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Im Juni ist Schluss: AWO schließt die Döbelner Tafel

Nachfolgelösung gesucht Im Juni ist Schluss: AWO schließt die Döbelner Tafel

Die Döbelner Tafel in der Friedrichstraße unter dem Dach der Arbeiterwohlfahrt schließt ihre Pforten. Der Kreisverband Mulde-Collm, seit 1989 Träger der Einrichtung, hat Elvira Illgen zum 30. Juni die Kündigung ausgesprochen. Die 61-jährige Leiterin der Döbelner Tafel hat die Einrichtung seit 17 Jahren betreut und gemanagt.

Im Juni ist Schluss: Die Arbeiterwohlfahrt schließt ihre Tafel in Döbeln.
 

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln.  Beschlossen wurde die Schließung der Döbelner Tafel in der Vorstandssitzung des AWO-Kreisverbandes vom 1. Dezember 2016. Von der AWO Mulde-Collm geschlossen wird auch die Tafel in Grimma. Die Mitglieder des Döbelner Ortsverbandes der AWO haben bislang nur gerüchtehalber von der Schließung gehört. Offiziell informiert werden sollen sie in der kommenden Woche.

Für den Ortsverband ist die in Grimma im Dezember beschlossene Schließung der Tafel völlig unverständlich. „Wir sind empört“, kommentiert Ortsverbandschef Frank Götzel verärgert. „Es ist eine Schande, eine solche Einrichtung zu schließen. Die AWO ist ein Wohlfahrtsverband, sie hat eine soziale Verpflichtung.“

Dieser sozialen Verpflichtung ist man sich beim sächsischen Landesverband Die Tafeln bewusst. Landeschef Joachim Rolke erklärte gestern auf Anfrage, dass er seit Dezember mit der AWO in Grimma in Kontakt stehe und man bemüht ist, eine Nachfolgelösung zu finden. Wenn die AWO ausscheidet, müsse ein anderer Sozialverband als Träger für die Einrichtung gefunden werden. „Eine weitere Möglichkeit ist die Gründung eines Vereins“, so Rolke.

Betroffen von der Tafel-Schließung in Döbeln wären auch Roßwein, Waldheim und Hartha. Die Lebensmittel-Ausgaben dort würden genauso wegfallen wie die Ausgabe und der Treffpunkt in der Muldestadt. Derzeit versorgt die Döbelner Tafel durch Elvira Illgen und ihre Mitarbeiter die umliegenden Städte mit. Montags gibt es eine Ausgabe in Roßwein, dienstags in Waldheim und donnerstags in Hartha.

Rund 500 Menschen pro Woche nutzen derzeit das Angebot der Einrichtung, in die überschüssige Lebensmittel aus Märkten in ganz Sachsen zusammengeholt und für ein kleines Geld verkauft werden. Darüber hinaus wird die Tafel als Treffpunkt genutzt. Während früher täglich geöffnet war und es sogar eine Küchenversorgung gab, gibt es mittlerweile nur noch Donnerstags ein warmes Mittagessen. Das liegt an der personellen Situation, die sich seit geraumer Zeit nur schwer in Einklang mit dem Aufgabenvolumen bringen lässt.

Neben Elvira Illgen, die die Döbelner Tafel managt, stehen ihr vier Mitarbeiter aus geförderten Maßnahmen „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ zur Seite, ein 1-Euro-Jobber, zwei Helfer mit Gerichtsstunden und ein Praktikant. Wechselnd zwei bis zu zehn Ehrenamtliche verstärken das Team. Fakt ist allerdings: „Wenn ich jetzt krank werden würde, hätte die Tafel zu.“ Denn eine Vertretung für Elvira Illgen gibt es nicht, weshalb die 61-Jährige auch seit 17 Jahren nahezu ohne Urlaub oder Krankheitstage gearbeitet hat.

Während man in Grimma schon weiter ist, und im Gespräch mit dem Bürgermeister bereits einen neuen Träger ins Auge gefasst hat, steht ein solches Treffen in Döbeln noch aus. Doch Rolke ist sich sicher: „Bis Juni, Juli wird es für die Tafel in Döbeln eine Lösung geben.“ Ob Elvira Illgen dann weiter oder wieder mit von der Partie ist, bleibt abzuwarten. Der Landeschef betont, dass es absolut wünschenswert wäre, gestandene Mitarbeiter mit jahrelanger Erfahrung auch weiterhin im Boot zu haben. Selbst einen Verein gründen kommt für die 61-Jährige allerdings nicht in Frage.

Aus welchen Gründen sich der AWO-Kreisverband Mulde-Collm von seinen beiden Tafeln trennt, war gestern bis Redaktionsschluss nicht von der Geschäftsführung zu erfahren.

Von Manuela Engelmann

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