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„Intrigenspiel“: Unternehmerpaar klagt gegen Wohnbau Hartha GmbH

Streit um Fernwärme „Intrigenspiel“: Unternehmerpaar klagt gegen Wohnbau Hartha GmbH

Christian Farmbauer nannte Bürgermeister Ronald Kunze einen „Intrigenspieler“, jetzt landete der Fall vor Gericht: Weil sie die Grundgebühr der Fernwärmeversorgung als zu hoch empfanden verlangten Manuela und Christian Farmbauer ein Entgegenkommen der Wohnbau Hartha GmbH. Doch die beharrt auf ihren Standpunkt.

Christian und Manuela Farmbauer haben den Kampf gegen die Wohnbau Hartha GmbH verloren. Weil sie die Fernwärme-Grundgebühr für ihre Immobilie, das ehemalige Hotel Saturn in Hartha, angeglichen haben wollten, zogen sie vor Gericht. Den Rechtsstreit verlor das Ehepaar.

Quelle: Sven Bartsch

Hartha. Ein S

Die Fernwärme wird vom Heizhaus der Wohnbau Hartha geliefert. Rund 435 Euro Grundgebühr zahlt das Ehepaar Farmbauer für das Objekt monatlich, zuzüglich des Verbrauchs. Das entspricht einem Grundverbrauch von 103 Kilowattstunden (kW/h). Weil die Eigentümer den Betrag als zu hoch empfinden, suchten sie das Gespräch mit der Wohnbau Hartha. „Als wir den Vertrag abgeschlossen haben, wurde vereinbart, nach einem Jahr zu schauen, was unser tatsächlicher Verbrauch ist“, erklärt Manuela Farmbauer. „Wir verbauchen in einem Jahr gerade einmal 34 kW/h und wollten demnach die Grundgebühr angleichen. Davon wollte die Wohnbau Hartha nichts wissen“, so die Eigentümerin.

Grundgebühr nicht gleich Verbrauch

Die rechtliche Grundlage ist eindeutig: Den Wärmebedarf errechnet ein Fachmann unter Einbeziehung der Heizungsanlage und dem zu beheizbaren Objekt. Die Farmbauers übermittelten ihren Wert an die Wohnbau Hartha , die danach die Grundgebühr berechnete. Der letztendliche Verbrauch ist noch einmal ein ganz anderer – zusätzlicher – Faktor und besteht unabhängig zur Grundgebühr. Ein Anpassen der Grundgebühr aufgrund des tatsächlichen Verbrauchs, wie es sich Familie Farmbauer wünscht, ist demnach gar nicht möglich. „Um die Grundgebühr anzugleichen, müssen unter anderem bauliche Veränderungen an der Heizungsanlage im Objekt vorgenommen werden“, erklärt Marco Prüfer, Geschäftsführer der Wohnbau Hartha.

Der Vertrag mit der Wohnbau Hartha endete zum 31. Dezember 2015. „Sie waren noch so kulant, uns den Strom nicht abzustellen, so dass wir für die ersten drei kalten Monate im neuen Jahr eine Heizung hatten“, erklärt Manuela Farmbauer. Seit dem 1. April dieses Jahres nutzen die Farmbauers die Heizung nicht mehr. Die monatliche Grundgebühr von 435 Euro zahlen sie trotzdem. „Die Wohnbau Hartha stellt bis heute die Fernwärme zur Verfügung. Ob Frau Farmbauer die Heizung aufdreht oder nicht, ist dabei unerheblich. Wir stellen die Wärme ja trotzdem zur Verfügung“, so Prüfer weiter. Der Vertrag läuft fortlaufend auf Grundlage des ursprünglich abgeschlossenen Vertrages weiter – bis zum Beschluss durch das Landgericht.

Weil kein gemeinsamer Nenner gefunden wurde, zogen die Farmbauers vor Gericht. Eine Einigung blieb aus, auch wenn es ein Vergleichsangebot vom zuständigen Richter gab. „Der Richter schlug vor, den Grundverbrauch von 103 auf 50 kW/h zu senken“, so Christian Farmbauer. Die Wohnbau Hartha war damit nicht einverstanden. „Wir sind nicht auf das Angebot eingegangen, denn die Differenz und die damit offen bleibenden Kosten hätten wir kompensieren müssen – auf Kosten anderer Einrichtungen und Fernwärme-Abnehmer“, weiß Marco Prüfer. Die Wärmebedarfsrechnung für die Immobilie der Farmbauers liegt bis heute unverändert vor und ist für die Wohnbau Hartha die einzige geltende Berechnungsgrundlage. Ein Urteil ist schließlich am 30. September gefallen: Die Wohnbau Hartha handelt rechtens, die Klage wurde abgewiesen.

Ehemaliges Hotel Saturn steht zum Verkauf

Manuela und Christian Farmbauer fühlen sich ungerecht behandelt. Zur jüngsten Stadtratssitzung äußerten sie ihren Unmut, nannten Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos) einen „Intrigenspieler“. Das Stadtoberhaupt sitzt im Aufsichtsrat der Wohnbau Hartha GmbH, kann über konkrete Geschäfte und Vorgänge jedoch keine Auskunft geben. Die Konsequenz für das Ehepaar Farmbauer, die ursprünglich aus Bayern stammen, ist deutlich: „Zur Zeit steht unser Objekt zum Verkauf. Sollte sich jemand dafür finden, werden wir Hartha verlassen.“ Ein anderes Objekt haben sie schon im Auge, allerdings in Waldheim. „Wenn in Hartha so mit Gewerbetreibenden umgegangen wird, dann wollen wir hier nicht leben“, betont Christian Farmbauer. Expansionspläne wurden auf Eis gelegt.

Am vergangenen Donnerstag berief die Wohnbau Hartha eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung ein. Dort wurde nach einer Lösung gesucht und folgendes Angebot an das Ehepaar Farmbauer erarbeitet: Reichen sie eine qualifizierte Wärmebedarfsrechnung ein, wird die Grundgebühr neu berechnet. Dafür sind vorher allerdings auch gebäudetechnische Umbauten im Objekt nötig. Die Farmbauers haben sich jetzt dazu entschlossen, den Kampf aufzugeben. „Wir werden die Fernwärme der Wohnbau Hartha nicht mehr nutzen. Ich habe so eben den Auftrag zum Bau einer Gasheizung vergeben“, sagt Christian Farmbauer. Die Wohnbau Hartha stellt die Fernwärmeversorgung zum 30. November dieses Jahres ein, sollte das Ehepaar Farmbauer bis dahin nicht das erneute Angebot annehmen.

Von Stephanie Helm

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