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In Hartha gibt es Gottesdienste in geschlechtergerechter Sprache

Gendergerechte Bibelübersetzung In Hartha gibt es Gottesdienste in geschlechtergerechter Sprache

In Hartha soll im Gottesdienst einen neue Bibelübersetzung verwandt werden. In der neuen fassung ist die Sprache gendergerecht - Frauen und Männer sollen nun gleichberechtigt vorkommen.

Susanne Willig probiert die Bibel in gerechter Sprache aus.
 

Quelle: André Pitz

Hartha.  Im Gemeindebrief der Kirchgemeinde Hartha sind alle Gottesdienste fein säuberlich aufgelistet – manchmal mit Abendmahl, manchmal für Familien. Nur dieser Sonntag fällt etwas aus der Reihe, steht doch der Zusatz „in gerechter Sprache“ hinter dem 10.15 Uhr Termin in der Harthaer Stadtkirche geschrieben. Zum Einsatz kommt dabei eine spezielle Übertragung der Lutherbibel. „Daran waren viele namhafte Theologinnen und Theologen beteiligt, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gerechtigkeit sowohl im Alten als auch im Neuen Testament stärker über die Wortwahl herauszustellen“, erläutert Pfarrerin Susanne Willig. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Geschlechtergerechtigkeit. Nicht immer können ausschließlich Männer gemeint sein, wenn von Hirten oder Jüngern geschrieben ist. Dass es durchaus Hirtinnen und Jüngerinnen gab, ist heute nachweisbar und in der gerechten Bibelübertragung festgehalten. „Für manche kann es überraschend sein, wenn sie gewohnte Geschichten plötzlich mit anderem Wortlaut hören“, betont die Pfarrerin. Deshalb auch die Ankündigung im Gemeindebrief. „Ich glaube, die Harther werden schon ein bisschen neugierig sein und mich hinterher darauf ansprechen“, so Willig. Zu Beginn des Gottesdienstes möchte sie zudem ihr Vorhaben erklären. Am gewohnten Ablauf des Gottesdienstes ändere sich nichts. Ferner glaube sie, damit neue Perspektiven eröffnen zu können. „Alleine die Diskussion kann viel bewirken. Man beschäftigt sich ganz anders mit den Texten und erkennt neue Dinge, die einem wichtig sind. Damit kommt auch die Bibel wieder mehr ins Gespräch.“ Außerdem bedeute das noch lange nicht, dass die Lutherbibel ungerecht ist. Die Autoren hätten schließlich nichts dazuerfunden, sondern lediglich an Stellen, zu denen es auch Belege gibt, gerechtere Formulierungen verwendet.“Wichtig ist, dass der Spieß nicht umgedreht wird und die Übertragung als männerfeindlich interpretiert wird. Darum geht es nicht“, macht die Pfarrerin deutlich. „Sich für Geschlechtergerechtigkeit einzusetzen heißt letztendlich nichts anderes, als sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen.“

Unter anderem die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) versperrt sich einer Übertragung wie der Bibel in gerechter Sprache zwar nicht grundsätzlich, spricht ihr aber aufgrund „ihrem Charakter und ihrer sprachlichen Gestalt“ die Eignung zur Verwendung im Gottesdienst ab. Susanne Willig erkennt die Kritik an, sieht aber große Chancen: „Ich denke, dass es in den christlichen Strömungen und Gottesdiensten viel Bewegung und keinen Stillstand gibt. Es kann für jemanden ein großer Energieschub sein, etwas Gewohntes plötzlich anders zu hören und zu verstehen.“ Die Macht der Sprache dürfe man deshalb keineswegs vernachlässigen. „Sie hat die Macht, Dinge zu verändern. Da wir die Sprache mitgestalten, müssen wir auch immer über ihre Wirkung nachdenken“, unterstreicht die Pfarrerin. Das spiegelt sich in der Bibel in gerechter Sprache nicht nur in der Geschlechterfrage wider. Auch das Judentum erfährt neue Gerechtigkeit. Verallgemeinernde Formulierungen wie „die Juden“ vermeidet die Übertragung – schwingt doch im geschichtlichen Kontext mittlerweile eine ganz andere Konnotation mit. Außerdem sprechen die Autoren konsequent vom „ersten“ und „zweiten“ Testament, da man mit „alt“ die Schriften nicht abwerten wolle. Das könne man durchaus diskutieren, da auch die Verbindung zu „altehrwürdig“ naheliege. „Es hilft in jedem Fall dabei, anders über bestimmte Dinge nachzudenken.“

Für Willig ist der Gottesdienst am Sonntag ein schönes Experiment: „Die Kirchgemeinde steht dem offen gegenüber. Ich möchte das einfach mal ausprobieren, weil es etwas anderes und ganz neues ist.

Von André Pitz

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