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Insolvenz für Tanzshow-Formation Döbeln abgelehnt

Insolvenz für Tanzshow-Formation Döbeln abgelehnt

Fast genau neun Monate ist es her, dass die Show-Tanz-Formation Döbeln beim Amtsgericht Chemnitz Insolvenz beantragt hat. Der einst größte Tanzverein der Stadt existiert noch immer auf dem Papier.

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Vom Eigentum des größten Tanzvereins der Stadt zum Sorgenkind: Das Tanzhaus sucht dringend einen neuen Besitzer.

Quelle: Sven Bartsch

Döbeln. Der letzte Vorstand muss sich bis heute um das vereinseigene Tanzhaus Central an der Bahnhofstraße in Döbeln kümmern. Die DAZ sprach mit Vereinsvorstand André Göritz.

Das stolze Tanzhaus, das mit viel Eigeninitiative der Vereinsmitglieder und staatlichen Fördermitteln entstanden ist, bietet geschlossen und ungenutzt ein trauriges Bild. Wie geht es jetzt weiter mit der Show-Tanz-Formation und dem schönen Gebäude?

André Göritz: Ich weiß es selbst noch nicht genau. Aber wir ehrenamtlichen Vorstände haben das Haus nach wie vor an der Backe und müssen uns kümmern. Auch wenn wir an der Insolvenz keine Schuld tragen oder haftbar sind, bleiben wir zumindest als Vorstand in der Verantwortung und müssen den Schaden begrenzen helfen.

Was ist seit dem Insolvenzantrag vom 18. Dezember 2012 und der Schließung passiert?

Nicht viel. Seit Mitte Januar war vom Gericht ein Insolvenzgutachter beauftragt. Monatelang arbeiteten wir zu, standen parat, wenn mal ein Mitarbeiter vor Ort war. Am Ende wurde das Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt, obwohl das Gebäude ja eigentlich einen Wert darstellt. Doch die aufwendige Arbeit damit will sich kein Insolvenzverwalter ans Bein binden.

Was heißt das für den Vorstand?

Wir sind zu Liquidatoren bestellt, bis es eine Verwertung für das Gebäude gibt. Wir sind allein gelassen und müssen mit den Gläubigern verhandeln, bis es eine Lösung gibt.

Wer sind die Gläubiger?

Die wichtigsten sind die VolksbankRaiffeisenbank Mittelsachsen als Kreditgeber und der Freistaat Sachsen wegen der Fördermittel, die in den Ausbau des Tanzhauses geflossen sind. Die Raiffeisenbank unterstützt uns übrigens auch nach Kräften, um die Sache zu einem guten Ende zu bringen.

Wie sieht ein gutes Ende aus?

Wir müssen einen neuen Eigentümer finden und das möglichst vor dem Winter. Denn ohne Strom und Heizung würde das Gebäude Schaden nehmen.

Gibt es Interessenten?

Durchaus. Es gibt Interessenten und gegenüber der Volksbank ein konkretes Angebot. Aber das Ganze ist noch zu unausgereift, um darüber zu reden. Ich hoffe auf eine schnelle und gute Lösung. Bis dahin ist der alte Vorstand in der Pflicht, das Tanzhaus zu verschließen und zu sichern.

Kann das Haus vermietet oder bis zu einer endgültigen Lösung genutzt werden, etwa für größere Familienfeiern?

Nein. Der Verein existiert noch als solcher und gilt als gemeinnützig. Wir bekämen Ärger mit dem Finanzamt, wenn wir das Haus nicht dem Vereinszweck entsprechend nutzen. Private Feiern, etwa über Gastronomen, bergen ebenso Gefahren für uns als ehrenamtliche Vorstände. Wir wären als Vorstände immer mit als Verantwortliche im Boot und müssten die Köpfe hinhalten, die Verkehrssicherungspflicht organisieren und so weiter. Und das für nichts und wieder nichts im Ehrenamt. Wir wollen das Tanzhaus gern und schnell in gute Hände bringen. Wer es dann nutzt und vielleicht damit Geld verdient, soll auch die Verantwortung für das Gebäude tragen. Die kann bei kommerzieller Nutzung ja nicht bei ehrenamtlich arbeitenden Vorständen bleiben.

Was würden sie als Vorstand der Show-Tanz-Formationen heute anders machen?

