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Döbeln In der Döbelner Bärentalturnhalle werden Oldtimer gestapelt und gepflegt
Region Döbeln In der Döbelner Bärentalturnhalle werden Oldtimer gestapelt und gepflegt
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12:15 17.07.2017
Einen alten Volleyball fand Marcel Schliebe (35) bei Aufräumarbeiten in der Bärentalturnhalle. 1000 Tonnen Erde müssen raus, damit die Oldtimer Platz haben. Quelle: Sven Bartsch
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Döbeln

Viele Anläufe zur Rettung der denkmalsgeschützten Bärentalturnhalle hat es in den letzten 20 Jahren gegeben. Jetzt hat ein junger Mann mit dem Umbau und der Erhaltung des Denkmals begonnen, der noch im Schulalter war, als die Bärentalturnhalle geschlossen wurde. Marcel Schliebe (35) aus Döbeln hatte schon immer ein Faible für alte Gebäude und Industriekultur. Die 1899 erbaute Bärentalturnhalle und das Gelände ringsherum werden eine Art Hobby und zweites Standbein zugleich. Der Inhaber eines Autohandels und Reparaturbetriebes in Altgeringswalde hat vom Hauptausschuss des Stadtrates gerade den Zuschlag zum Kauf weiterer Grundstücke rund um die alte Turnhalle bekommen. Schwer zu pflegendens Grünland und alte verfallene Scheunen stehen darauf.

Marcel Schliebe hat mit der Bärentalturnhalle und dem umliegenden Gelände einiges vor. Er will sich dabei aber nicht unter Zeitdruck setzen, sondern seine Pläne Schritt für Schritt mit eigenen Mitteln und Mitarbeitern umsetzen. „Ich werde keine riesigen Kredite aufnehmen, Baufirmen bestellen und in ein paar Monaten alles fertig haben, um ein paar Jahre später Pleite zu sein. Es ist eine Liebhaberei, die ohne Eigenleistung nur mit Fremdfirmen nicht wirtschaftlich darstellbar wäre“, erklärt der junge Mann. Erst im zweiten Anlauf hat er mit seinem Konzept den Zuschlag für den Kauf der Bärentalturnhalle und des umliegenden Geländes bekommen.

Ende der 1990-er Jahre wollten Freizeitfußballer das Gelände kaufen, die Halle erhalten und eine Kegelbahn einbauen. Eine Reithalle war bei einem nächsten Interessenten ab dem Jahr 2000 im Gespräch. Doch diese potenziellen Investoren starben über ihren Ideen ab oder gingen in Insolvenz. 2013 wurde der vorletzte Kaufvertrag von der Stadt rückabgewickelt und die Halle erneut verkauft. Ein Unternehmerpaar aus Döbeln und Grimma wollte ein Wohn- und Geschäftshaus daraus machen. Der Kauf kam nicht zustande. So kam der mit seiner Idee der Zweitplatzierte Marcel Schliebe 2014 doch noch zum Zug. Der Kauf ist seit dem Frühsommer 2017 komplett unter Dach und Fach.

Im Kopfbau der alten Bärentalturnhalle sollen drei Wohnungen zum Teil mit Dachterrassen entstehen. In der einstigen Turnhalle werden in dem historischen Flair bis zu 36 Oldtimerfahrzeuge von privat untergestellt, gewartet und gepflegt. Hinter jedem der Hallenfenster wird ein Regalsystem mit je drei Autos übereinander stehen. Mit einem speziellen Hubtisch kommen die Fahrzeuge dahin. Aktuell werden rund 1000 Tonnen Erdboden aus der Halle gebuddelt, damit Autoregale in der Höhe vernünftig in die Halle passen. „Geplant ist es, die Autos in einem gleichbleibenden Klima für ihre Besitzer einzulagern, zu pflegen und fahrbereit zu halten“, schildert der junge Mann. Ähnliches, allerdings einige Nummern größer, hat er sich in Berlin und Dresden angeschaut. Angebaut wird zudem an die alte Bärentalturnhalle eine rund 800 Quadratmeter große Halle zur Aufbereitung von Oldtimern. Von außen nicht hör- und kaum einsehbar werden dort Oldtimer zerlegt und wieder zusammengesetzt. „Im normalen Alltagsgeschäft unserer Werkstatt sind solche Fahrzeugrestaurationen aus Platzgründen schwer zu bewerkstelligen. Denn die zerlegten Fahrzeuge stehen oft Monate lang unangetastet, weil Einzelteile zum Lackieren, Verchromen gegeben sind oder nachgefertigt werden. In der Halle werden wir den Platz, die Zeit und die Ruhe haben, um zwei bis drei Autos im Jahr aufzubereiten und die eingelagerten Oldtimer in Schuss zu halten“, beschreibt er. Das mehrfach überarbeitete Konzept trägt dem Wohngebiet Rechnung, denn alles, was Lärm verursacht, wäre nicht erlaubt. Bis Ende 2018 will Marcel Schliebe die so genannte Car-Remise in der Bärentalturnhalle und die Wohnungen im Kopfbau fertigstellen. Dann folgen die nächsten Schritte. Dazu gehört auch der Abriss der alten Scheunen an der Bärentalstraße, die bis auf eine, dem jungen Mann gehören. Hier könnten Parkplätze für die Anwohner und die benachbarte Kleingartenanlage entstehen. Mit den Kleingärtnern hat es bereits im Vorfeld Abstimmungen gegeben.

Ursprünglich gab es sogar Pläne, bis zu 60 Stellplätze in einer Art Parkhaus in den Hang zu bauen und auf das Gelände noch ein Wohnhaus oder ein Seniorenheim zu bauen. Doch das Baurecht setzte den Ideen Grenzen. Langfristig gibt es Pläne, an der Stelle der ersten großen Scheune noch ein Wohngebäude zu errichten. Doch diese Idee ist noch im Stadium einer Bauvoranfrage.

Marcel Schliebe verbringt derzeit neben der Zeit in seinem Auto Center in Altgeringswalde viele Stunden auf der Baustelle in der Bärentalturnhalle. „Mit einigen Mitarbeitern werden wir so viel wie möglich selbst erledigen. Vom Putz abschlagen bis zu größeren Arbeiten. Mit dem Denkmalsschutz stimmen wir uns dabei genau ab. Denn für unsere Oldtimerpläne ist uns das Denkmalsflair sehr wichtig“, so der Junge Mann.

Von Thomas Sparrer

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