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Industriemuseum Hartha kurz vor dem Abriss

Industriemuseum Hartha kurz vor dem Abriss

Für alles aus der Industrie des Altkreises Döbeln gab es in den letzten 14 Jahren einen Ort - das Industriemuseum in Hartha. Von gut 5000 Ausstellungsstücken ist nun nicht mehr viel geblieben: Bis auf eine Wäscherolle, eine Zigarrenrollmaschine, eine Nähmaschine und eine Telefonanlage.

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Karl-Heinz Enzmann vor einer Nähmaschine von 1979. Im Hintergrund steht eine Telefonanlage aus den 30er Jahren. Beide Gegenstände lassen sich noch immer in Betrieb setzen.

Quelle: K. Schultz

Hartha. Alle anderen Gegenstände sind in den letzten Monaten als Leihgabe 'rausgegeben wurden. Spätestens Ende März sollen die letzten Mauern des historischen Gebäudes fallen.

 

In einem beheizten Büroraum sortiert Karl-Heinz Enzmann historische Bücher. 14 Jahre lang waren sie seine Arbeitsgrundlage. Nun haben sie ausgedient. Außerhalb des Büros ist es eiskalt. Und sehr leer. Im Erdgeschoss ist gerade Martina Richter mit dem Besen zu Gange. Ein viertel Jahr lang haben Enzmann und Richter das alte Gebäude Tag für Tag besucht und ihm immer mehr seines Inhalts genommen.

Über ein gutes Jahrzehnt ist hier alles, was mit der Industriegeschichte der Region in Verbindung steht, untergekommen. Überbleibsel von etwa 200 Betrieben, vom Maschinenbau über die Textilindustrie bis zu Spielwaren.

Von 5000 Ausstellungsstücken, von denen 2300 katalogisiert waren, sind so gut wie alle in die Hände von entsprechenden Museen (unter anderem in die des Stadtmuseums in Waldheim), zu Vereinen (wie dem Heimatverein in Hartha) und an Betriebe gegangen. Unter letzteren sind neben der Firma Matec aus Döbeln die ansässigen Betriebe AL-KO Dämpfungstechnik und Pierburg. Bei Pierburg ist ein eigenes Museum für die übernommene Elektrotechnik in Planung. Bisher sei es ein buntes Sammelsurium, in welches man nun System bekommen wolle, hieß es von dem Maschinenbauunternehmen.

Auch interessierte Privatleute gab es genug: "Viele wollten Filetstücke haben, eine bestimmte Schreibmaschine oder eine gewisse Nähmaschine." Für Enzmann kam das jedoch nicht in Frage. "Wir haben versucht die Dinge geschlossen herauszugeben", erklärt der Döbelner. Überhaupt: "Es ist schade, dass die Sammlung in ihrer Geschlossenheit verloren geht", findet Enzmann, der seit Bestehen der Einrichtung, im Mai 1998, ehrenamtlich dafür zuständig ist. Die ersten Exponate des Museums stammten aus dem Traditionskabinett der ehemaligen Spindelfabrik in Hartha, bei der der 73-Jährige bis zu deren Konkurs beschäftigt war.

Über die Jahre sind immer mehr Gegenstände von Betrieben oder Privatpersonen in der Annenstraße 25 abgegeben und auf den 250 Quadratmetern ausgestellt worden.

Nur Besucher, die diese Stücke sehen wollten, gab es zuletzt immer weniger: Nicht mal 200 waren es im Vorjahr. "Die Klientel, die sich mit dem dargestellten identifiziert, verschwindet. Junge Leute interessieren sich dafür nicht mehr", meint Harthas Bürgermeister Gerald Herbst. Dennoch weiß auch Herbst, dass die Stücke, die das Museum in den letzten Jahres versammelte, Teil der Geschichte des Altkreises Döbelns sind: Es ist vorstellbar, dass die Stadt das Industriemuseum in Form von Sonderausstellungen in der Heimatstube eines Tages wieder aufleben lässt, zeitweise. Die Möglichkeit dazu hat sie sich jedenfalls offen gehalten: Alle Ausstellungsstücke sind mit Leihverträgen herausgegeben worden und damit immer noch Eigentum der Stadt.

Von wann das Gebäude selbst stammt, kann auch der geschichtsinteressierte Enzmann nicht sagen. Ursprünglich war es mal eine Zigarrenfabrik, in den 1930er Jahren Haus der Hitlerjugend. Seit über einem Jahr steht fest, dass das Gebäude weg muss: "Das Industriemuseum war musealer als die Ausstellungsstücke", formuliert es Gerald Herbst ironisch. "Ein Abriss ist längst überfällig." Spätestens Ende März soll es so weit sein.

Seit Freitag läuft das Vergabeverfahren für das Vorhaben. In der nächsten Woche dann soll sich entscheiden, welche Firma den Auftrag für den Abriss bekommt. Die dabei entstehende Freifläche soll wahrscheinlich nicht neu bebaut werden und Grünfläche bleiben.

Katharina Schultz

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