Ich würde mit dem Wissen von heute solch ein Ehrenamt gar nicht mehr übernehmen. Es hat mein ganzes Leben negativ verändert. Die ganze Familie engagierte sich, weil unsere Tochter mit Leidenschaft hier tanzte und wir etwas zurückgeben wollten. So lange alles läuft, wir Sponsor waren und es nichts kostete, waren alle mit uns. Doch sobald es Probleme und unpopuläre Entscheidungen gibt, weil man nicht ewig Löcher stopfen kann, stehst du ganz schnell allein da und nicht nur das: Die ganze Familie litt darunter, wurde angegriffen und mancher Mitstreiter von einst, wechselt heute die Straßenseite, wenn er uns sieht. Ich wäre die Verantwortung als Vorstand lieber heute als morgen los. Für dieses schöne Haus muss es aber zuvor eine Lösung geben.

Wie kam es zur Insolvenz?

Die Stadtwerke Döbeln hatten uns im Dezember 2012 angedroht, Strom und Gas abzudrehen, und das eigentlich wegen überschaubarer Außenstände. Wir Vorstände hatten da schon die Zeit seit unserem Amtsantritt unter größten Kraftanstrengungen versucht, Betriebskosten, Trainerhonorare und -löhne zu erwirtschaften und das vereinseigene Haus auf eine sichere ökonomische Basis zu stellen. Es gab darüber auch Streit und schwere Zerwürfnisse mit Eltern, Trainerinnen und Mitgliedern, wenn wir etwa das Haus für Veranstaltungen und Gesellschaften fremdvermietet haben, um Einnahmen für den laufenden Vereinsbetrieb zu erzielen. Denn das kollidierte am Freitagabend mit dem Trainingsplan der Mitglieder. Als wir Miese einfuhren, sollten Trainerhonorare moderat gekürzt und Mitgliedsbeiträge erhöht werden. Der Verein begann sich zu zerlegen. Statt Alternativlösungen zu suchen, es besser zu machen oder selbst mit Verantwortung zu übernehmen, begann eine Abwanderung der Mitglieder zu anderen Vereinen der Stadt. Mit einem wirtschaftlichen Zweckbetrieb und der Vermietung an Tanzschulen und Zumba versuchte die Show-Tanz-Formation nach diesem massiven Aderlass Einnahmen für das Tanzhaus zu erwirtschaften. Wir sorgten im Ehrenamt dafür, dass kleine Unternehmer in Sachen Tanzen im Tanzhaus ihre Existenz gründen konnten. Für den Verein als Besitzer des Hauses war finanziell dennoch alles auf Kante genäht. Mit etwas mehr Zeit hätten wir es vielleicht sogar geschafft, dass sich das Tanzhaus irgendwie trägt. Das schöne Gebäude und das Stadtbild hätten davon profitiert. Aber für uns ehrenamtliche Vorstände wäre das aus heutiger Sicht auch keine Dauerlösung gewesen.

Ihr Fazit?

Allein mit Kindern- und Jugendlichen und diesem Klientel angemessenen Beiträgen lässt sich so ein eigenes Vereinshaus auf Dauer nicht finanzieren. Denn so gute Bedingungen, professionelle und bezahlte Trainer, Ligabetrieb, Strom, Wärme, Spiegel und Parkett gibt es nicht zum Nulltarif. Es sei denn, man kann zaubern oder hat den reichen Erbonkel in der Hinterhand.

 

 

 

Im September 1991 schließen sich die Tänzer aus dem früheren Pionierhaus der Volkshochschule an. Die Mitgliederzahl steigt. Im Juni 1993 wird mit der Show-Tanz-Formation (STF) Döbelnein eigener Verein gegründet.

1998 kommt es auf Initiative der STF zur Gründung einer Landesliga Sachen/Thüringen im Modern Dance.

Der Verein hat 2001 knapp 250 Mitglieder in elf Tanzgruppen und drei Fitnessgruppen. Trainiert wird in den Sporthallen an der Friedrichstraße, in Döbeln-Nord und im Ballettsaal der Musikschule.

2001/02 wird mit viel Eigeninitiative und mit Unterstützung befreundeter Vereine sowie mit Fördermitteln das alte Kino "Central" zum Tanzhaus umgebaut. Die STF wird zum größten Tanzverein Döbelns. Allerdings müssen ab da auch 20 000 bis 30 000 Euro im Jahr für das eigene Haus erwirtschaftet werden.

Durch Streitereien innerhalb des Vereins kommt es zu Austritten. Es wechseln Trainerinnen und ganze Gruppen zu anderen Vereinen. Die Finanzprobleme wachsen weiter. Durch externe Vermietung hält sich der Verein mit dem Tanzhaus noch einige Jahre über Wasser bis zum Insolvenzantrag am 18. Dezember 2012.

 

 

Interview: Thomas Sparrer

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