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Döbeln In Roßweins Diakonie-Werkstätten
Region Döbeln In Roßweins Diakonie-Werkstätten
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11:53 05.12.2016
Farbige Kostüme und Masken kommen beim nächsten Performance-Projekt mit Pier Giorgio Furlan (Mitte) zum Einsatz. Quelle: Fotograf Sven Bartsch
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Roßwein/Ehrenberg

Die Stimmung ist gemischt im Probenraum der Roßweiner Werkstätten des Diakonischen Werkes: Phantasievoll kostümierte Darsteller folgen eifrig und gleichzeitig aufmerksam den Regie-Anweisungen von Performance-Künstler Pier Giorgio Furlan. Das Stück „Carissimo Pinocchio“ wird im Januar im Freiberger Tivoli und im Schauspielhaus Chemnitz aufgeführt.

Steffi Kempe spielt in einer der Szenen die Hauptrolle. Die 33-Jährige Roßweinerin sprach für das in Kostümen und Masken aufgeführte Pantomimenstück einen selbst geschriebenen Text, der zur Aufführung eingespielt wird. Sie sagt, sie stehe gerne und nicht zum ersten Mal auf der Bühne.

Rittergut Ehrenberg Dreh- und Angelpunkt

„Sie macht das sehr gut“, lobt der aus Italien stammende Künstler, der in Ehrenberg zu Hause ist. Das Rittergut ist Drehscheibe vieler Aktivitäten des Vereins Centro Arte Monte Onore. In der dortigen Werkstatt arbeitete Steffi Kempe bereits Hand in Hand mit der SPD-Bundstagsabgeordneten Simone Raatz: An einem Praxistag spachtelten die beiden Frauen an den Masken, welche die Akteure für ihren Auftritt anfertigen. Neben den Männern und Frauen aus den Roßweiner Werkstätten des Diakonischen Werkes sind weitere acht Gruppen an den Performance-Aufführungen sowie deren monatelangen Vorbereitungen beteiligt.

Rund hundert Mitwirkende bringen acht Szenen rund um den vorwitzigen Holzburschen Pinocchio auf die Bühne, darunter Blinde, Sehbehinderte und Gehörlose aus Chemnitz, psychisch kranke Menschen aus Seifersbach sowie Theatergruppen nicht behinderter Akteure. Das Stück „Carissimo Pinocchio – Liebster Pinocchio“ kommt als barrierefreies Theaterstück auf die Bühne.

Mitwirkende schreiben ihre Rollen selbst

Furlan liegt viel daran, den Hintergrund zu verdeutlichen: „Bei dieser Art Barrierefreiheit geht es nicht darum, dass die Bühne oder Toilette behindertengerecht sind. Unsere Barrierefreiheit besteht zum Beispiel darin, dass der blinde Mitwirkende trotz seiner Sehbehinderung an seiner Maske arbeitet. Wenn ihm jemand zunächst die Hand führt, versteht er, wie es funktioniert und kann selbstständig weiter arbeiten. Ein Mann im Rollstuhl kann bei uns selbstverständlich eine Spielrolle übernehmen. Er schreibt sie doch selbst.“

Furlan ist von der Szene zu Beginn des Stückes sehr berührt, in der eine Frau die ersten Sätze aus dem in Italien populären Kinderbuch über Pinocchio aus einem großen Buch liest. Während die Worte über Lautsprecher eingespielt werden, ertastet sie die Buchstaben mit den Fingern: Sie stehen in dem Buch in Blindenschrift.

Aufführungen in Freibergs Tivoli und Chemnitzer Schauspielhaus

Seit rund zehn Jahren ist Furlan mit seinen Performance–Projekten aktiv, gewinnt fast jährlich weitere Personengruppen für neu beginnende, Monate andauernden Arbeiten, an deren Ende die öffentlichen Aufführungen stehen – manchmal in Theatern, Kirchen, häufig im Freien, in der abendlichen Dunkelheit. Dort dienen die mit Projektoren farbig angestrahlten Hausfassaden als Kulissen. Im November wurde der Verein Centro Arte Monte Onore vom Berliner Bündnis für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet: Mit den Performance-Projekten hatte sich der Verein am Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz 2016“ beteiligt. Der Bündnis-Beitrat stufte die Performance-Arbeit um den Initiator Pier Giorgio Furlan als vorbildlich ein.

„Carissimo Pinocchio“ ,ein barrierefreies Theaterstück; 11. Januar 2017 19 Uhr „Tivoli Freiberg sowie 14. und 15. Januar 2017 19 Uhr Schauspielhaus Chemnitz

Von Steffi Robak

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