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Döbeln Industrie statt Biogas: Bald wieder freie Fläche in Ost
Region Döbeln Industrie statt Biogas: Bald wieder freie Fläche in Ost
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23:51 25.01.2013
Keine Biogasanlage in Döbeln-Ost: Die dafür vorgesehene Fläche mit einer Größe 13 000 Quadratmetern will die Stadt jetzt neu vermarkten. Für den letzten freien Fleck im Gewerbegebiet-Ost gibt es bereits Interessenten. Quelle: Wolfgang Sens

Er will nichts auf die lange Bank schieben: Jürgen Aurich, Leiter des Döbelner Liegenschaftsamtes, arbeitet gerade daran, bis April ein 13 000 Quadratmeter großes Grundstück freizuschaufeln. Dafür greift er aber nicht zur Schippe, sondern verhandelt mit der Firma BKN-Biostrom, die in finanzielle Schieflage geraten ist. Das Unternehmen hatte sich das betreffende Land vor etwa vier Jahren gesichert, um darauf eine Biogasanlage zu errichten. Bisher ist jedoch noch kein Geld an die Stadt geflossen. Der Kaufpreis wäre sowieso erst fällig gewesen, wenn die zuständigen Behörden die notwendigen Genehmigungen erteilt hätten. Vertragsklauseln dieser Art sind bei solchen Vorhaben üblich, denn zusätzlich zur eigentlichen Baugenehmigung braucht es in diesem Fall auch eine sogenannte Erlaubnis nach Bundesimmissionschutzgesetz (Bimsch). Genehmigungsverfahren für solche Biogasanlagen sind jedenfalls kompliziert, halten den einen oder anderen Fallstrick bereit.

Änderungen nicht vorhersehbar

"Wer hätte auch ahnen können, dass sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz in solch kurzen Intervallen ändert", nennt Jürgen Aurich einen weiteren Grund, weshalb es dem Unternehmen schwer gefallen sein könnte, die Anlage zu bauen. So dürfen Anlagebetreiber seit Januar 2012 nur 60 Prozent Mais verwenden, um in ihren Biogasanlagen Methan zu erzeugen. Ist der Masseanteil höher, gibt es kein Geld aus der Energiepreis-Umlage. "Es war so dramatisch, dass jedes Jahr eine Änderung kam", sagt Jürgen Aurich mit Blick auf die sich ständig verändernde Gesetzeslage. Die mache es Investoren im Sektor der regenerativen Energien natürlich nicht einfacher, ihre Geschäfte ordentlich planen zu können.

Bis April Vertrag auflösen

"Wir wollen nun eine friedliche Lösung herbei führen", sagt Jürgen Aurich. Von der Firmenpleite der Muttergesellschaft ist nach seinen Worten die Tochtergesellschaft nicht betroffen, welche für das Bauvorhaben der Biogasanlage Döbeln-Ost zuständig ist. "Wir behalten unseren Ansprechpartner", sagt Amtsleiter Aurich.

Bis zum April will die Stadt den Kaufvertrag aufgelöst haben. Zu möglichen Interessenten für das wahrscheinlich frei werdende Gewerbeland sagt Jürgen Aurich: "Es gibt regelmäßig Anfragen."

Für die Stadt ist es wichtig, die Fläche zügig neu zu vermarkten. "Mit dem Geld aus einem Neuverkauf der Flächen möchten wir im neuen Gewerbegebiet Süd auf dem früheren Möbelwerkegelände weiter vorankommen", sagte Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer (CDU) bereits im DAZ-Interview. Beim Möbelwerksgelände am anderen Ende Döbelns musste die Stadt zunächst die Eigentumsverhältnisse klären, die nach einem nicht ordentlich abgeschlossenen Insolvenzverfahren bestanden. Darum gab es eine sogenannte Nachtragsliquidation. "Sobald wir zwei verbindliche Interessenten aus dem verarbeitenden Gewerbe haben, kann es dann mit dem neuen 40000 Quadratmeter großen Gewerbegebiet zwischen Feldstraße und Bundesstraße 169 losgehen", so Oberbürgermeister Hans-Joachim Egerer.

Kein Glück hat die Stadt mit diesem Grundstück im Gewerbegebiet Döbeln-Ost 1b. Erst hatte der Eipulver-Produzent Vitamol große Pläne, hier eine Produktionsstätte zu errichten, die aus Eiern haltbares nährstoffreiches Eipulver produziert. Noch vor dem Baustart ging den Investoren das Geld aus.

Die letzten noch ungenutzten Flächen im Gewerbegebiet Döbeln-Ost 1 B haben die Oberflächentechnik Döbeln und die Metallveredlung Döbeln für Betriebserweiterungen genutzt. Nur die für den Bau der Biogasanlage blockierten 13 000 Quadratmeter sind noch nicht bebaut.

Die 41 Hektar Fläche im Gewerbegebiet Döbeln-Ost 1 A (stadtauswärts rechts) sind restlos ausgelastet. Im gegenüberliegenden Gewerbegebiet Döbeln-Ost 1 B sind die vorhandenen 47 Hektar Flächen nunmehr ebenfalls vollständig vermarktet.

Die Firma Partzsch Elektromotoren nutzt schon jede Restfläche aus, um sich zu erweitern, weil es an neuen freien Flächen fehlt.

Vor einem Jahr riss dem Döbelner Stadtrat der Geduldsfaden. Er beschloss die Rückabwicklung des Kaufvertrages für das Gelände der Biogasanlage einzuleiten.

Dirk Wurzel

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