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Döbeln Jahnaer stimmen Tierheim Ostrau als Gnadenhofbetreiber zu
Region Döbeln Jahnaer stimmen Tierheim Ostrau als Gnadenhofbetreiber zu
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13:49 11.03.2018
Auf diesem Gelände soll der Gnadenhof in Jahna tiergereicht eingerichtet werden. Quelle: Sven Bartsch
Jahna

Das Landratsamt als Genehmigungsbehörde hatte die Meinung des Rates zum Nutzungsantrag des Tierheims angefragt.

Das Konzept sieht vor, zwei vorhandene Flachbauten als rundum geschlossene Zwinger zu ertüchtigen, in denen die Hunde nachts und in den Mittagsstunden an den Wochenenden gehalten werden sollen. Tierheim-Mitarbeiterin Yvonne Jasinski zieht in das Gebäude ein und kümmert sich rund um die Uhr um die Tiere. Doch es gibt eine Bedingung für die Zustimmung: Die Nutzung des Geländes wird an das Tierheim als Betreiber gekoppelt. Ob dies rechtlich möglich ist, muss Ostraus Bürgermeister Dirk Schilling (CDU), der den Abend moderierte, allerdings erst in Erfahrung bringen.

Bis es überhaupt zu dieser Einigung kam, bei der von 28 Jahnaern fünf gegen das Vorhaben stimmten, wurde zweieinhalb Stunden lebhaft debattiert. Das Vereinshaus des Dorf- und Heimatvereins war gut gefüllt.

Einige wohnen direkt neben dem Hundegnadenhof. Sie haben zehn Jahre lang Hundegebell ertragen müssen - am Wochenende in aller Frühe, beim Kaffeetrinken, beim Entspannen im Garten.

Fragerunde der Einwohner

Dementsprechend aufgeladen war die Stimmung, als es zur Fragerunde durch die Anwohner kam. Dabei ging es zunächst um technische Fragen nach Ruhe- und Auslaufzeiten. „Arbeitsbeginn in der Woche ist 7.30 Uhr, am Wochenende 8.30 Uhr. Dann werden die Hunde nach und nach herausgelassen“, erklärte Tierschutzvereinschef Mario Becker. Mindestens an den Wochenenden werde auch eine Mittagsruhe eingehalten. Weitere Zeiten würden mit der Gemeinde abgestimmt.

Becker betonte zudem, dass der Hof erst eröffnet werden solle, wenn baulich alles tierschutzgerecht hergerichtet sei. Tierheimleiterin Marlies Przybilla fügte hinzu, dass derzeit ohnehin nur drei Hunde im Tierheim für den Hof in Frage kämen und eine volle Auslastung der 15 Plätze nicht das Ziel sei. „Wir tun das aus einem Tierschutzgedanken heraus. Und wir wollen es mit Ihnen zusammen machen und wir brauchen Sie auch“, appellierte sie an die Runde.

Bedenken bei Mietvertrag

Dennoch gab es einige Anwohner, denen die jahrelange Lärmbelästigung derart zugesetzt hatte, dass sie einen Hundegnadenhof gleich welchen Betreibers nicht mehr wollen. „Warum müssen wieder Hunde hier her?“, fragte Reinhard Ulbrich und meinte: „Bringt etwas anderes her, Katzen, Ziegen, Schafe, aber das Theater mit den Hunden hatten wir lange genug.“ Auch Peer Leithold wollte sich nicht überzeugen lassen.

Allerdings nicht, weil er gegen die Arbeit des Tierheims sei, wie er betonte, sondern weil er dem Grundbesitzer Eberhard Weise nicht traue. Weise soll das Gelände ans Tierheim vermieten, welches wiederum die Nutzungsänderung vom Wohnhaus auf einen Gnadenhof beim Landratsamt beantragt. Leithold, der Weise durch den Ärger mit dem illegalen Gnadenhof seit Jahren kennt, befürchtet, dass der Besitzer das Tierheim nach kurzer Zeit wieder aus dem Mietvertrag kündigen könnte, um einen fremden Betreiber aufs Gelände zu holen - dann mit offizieller Genehmigung. „Ich befürchte, dass Sie benutzt werden“, sagte Leithold.

Tatsächlich konnte Mario Becker keine feste Vertragslaufzeit mit dem Besitzer garantieren. 10 Jahre würden allerdings in den Verhandlungen angestrebt. Und Marlies Przybilla bestätigte, dass die Deutsche Tierschutzliga bereits mit fertigen Nutzungsplänen bei ihr vorgesprochen habe. Diese habe eine Nutzung mit 30 bis 40 Hunden angestrebt.

Auflagen einhalten

Dirk Schilling verwies darauf, dass die einmal festgeschriebenen Auflagen für jeden Betreiber gelten würden. Gemeinderatsmitglied Jens Vogt äußerte jedoch sein Misstrauen gegenüber der Durchsetzung der Auflagen durch den Landkreis und erntete allgemeine Zustimmung. Daraufhin schlug Peer Leithold vor, das Ansinnen zunächst abzulehnen, um erst auf das Angebot des Tierheims zurückzukommen, wenn es einen anderen Interessenten gäbe. Dies lehnten die Tierheimbetreiber jedoch ab.

Lena Kühling brachte schließlich den Vorschlag, der zur mehrheitlichen Einigung führte: „Kann es festgeschriebene Nebenbedingungen geben, die nur gelten, so lange das Tierheim es nutzt?“, wollte sie wissen. Ähnliches sei im Gewerberecht möglich, entgegnete Schilling. Bis kommende Woche solle das geprüft werden.

Rico Buberek brachte es kurz vor der Abstimmung auf den Punkt: „Wir können jetzt zustimmen und haben die Chance, dass es mit dem Tierheim ruhiger wird oder wir lehnen ab und haben ein Jahr Ruhe. Und dann geht es wieder von vorn los.“ Das Fazit des Abends konnte auch lauten: Die Angst vor einem fremden, unkontrollierbaren Nutzer der Anlage war größer als die Hoffnung darauf, dass hier dauerhaft kein neuer Betreiber mit Hunden einzieht.

Von Sebastian Fink

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