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Internationaler Malertrupp am Bauwagen Klosterbuch

Bunte Truppe Internationaler Malertrupp am Bauwagen Klosterbuch

Manchmal führen die pragmatischen Dinge die Menschen zusammen. Ein gemeinsames Essen zuzubereiten zum Beispiel oder einen alten Bauwagen herzurichten. Letzteres geschieht gerade in Klosterbuch. Für den Auftakt fanden sich junge Leute aus sechs Nationen zusammen. Allein die sprachliche Verständigung ist ein Abenteuer, aber kein hinderliches.

Internationale Malertruppe in Klosterbuch: Bauwagen bekommt frischen Anstrich.

Quelle: Steffi Robak

Klosterbuch. Bei einem jüngsten Besuch von Absolventen und Lehrern einer Missionsschule in Norwegen fällt der Startschuss für das Bauwagen-Projekt. Mit Katharina Blaschke ist es die Nichte von Professor Peter Rentsch, der sich in den ersten Jahren nach der Wende mit um das Kloster Buch kümmerte und dem Ort sehr verbunden war. Zusammen mit ihrem Mann David und den drei Kindern nehme sie gern eine Auszeit in dem Ort. In Dresden gehört die Familie einer freikirchlichen Gemeinde an, pflegt deshalb Kontakt zu der norwegischen Missionsschule – auf diesen verschlungenen Wegen kam zuletzt die international zusammengewürfelte Malertruppe zustande – zudem so manche Runde an der langen Tafel unter freiem Himmel.

Von der Kinderarbeit zur Freizeitbeschäftigung

Als Erstes soll nun der Bauwagen einen frischen Anstrich bekommen. Ob dabei jemand aus Norwegen oder Schweden, aus Deutschland oder Syrien, aus Mexiko oder Brasilien stammt – mit Farbeimer und Pinsel in der Hand sind alle gleich. Der Außenanstrich ist der erste Schritt eines Vorhabens der sechs unbegleitet reisenden Asylsuchenden, die in der Pflegefamilie Pohl in Klosterbuch leben: Der Bauwagenausbau bietet ihnen neben dem Unterricht in der Berufsschule ein handwerkliches Betätigungsfeld – als Freizeitbeschäftigung.

Das ist für die Jugendlichen neu. Sie mussten schon sehr früh mit eigener Hände Arbeit zum Lebensunterhalt ihrer Familien beitragen. Anders als in Deutschland - weil Kinderarbeit hier verboten ist - arbeiteten sie teils schon als kleine Kinder zusammen mit der Mutter auf der Obstplantage oder mit Vater und Onkel als Hilfskräfte auf Baustellen.

Supermarkt oder Baustelle, aber mit Ausbildung

Sowohl der 16-jährige Rahman aus Afghanistan als auch der fast 18-jährige Abdalla aus Syrien berichten von derartigen Episoden in ihrem Leben. Auf der Schulbank zu sitzen und zu lernen, fällt schwer, auch wenn sie wissen, dass ihre Zukunft nicht unwesentlich davon abhängt. Abdalla weiß die Chance zu schätzen, eine Ausbildung beginnen zu können. Nach seinem Wunschberuf gefragt, sagt er mit strahlenden Augen, er würde gern Lehrer sein und Sprachen unterrichten, Deutsch zum Beispiel. Er weiß aber, dass er dafür viel zu viel in kurzer Zeit aufholen müsste und das eigentlich unmöglich ist. In einem Supermarkt würde er gern arbeiten oder auf dem Bau, dafür aber unbedingt vorher die nötige Ausbildung erfolgreich abschließen, damit er sich ordentlich bewerben kann.

Zukunft hängt ab von der Leistungsbereitschaft

Der Weg dahin ist lang. Abdallas nächstes Ziel ist, an der Döbelner Berufsschule das aktuelle Schuljahr in der DAZ-Klasse (Deutsch als Zweitsprache) erfolgreich zu beenden. Schafft er das, kann er in eine Regelklasse wechseln. Bei ihm tickt die Uhr: Mit dem vollendeten 18. Lebensjahr endet seine Berufsschulpflicht. Ab dann hängt es um so mehr von seiner Leistungsbereitschaft und den tatsächlichen Leistungen ab, ob er eines Tages einen Ausbildungsberuf ergreifen kann.

In Klosterbuch, wo Abdalla mit fünf weiteren Jungen seines Alters derzeit lebt, ist das zwar nur am Rande ein Thema, wenn auch ein wichtiges. Für ihren Bauwagen, den im Übrigen die Stadtverwaltung Leisnig zur Verfügung gestellt hat, haben manche der Jungs bereits konkrete Pläne. Tapete muss auf jeden Fall innen an die Wänden. In einem der Räume würden sie gern noch zwei zusätzliche Fenster einbauen, damit von allen Seiten Licht herein kann. Es gibt viel zu tun. Vor allem müssen die jungen Männer lernen, sich zu verständigen, auch zusammenzuraufen. Auch untereinander verständigen sie sich mehr oder weniger auf Umwegen: Manche sprechen Arabisch, manche Persisch, andere etwas Türkisch...

Ein Projekt im Aktionsplan „Toleranz ist ein Kinderspiel“

Das Klosterbucher Projekt „Wir lernen, miteinander zu leben“, angesiedelt beim Verein Be-Greifen, ordnet sich ein in den Lokalen Aktionsplan „Toleranz ist ein Kinderspiel“ des Landkreises Mittelsachsen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Mittelsachsen sollen in allen Lebensbereichen die demokratische Kultur aktiv mitgestalten. Seit fünf Jahren ist der Verein Be-Greifen mit wechselnden Projekten aktiver Bestandteil dieses Aktionsplans. In dessen Rahmen sollen lokale Bündnisse gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entwickelt und durch stabile Kommunikationsstrukturen gefestigt werden. Finanziert werden die Projekte aus Mitteln des Bundes sowie des Freistaates Sachsen.

Von Steffi Robak

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