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Döbeln Im Zweifel für den Angeklagten: Gericht muss Zschaitzer Stalker freisprechen
Region Döbeln Im Zweifel für den Angeklagten: Gericht muss Zschaitzer Stalker freisprechen
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15:15 13.05.2016
Der 28-jährige Angeklagte soll einen Döbelner Landwirt mit dem Tode bedroht haben. Vor Jahren hatte er ihn mit einem Messer angegriffen und verletzt. Quelle: Wolfgang Sens
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Döbeln

David Hasselhoff gab der Zschaitzer Stalker am Freitag im Amtsgericht Döbeln als Alibi an. Er habe nämlich an einem Dezembertag vergangenen Jahres eine Folge der 80er Jahre Serie „Knight Rider“ gesehen, in der der amerikanischer Schauspieler die Hauptrolle spielte. Der 28-Jährige habe sich das just zu einer Zeit angeschaut, als er laut Anklage einen Döbelner Landwirt mit den Worten bedroht haben soll: „Ich stech Dich ab, ich mach Dich fertig!“ Seine ganze Familie habe mit ferngesehen. Die Familienmitglieder hatte er als Zeugen mitgebracht.

Verbrechen und Vergehen

Auf ihre Aussagen kam es aber nicht an. Strafrichter Janko Ehrlich brauchte sie nicht für den Freispruch. „Für uns Juristen ist der genaue Wortlaut wichtig. Hat der Angeklagte gesagt, dass er Sie abstechen will oder Ihnen einen Knüppel über den Kopf ziehen will?“, sagte Richter Ehrlich, als er das Urteil begründete. Vor Gericht konnte sich der Geschädigte nicht mehr genau erinnern, was der junge Mann zu ihm gesagt hatte. Einer Bedrohung macht sich nur schuldig, wer einem anderen mit einem Verbrechen droht. Das sind alle Straftaten, auf die mindestens ein Jahr Haft steht. Also zum Beispiel Raub, schwere Körperverletzung, sexuelle Nötigung, Totschlag und Mord. Dass er rief, er wolle den Landwirt abstechen, hätte den Tatbestand erfüllt. „Knüppel über den Kopp“ ist jedoch die Ankündigung einer gefährlichen Körperverletzung, also „nur“ die Drohung mit einem Vergehen und nicht mit einem Verbrechen.

Wieso er denn bei der Polizei erzählt habe, dass der 28-Jährige von „abstechen“ und „fertigmachen“ gesprochen habe, wollte Richter Ehrlich wissen? Die Antwort des Landwirtes klingt plausibel. „Jedes Wort merkt man sich nicht. Ich habe das schon so oft gehört“, sagte der Mann. „Sie haben also schon 50 Mal gehört, dass er Sie abstechen will?“, fragte Verteidigeranwalt Ulrich Eppinger. „Das wird gar nicht langen, das geht schon Jahre so“, antwortete der Landwirt. Denn an jenem Dezembertag hatte er nicht zum ersten Mal das Missvergnügen mit dem Zschaitzer Stalker. Obschon er glaubhaft angab, dass der Angeklagte an jenem Tag mal wieder auf dem Gelände des Reitvereins war, fehlte ihm am Ende die genaue Erinnerung an dessen Worte.

„Halten Sie sich fern!“

Bei Worten ist es in dieser langen Täter-Geschädigter-Beziehung nicht geblieben. Vor einigen Jahren war der Zschaitzer mit dem Messer auf den Landwirt losgegangen, hatte ihn verletzt. Zuvor hatte er dessen Wohnungstür eingetreten und nach einer Frau gesucht, von der er dachte, sie habe ein Verhältnis mit dem Pferdebauern. Was natürlich alles Quatsch ist. Wegen der Messerattacke hatte Richter Ehrlich den 28-Jährigen im Dezember 2013 wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Haft mit Bewährung verurteilt. Eine weitere Strafe (16 Monate mit Bewährung) verhängte der Richter damals wegen etlicher Verstöße gegen das Gewaltschutzgesetz. Jene junge Frau, die P. damals in der Wohnung des Landwirtes suchte, hatte nämlich ein gerichtliches Annäherungsverbot gegen ihn erwirkt, weil er ihr gehörig auf den Wecker ging, sie seine Nachstellungen nicht mehr dulden wollte. der Zschaitzer hatte die Frau, die er eigentlich gar nicht kannte, immer wieder besucht und ihr Kurznachrichten aufs Mobiltelefon geschickt. Von der Kontaktsperre ließ sich der Stalker nicht beeindrucken. Er bombardierte die Frau weiter mit Kurznachrichten und suchte sie auf. Richter Ehrlichs damaliges Urteil hielt in der zweiten Instanz und wurde rechtskräftig.

„Halten Sie sich fern! Sie wissen, dass Sie unter Bewährung stehen. Sie haben eine Job und Familie. Knast ist bei Ihrer Persönlichkeit schlecht für Sie. Das muss man nicht haben“, gab Richter Ehrlich dem Freigesprochenen am Freitag mit auf den Weg. Dem Landwirt riet er, sich künftig zu notieren, was der Zschaitzer sagt, wenn er ihn wieder heimsuchen sollte.

Von Dirk Wurzel

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