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Im Rittergut Ehrenberg fallen die Masken

Integration Im Rittergut Ehrenberg fallen die Masken

Menschen ganz unterschiedlicher Nationalitäten arbeiten derzeit im Kulturzentrum eng zusammen und drehen einen Dokumentarfilm. Einzig die Beteiligung stört Hausherr Pier Giorgio Furlan, der sich mehr erhofft hat.

Deutsche und Zugereiste spielen auf dem Rittergut Ehrenberg Theater. Polnische Studenten halten das mit ihren Kameras fest.

Quelle: Dirk Wurzel

Ehrenberg. So richtig zufrieden ist Pier Giorgo Furlan nicht. Der Hausherr auf Rittergut Ehrenberg hat Fördergeld rangeschafft, sein Freund Prof. Marek Pozniak ist mir einer zehnköpfigen Studentengruppe aus Polen angereist, will einen Dokumentarfilm drehen. Und dann sind weniger Hauptdarsteller da, als man sich gewünscht hat. Hauptdarsteller sind Flüchtlinge aus den Heimen in der Umgebung. „Wir haben Werbung in der ganzen Region gemacht. Und dann heißt es, die Flüchtlinge haben kein Interesse. Da frage ich: Ist das tatsächlich so?“, sagt Pier Giorgo Furlan. So fehlten ihm zum Beispiel Asylbewerber aus Döbeln bei dieser Projektwoche. Er hätte sogar den Fahrdienst übernommen. So wie letzte Woche, als er sich den Caddy der Gemeinde Kriebstein dafür ausgeborgt hatte.

Aus Hainichen waren ein paar Leute da und Sajed Rahmat Mussawi aus Burgstädt. Dort lernt der Afghane gerade den Friseurberuf. Dima sollte eigentlich dolmetschen, aber es gab kaum Bedarf an Übersetzungen aus dem Arabischen ins Deutsche und zurück, weil ja wie gesagt weniger Asylbewerber kamen, als erwartet und erhofft. Dima blieb trotzdem und machte sich anderweitig nützlich. Sie ist aus Damaskus geflohen, mit einem Plastikboot übers Mittelmeer geschippert, kam dann nach Roßwein und war traurig, als der Landkreis das Heim an der Döbelner Straße geschlossen hat.

Es sind diese Begegnungen, die das neuerliche Kunstprojekt in Ehrenberg so interessant machen. Um Begegnung geht es auch bei dem, was Pier Giorgo Furlan und Marek Pozniak, der Filmprofessor aus Lodz und seine Studenten so alles vorhaben: „Es geht um Babel und den Turm. Am Anfang tragen alle Masken, die dann langsam fallen und die Menschen dahinter sichtbar werden. Masken sind wie Vorurteile“, erläutert Pier Giorgo Furlan. „Am Montag haben wir ein Drehbuch geschrieben. Wir stellen in unserem Film das Kulturzentrum als magischen Ort dar“, sagt Marek Pozniak. Er hat noch eine Technik mitgebracht, die aus den Anfangstagen der Fotografie stammt: Die Kollodium-Nassplatte. Während die mit einer Lösung aus Kollodiumwolle trocknet, erfolgt der Belichtungsvorgang in der Kamera. Bis zu zehn Minuten lang kann man so ein Bild belichten. Marek Pozniak schätzt, dass die Studenten für ihr Fotovorhaben bei gutem Licht Belichtungszeiten von einem achtel Sekunde brauchen. Sie wollen Porträts der Flüchtlinge aufnehmen und ihnen diese als Geschenk mitgeben. „Viele von ihnen haben alles verloren, durch uns bekommen sie etwas zurück“, sagt Marek Pozniak. Wobei jedes Bild ein Unikat ist.

Der Professor hatte keine Mühe, Studenten zu finden, die ihn auf seiner Reise nach Deutschland begleiten wollten. „Die Studenten haben davon gehört, dass wir im vergangenen Jahr schon mal hier waren. Für mich waren das unerwartet viele, die mitfahren wollten“, sagt Marek Pozniak. Im vergangenen Jahr kamen drei junge Leute aus Lodz mit, die an der dortigen Filmakademie studieren. Diesmal sind es zehn und man sieht sie noch die ganze Woche mit ihren Kameras herumwirbeln. Das Ergebnis – den Film über den Turmbau zu Babel in Ehrenberg – würde Pier Giogio Furlan gerne auf dem Dokfilm-Festival in Leipzig zeigen.

Von Dirk Wurzel

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