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Döbeln Interview mit Christian Senftleben: "Parteibuch draußen lassen"
Region Döbeln Interview mit Christian Senftleben: "Parteibuch draußen lassen"
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21:33 16.02.2012

Er leitet noch immer seinen Malerbetrieb in Döbeln, sitzt für die CDU in Roßweins Stadtrat und pflegt sein Haus in Naußlitz. Im Gespräch erzählt er über die Zukunft seiner Firma, warum er stolz auf Roßweins Politik ist und wieso trotz einer 2,40 Meter hohen Statue von ihm ein Blatt Papier sein schönstes Geburtstagsgeschenk war.

Frage: Herr Senftleben, nachträglich noch alle Gute zum 60. Haben Sie ordentlich gefeiert?

Christian Senftleben: Ja, es war eine tolle Feier mit Verwandtschaft, Freunden und Händlern. Wir haben alle mit einmal ins Volkshaus Döbeln eingeladen. Ich wollte nicht mehrmals feiern.

Wie geht es Ihnen denn mit 60 Jahren?

Wenn man älter wird, geht jedes Jahr schneller vorbei. Das liegt aber auch daran, dass heute vieles in Hektik erledigt wird. Es herrscht mehr Druck und Zeitvorgaben, die eingehalten werden müssen. Aber ich stehe nach wie vor dreiviertel fünf auf und gehe dreiviertel sechs in die Firma. So lange das so bleibt, macht es weiter Spaß. Es gibt aber auch Tage, an denen es hart an der Grenze ist.

So wie heute? Wir mussten unser Gespräch verschieben, weil zwei neue Maschinen kaputt gegangen sind.

Ja, da macht es weniger Spaß. Das sind keine drei Monate alte Spezialgeräte, nichts aus dem Baumarkt, wo ich sie leicht umtauschen könnte. Aber da heben die Händler die Hände über dem Kopf und sagen, morgen oder übermorgen kommen wir. Das ist nur schlecht, wenn man Arbeit zu erledigen hat. Zum Glück konnten wir das Problem beheben lassen.

Klingt fast nach DDR-Zeit, als Sie als Maler anfingen. Da fehlte es auch an allen Ecken und Enden.

Stimmt, aber da gab es auch Ausnahmen. Meinen Handwerksmeister habe ich im thüringischen Holzdorf gemacht. Da wurde ein kleines Schloss von der Denkmalpflege saniert, da durften wir sogar mit echtem Blattgold arbeiten. Aus der Erfahrung habe ich viel behalten. Das hat bei der Sanierung der Kirchen in Roßwein, Döbeln und Hartha sehr geholfen. Da hatten wir mit Materialien zu tun, die manch einer gar nicht kannte.

Nach der Wende haben Sie Ihren Betrieb auf Kurs gehalten. Wie lange wollen Sie noch weitermachen ?

Ich denke, dass ich bis 65 weiterarbeiten werde. Die Übergabe an meinen Sohn Heiko ist ja schon eingeleitet. Er hat auch seinen Meisterbrief und übernimmt schon viele Arbeiten im Büro. Wenn er sagt, jetzt mache ich es ganz, dann gebe ich die Leitung auch gern ab.

Gibt es denn auch schon eine dritte Generation Senftlebens, die den Betrieb später weiterführen könnte?

Ja, mein Enkel Linus ist zwei Jahre alt, der hat noch etwas Zeit (lacht). Meine Enkelin Laura (7) wird hoffentlich etwas anderes lernen, denn der Beruf ist für Frauen körperlich kaum durchzustehen. Sie ist sehr intelligent, sie hat mir auch das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht, als sie mir ihr Schulzeugnis gezeigt hat.

Ein anderes ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk haben Sie in der Lagerhalle stehen...

Sie meinen die Holzstatue?

Genau, ein Riesenklotz.

Ja, die ist 2,40 Meter hoch und aus einem Eichenstamm gesägt. Die haben Rico Hegewald, Erich und Wolfram Lommatzsch für mich besorgt. Maik Müller aus Mittweida hat sie hergestellt. Die stand im Volkshaus so in der Ecke, da hab ich sie gar nicht gleich gesehen. Die wiegt elf Zentner, mal sehen wie wir sie in den Ausstellungsraum bekommen.

Da hat man Ihnen quasi ein Denkmal zu Lebzeiten gesetzt. Was möchten Sie denn noch erreichen? Sie sind ja auch politisch aktiv.

Ich bin 1994 in Haßlau mit der Maßgabe in den Ortschaftsrat gegangen, etwas zu bewegen. Als wir mit Roßwein zusammengingen, habe ich das im Stadtrat weiter verfolgt. Ich denke, der Ausbau des Weges zur Margarethenmühle hinunter war ein großer Erfolg. Darum haben wir lange gekämpft. Auch das Feuerwehrhaus in Haßlau ist saniert. Da habe ich auch mal mit der Firma die Gerüste gesponsert.

In Roßwein stehen mit der Mittelschule und den Staatsstraßen große Investitionen bevor. Sind Sie stolz, dass Sie dabei mitwirken konnten?

Wenn ich mal in gesetztem Alter bin und beides ist saniert, dann bin ich stolz. Wichtig bei der Arbeit im Stadtrat ist, dass man nicht vergisst, dass man Bürger vertritt und keine Parteien. Wenn es Querelen gab, habe ich oft gesagt, man soll das Parteibuch vor der Sitzung draußen lassen.

Zum Schluss eine obligatorische Frage zu einem runden Geburtstag: Sind Sie zufrieden, so wie Ihr Leben bislang verlaufen ist?

Ich habe eine intakte Familie. Das ist immer das Wichtigste. Mit der Familie möchte ich noch möglichst viel Zeit verbringen. Jetzt, wo mein Sohn viel Arbeit übernimmt, kann ich auch mal zehn Tage am Stück wegfahren, wobei die Gesellen schon immer 30 Tage Urlaub haben (lacht wieder). Und viele gute Freunde, möchte ich nicht vergessen.

...die Ihnen eine 500 Kilo schwere Holzstatue schenken.

...genau, die Verrückten (grinst).

Interview:

Sebastian Fink

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