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Döbeln Polkenberg: Paketzusteller und Pflegedienstler machen Anwohner verrückt
Region Döbeln Polkenberg: Paketzusteller und Pflegedienstler machen Anwohner verrückt
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08:03 19.05.2018
Hier wird gerast was das Zeug hält. Anwohner haben die schlimmsten Rowdies unter Paketzustellern und Pflegedienstmitarbeitern ausgemacht. Sie fordern von der Stadt die Verkehrsberuhigung. Ratsmitglieder haben ihre Gründe, lieber nichts zu entscheiden. Quelle: Steffi Robak
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Polkenberg

In Polkenberg, Ortsteil von Leisnig im Landkreis Mittelsachsen, wird in einer 30er Zone gerast wie verrückt. Obwohl die Anlieger Angst haben vor schlimmen Unfällen, können sich die Ratsmitglieder im Technischen Ausschuss nicht zu Schikanen auf der Fahrbahn als verkehrsberuhigende Maßnahme durchringen. Dabei gibt es bei der Stadt sogar eine schriftliche Einwohnereingabe.

Quelle: Steffi Robak

An zwei Stellen Schikanen einbauen

An zwei Stellen auf dieser rund 200 Meter langen Straße könnten Bremsschwellen installiert werden und die rasenden Autofahrer ausbremsen. Eine spezielle Art davon wird Berliner Kissen genannt, und davon sind sogar zwei in Leisnig vorhanden. Doch so einfach ist es nicht. Unter anderem gibt Thomas Schröder vom Leisniger Bau- und Ordnungsamt zu bedenken: „Gibt die Stadt in diesem Falle den Anwohnerwünschen nach, stehen Bewohner anderer Straßen ebenfalls auf der Matte und fordern das Gleiche. Was sollen wir denen dann sagen?“

So sehen die so genannten „Berliner Kissen“ aus. Die Kunststoffteile werden mit der Fahrbahn verschraubt. Im Leisniger sind zwei ähnliche Teile eingelagert. Ob sie in Polkenberg zum Einsatz kommen werden, ist ungewiss. Quelle: web

Schriftliche Bürgereingabe mit Unterschriftenliste

Im Technischen Ausschuss von Leisnig wurde das Thema jedenfalls vertagt. Dabei liegt der Stadt sogar eine Liste mit Unterschriften vor: Bürger wollen, dass die Stadt eingreift und Schikanen einbaut. Anwohnerin Sabine Otto schildert stellvertretend für alle Unterzeichner die Bedenken der Anwohner, zudem ihre eigenen Erfahrungen: Innerhalb von fünf Jahren haben Raser zwei ihrer an der Straße geparkten Autos zu Schrott gefahren. Totalschaden.

Vereinzelt Anwohner zu schnell

Sie bringt zur Sprache, wer dort rast: Paketzusteller sowie Pflegedienstmitarbeitern. Vereinzelt seien Anwohner zu flott unterwegs. Wie in der Versammlung bekannt wird, sind zwei so genannte Berliner Kissen auf dem Leisniger Bauhof eingelagert. Die Kunststoffbarrieren können quer über die Fahrbahn gelegt und mit dem Asphalt verschraubt werden.

Das befürchten die Polkenberger: Dass bei einem Unfall einmal ein Mensch zu Schaden kommt. Quelle: dpa

Angst, dass jemand verletzt oder getötet wird

„Was spricht dagegen, diese auch einzubauen, wenn man damit Leben retten kann?“, fragt Sabine Otto. Genau das ist ihre Befürchtung: Dass irgendwann genau dort jemand verletzt oder gar getötet wird. Einige Räte teilen ihre Auffassung.

Alle anderen Fälle auch diskutieren

Zum Beispiel sagt René Quandt aus der Fraktion der CDU: „Wenn dort mal etwas passiert, will ich mir nicht vorwerfen lassen, nicht gehandelt zu haben.“ Uwe Reichel, als sachkundiger Bürger im Technischen Ausschuss: „Wenn die Dinger schon mal beim Bauhof liegen, dann ist das doch keine Frage. Dann sollten sie auch eingebaut werden. Und wenn Bürger von anderen ebenfalls gefährlichen Stellen kommen, muss auch für diese Fälle neu diskutiert werden.“

Wird der betreffende Teil der Polkenberger Dorfstraße vielleicht ein verkehrsberuhigter Bereich? Das hätte allerdings auch seine Tücken. Quelle: privat

Andere Möglichkeit: verkehrsberuhigter Bereich

Aus der CDU-Fraktion kommt dann der Vorschlag, an diesem Tag nicht abstimmen zu lassen. Mathias Voigtländer: „Das kann uns auf die Füße fallen.“ Diskutiert wurde nämlich neben der Variante der Berliner Kissen auch noch die Möglichkeit, den betreffenden Bereich an der Dorfstraße zwischen den Hausnummern 17 und 42 als verkehrsberuhigte Zone einzurichten.

Schrittgeschwindigkeit - dort dürfen Kinder spielen

Dort darf dann nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Auch dürften Kinder auf der Straße spielen - was sich dort jetzt zumindest niemand traut. Ein anderer Pferdefuß dabei: In verkehrsberuhigten Bereichen dürfen nur in den eigens dafür gekennzeichneten Flächen Autos geparkt werden. Bisher können Anwohner und Anlieger in dieser Straße frei parken.

Was man im verkehrsberuhigten Bereich alles darf und was nicht - ob die Polkenberger das dann so wollen, soll erst mit den Dorfstraßenanwohnern besprochen werden. Quelle: privat

Vielleicht hilft befristete erzieherische Maßnahme

Schröder zur Gesamtsituation: „Da können Probleme auf uns zu kommen, da denken wir heute noch gar nicht hin.“ Eckhard Löffler, Wählervereinigung Stadt und Land Leisnig, schlägt vor, die Verkehrsberuhigung für einen begrenzten Zeitraum einzuführen. Sie könne wieder aufgehoben werden, wenn sie als erzieherische Maßnahme gefruchtet habe.

Polizei interessiert sich wohl nicht dafür

Dass erhöhte Polizeipräsenz mit Verkehrskontrollen etwas bringt, wurde angezweifelt. Zudem nimmt Bürgermeister Tobias Goth (CDU) den Anwesenden sämtliche Hoffnung: „Es ist illusorisch, dass sich die Polizei dafür Zeit nimmt: In so einem kleinen Ort, an einer 200 Meter langen Sackgasse.“ Der Bürgermeister schlägt vor: Thema vertagen, über die gängigen Varianten nachdenken, die Anwohner in diese Diskussion einbeziehen. Innerhalb der nächsten zwei Wochen soll das alles in die Wege geleitet sein.

Von Steffi Robak

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