliebige Synonyme gibt: Flexibel, chaotisch, ungeordnet. In jedem Fall erfüllt.

Und in dem es weitere Entwicklungen auch beruflicher Art gibt. Mit Enoch zu Guttenberg und der KlangVerwaltung, seinem Orchester und Chor, wird sie im Oktober das "Exsultate, jubilate" von Mozart, und im Dezember in der Philharmonie München Bachs Weihnachtsoratorium singen. Mit der Lautten Compagney Berlin nimmt Kirchesch im Herbst eine CD auf und wird Maria Magdalena in Händels "Resurrezione" in der Schweiz eine Stimme geben. "Und nächstes Jahr im Juni singe ich die Rolle der ,Melody' in der Uraufführung von Cerhas ,Der Präsident' am Staatstheater am Gärtnerplatz München - vor all dem habe ich einen großen Respekt". Neue Stufen auf der Karriereleiter einer Frau, die Karriere nicht für strebsam hält. Nicht kompromisslos jedenfalls. Erfolg allein macht sie nicht glücklich. Vielleicht oder gerade deswegen, ist Susanne Ellen Kirchesch die passende Besetzung der Eliza Doolittle. Bleibt zu hoffen, dass sich der Kreis mit "Ich hätt' getanzt heut Nacht" in der kommenden Nacht nicht schließt.

Die Premiere von Frederick Loewes und Alan Jay Lerners "My Fair Lady" ist ausverkauft. Die zweite Vorstellung findet morgen um 17 Uhr, weitere am 6. Oktober um 19.30 Uhr und am 7. Oktober um 14.30 Uhr statt.

Thomas Lieb

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