Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln In Hartha: Offene Unternehmenstür und weit und breit kein Interessent
Region Döbeln In Hartha: Offene Unternehmenstür und weit und breit kein Interessent
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:34 17.03.2018
Kaum ein Schüler ließ sich blicken: Bei der Woche der offenen Unternehmen stieß die GSH Sachsen GmbH in Hartha auf wenig Interesse. Quelle: Foto: Manuel Niemann
Hartha

14 Uhr: Die Führung durch das Werksgelände könnte starten. Eigentlich, denn was fehlt, sind schlicht die Interessenten, die sich im Internetportal zu der Woche der offenen Unternehmen für den Termin bei der GSH Sachsen GmbH eingetragen hatten.

Sachsenweite Aktionswoche im März

Vom 12. bis 17. März beteiligen sich in Mittelsachsen über 200 Firmen an der Aktion und öffnen ihre Büro-, Werkstatt- oder Labortüren. Für Schüler der Ober- und Förderschulen und Gymnasien ist das eine Gelegenheit, mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen, Firmengelände zu erkunden und so Berufe kennenzulernen. Außer der GHS Sachsen beteiligen sich in Hartha noch weitere Unternehmen: So das Pierburg-Pumpenwerk, die Senioren Residenz Petra Schreiter, die Dr. Günther Schaltanlagen GmbH oder die Pestalozzi-Oberschule, die über die Lehrerausbildung informiert.

Zeiten ändern sich

Die GSH Sachsen GmbH, die ihren zweiten Termin in der Woche mangels Nachfrage ohnehin gestrichen hatte, scheint leer auszugehen: Keiner kommt, keiner sagt ab. Und der Reporter, der eigentlich jugendliche Köpfe und deren Sicht auf die Arbeitswelt beschreiben wollte, blickt auf nicht sonderlich überraschte Gesichter: Früher, heißt es beim Warten in der Anmeldung, habe man sich die Auszubildenden aussuchen können, Abiturienten mit Bestnoten. Heute bekomme man nicht mal mehr eine Absage, wenn ein Termin platze.

Ausgebildete Fachkräfte fehlen

Dabei ist die Firma, die sich auf Kunststoffspritzguss- und Zinkdruckguss spezialisiert hat und unter anderem der Automobilindustrie zuliefert, auf Nachwuchs angewiesen: „Es gibt kaum verfügbare ausgebildete Fachkräfte“, bestätigt Winfried Blümel, der sowohl in Hartha als auch bei der addfitity testa-Industrie­holding, zu der die GHS Sachsen gehört, die Geschäfte führt.

MINT-Fächer zu wenig gefragt, Gesellschaft überaltert

Es räche sich, dass die Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) lange Zeit wenig wertgeschätzt wurden, sagt der promovierte Maschinenbauingenieur. Hinzu zu dem problematischen demografischen Mix, der immer mehr Alte weniger Junge entgegenstellt, komme nun, dass diese Fachrichtungen weniger gefragt waren. „Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die ich nicht ändern kann“, sagt Blümel. Langfristig helfe gegen den Mangel nur, das vorhandene Arbeitskräftepotenzial auszuschöpfen und auszubilden.

Aktive Suche nach Auszubildenden

Der Wandel auf dem Arbeitsmarkt habe bei der Auswahl von Auszubildenden zu einer 180-Grad-Wendung geführt: Statt unter einer Vielzahl von Kandidaten, denjenigen zu wählen, der am besten zu den Mitarbeitern passe, arbeite das Unternehmen kontinuierlich daran, zunächst sichtbar zu sein und Interesse für sich zu wecken. Die junge Generation achte zudem darauf, dass die Arbeit das Leben nicht bestimme. Mit Geld allein sei diese nicht zu gewinnen. Dafür aber mit einer vernünftigen Firmenkultur, die auch Fehler toleriere und Mitarbeiter Ideen einbringen lässt.

Chancen auch für schwierigeres Personal

Selbst Kandidaten, die früher nicht lange im Unternehmen geblieben wären, bekommen da eine Chance. Es sind Wenige – Blümel schätzt, vielleicht fünf Prozent –, denen es von Haus oder Schule aus noch an simpler Sozialkompetenz mangele: Die keinen kollegialen Umgang pflegen, wenig Rücksicht nehmen oder es an Höflichkeit vermissen lassen. Konsequenz für ihn ist, dass hier sein Führungspersonal noch besser sein müsse und auch auf solche Defizite eingehen kann: Auch wenn damit nicht der herrische Vorgesetzte von einst zurückkehre – Leute, die noch wenig Teamgeist und Ausdauer hätten, bräuchten glasklare Ansagen.

Von Manuel Niemann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Döbeln Neues Ärztehaus Roßwein - Erste Praxis öffnet in wenigen Wochen

Der Roßweiner Allgemeinmediziner Clemens Otto zieht schon bald vom Werder in das zukünftige Ärztehaus in der alten Post. Dort arbeiten die Handwerker auf Hochtouren, um bis zur geplanten Eröffnung alles fertig zu bekommen.

14.03.2018
Döbeln Gemeinderat lehnt ab - Nein zum Jahnaer Gnadenhof

Geht es nach der Mehrheit der Ostrauer Gemeinderäte, wird es künftig keinen Hundegnadenhof in Jahna mehr geben. Mit sechs zu drei Stimmen bei drei Enthaltungen lehnte das Gremium den Antrag des Grundstücksbesitzers Eberhard Weise auf Umnutzung für eine Haltung von bis zu 15 Hunden ab.

17.03.2018

Übung macht den Meister. Denn bis zum großen Auftritt ist es nicht mehr lange hin. Am morgigen Freitag zeigen die Oberschüler beim Rathauskonzert ihr musikalisches Können. Einen Vorgeschmack bekamen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung Waldheim schon am Mittwoch. Da war Probe.