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Islandpferde-Hof Zweinig: Sanftes Gleiten auf vier Hufen

Bei Roßwein Islandpferde-Hof Zweinig: Sanftes Gleiten auf vier Hufen

Anina Winkes (49) ist passionierte Islandpferde-Trainerin. Auf Sachsens bestem Islandpferdehof in Zweinig bei Roßwein bringt sie vom Kind bis zum Rentner jedem das Reiten auf den kleinen, aber kräftigen und ausdauernden Tieren bei. Denn deren berühmte Gangart Tölt schont den Rücken des Reiters.

Anina Winkes (49) ist passionierte Islandpferde-Trainerin.
 

Quelle: Sven Bartsch

Zweinig.  Zu Ofelia muss ein erwachsener Besucher nicht aufschauen. Man begegnet der neunjährigen Islandstute im Stall des Islandpferdehofs Zweinig auf Augenhöhe. „In Deutschland werden sie mit ihrer Schulterhöhe von 1,35 bis 1,40 Meter als Pony gewertet. Aber sie sind ein kräftiger Pferdetyp, der auch Erwachsene bis 90 Kilo trägt“, erklärt Anina Winkes. Die Wolfsburgerin, die seit zwei Jahren in hier arbeitet, kümmert sich rührend um die in Zweinig geborene Stute, die bei Turnieren in der höchsten Leistungsklasse startet. Striegeln, Kämmen, Leckerlis und Tätschler verteilen – Ofelia genießt die Fürsorge und bleibt brav an einem Fleck stehen.

Kurz darauf sind Island-Ross und Reiterin schon draußen auf dem Rundkurs des Hofes unterwegs. Immer mit dabei: Border Collie Indi. Die 13-jährige Hütehündin ist immer noch erstaunlich gut auf den Pfoten und rennt neben der Bahn im Volltempo auf und ab. Es ist furchtbar kalt für einen Maitag und umso schneller läuft Ofelia um den Parcours. Dabei lässt sie die Hufe ordentlich fliegen. Anina Winkes bekommt davon im Sattel nur wenig mit. Im Gegensatz zu Trab oder Galopp geht es für den Reiter beim Tölt, den nur die Islandpferde beherrschen, kaum auf und ab. Stattdessen gleicht das Pferd seine Bewegungen durch raumgreifende Schritte aus und hält den Rücken dabei ruhig und gerade. „Sie ist ein Spitzentölter. Das ist wirklich bequem für den Reiter, fast erschütterungsfrei“, schwärmt Anina Winkes. Allen Island-Pferde liegt diese Gangart von Natur aus im Blut, doch Ofelia hat ein besonderes Talent dafür.

Am kommenden Wochenende, wenn in Zweinig an beiden Tagen ein hochkarätiges Turnier mit Reitern aus sechs Bundesländern startet, reiten Anina Winkes und Ofelia jedoch nicht zusammen. Die 49-Jährige ist einerseits als Kampfrichterin im Einsatz, andererseits präsentiert sie zwei Jungtiere aus der Zweiniger Zucht von Hofleiter Jochen Heft. Diese dürfen dann zum ersten Mal zeigen, was sie können und sollen dadurch interessant für künftige Besitzer werden.

Geritten werden verschiedene Prüfungen in allen Leistungsklassen. „Schwerpunktmäßig geht es um Tölt, aber auch Schritt, Trab und Galopp werden gezeigt“, erklärt Winkes. Selbst Sprungprüfungen gibt es für die kleinen Pferde. „Aber nur untereinander, sonst wären sie nicht konkurrenzfähig“, sagt die Trainerin und lacht.

Neben der Gangart machen auch das ruhige Gemüt und der sanftmütige Charakter die Islandpferde zu perfekten Einsteigerpferden für Kinder und Erwachsene, die noch reiten lernen wollen. Anina Winkes selbst hat mit sechs Jahren auf einem Island-Pferd angefangen zu reiten. „Ich habe wohl zu viele Pferdebücher vom Opa geschenkt gekriegt. Er war der einzige Reiter in unserer Familie“, erzählt sie und lacht wieder. Seit dem ersten Ritt ist sie nicht mehr von den gutmütigen Tieren losgekommen. „Als Jugendliche hatte ich einen kurzen Ausflug auf einem Warmblut, aber da hat mir der Tölt gefehlt. Und auch der Charakter hat mir nicht so gut gefallen“, erzählt sie. Vor zehn Jahren hat sie schon einmal auf dem Islandpferdehof Zweinig gearbeitet. Ihr Ehemann hatte damals einen Job in Dresden, ist heute wieder in der Wolfsburger Heimat. Doch noch wenigstens die nächsten drei bis fünf Jahre will Anina Winkes die Pendelei auf sich nehmen.

Schließlich arbeitet sie auf einem der bundesweit angesehensten Höfe für Islandpferdezucht und -ausbildung. Die Fachzeitschrift Cavallo hatte erst in ihrer Juli-Ausgabe 2016 den Zweinigern in Sachen Unterricht und Ausbildung die volle Punktzahl gegeben – so etwas wie drei Sterne im Guide Michelin. „Damit haben wir als Beste in Sachsen abgeschlossen und auch in ganz Deutschland bekommen nicht viele die volle Punktzahl“, sagt Winkes stolz.

Dementsprechend beliebt ist der Unterricht bei ihr. „Ich kann im Augenblick keine Schüler mehr annehmen. Ich habe nur sechs Schulpferde. Es gibt aber eine Warteliste“, sagt sie. Dazu reitet sie Pferde von Besitzern aus ganz Deutschland ein.

Der Hof, der seit Beginn des 20. Jahrhunderts im Besitz von Familie Heft war, wurde 1990 von den Nachkommen zurückgekauft und von Jochen Heft eine Islandpferdezucht aufgebaut. „Er hatte über Kontakt zur Familie im Westen von Islandpferden erfahren. 1991 kam das erste Pferd“, erzählt Anina Winkes. Heute leben 70 Pferde auf dem Hof – etwa 30 davon werden bei Turnieren geritten und dürfen sich aussuchen, ob sie im Stall oder auf der Weide stehen wollen. 40 Jungstuten und Fohlen befinden sich in der Aufzucht. Sie bleiben ganzjährig auf dem weitläufigen Weideland des Hofes.

Wer die Idylle auf dem Hof selbst erleben möchte, hat dazu am Sonnabend und Sonntag, 20./21. Mai Gelegenheit. Rund 100 Starter sind ab 9 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Von Sebastian Fink

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