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Jugendgericht gnadenlos: Kiffer aus Döbeln soll in den Knast

Justiz Jugendgericht gnadenlos: Kiffer aus Döbeln soll in den Knast

Im Jugendgericht wird doch bloß „Dudu“ gemacht und mit dem Finger gewunken. Da gibt es höchstens mal Arbeitsstunden. Von wegen. Relativ gnadenlos zeigte sich jetzt das Jugendschöffengericht des Amtsgerichtes Döbeln. Ein nunmehr 20-Jähriger soll nämlich ins Gefängnis.

Bewährung oder nicht? Diese Frage stellte sich jüngst dem Jugendschöffengericht im Amtsgericht Döbeln im Falle eines 20-Jährigen aus Döbeln.

Quelle: dpa

Döbeln. Eine richtig böse Weihnachtsüberraschung erlebte ein 40-jähriger Ladendetektiv am 23. Dezember 2016 im Netto an der Unnaer Straße. Er bekam ordentlich Pfefferspray ins Gesicht, als er einen Ladendieb nicht nur beim Stehlen einer Tafel Rittersport erwischt, sondern auch Drogen in dessen Rucksack gesehen hatte. Der Mann wollte daraufhin die Polizei holen, da sich der Ertappte zudem weigerte, seine Personalien anzugeben. Zum Telefonieren kam der Detektiv aber nicht. „Ich war plötzlich blind, da ist mir das Handy runter gefallen“, sagte er nun als Zeuge im Prozess vorm Jugendschöffengericht.

Verhängnisvolle Ehrlichkeit

Vor diesem hatte die Staatsanwaltschaft Chemnitz einen 20-jährigen Döbelner angeklagt, der dem Ladenhüter die böse Weihnachtsüberraschung beschert haben soll: Diebstahl mit Waffen, weil er beim Entwenden der Schokolade das Pfefferspray einstecken hatte; gefährliche Körperverletzung, weil er es gegen den Detektiv einsetzte und noch ein Drogenverbrechen legte Staatsanwalt Marek Ressel dem jungen Mann zur Last. Die Aussage des Sicherheitsmannes aus dem Netto hatte die Polizei veranlasst, dem Drogenverdacht nachzugehen. Mit richterlichem Beschluss durchsuchten die Beamten zwei Monate nach dem Vorfall im Netto die Wohnung des Angeklagten in Döbeln. Rund 300 Gramm Marihuana und Haschisch mit einem Wirkstoffgehalt von 35 Gramm sowie noch einen kleinen Klecks Kokain fanden die Beamten. Bei den Cannabis-Produkten ist die geringe Menge fast um das fünffache überschritten, das macht ihren Besitz zum Verbrechen. Für Erwachsene sieht das Betäubungsmittelgesetz eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr vor. Der Angeklagte räumte die Tatvorwürfe ein. Und schilderte, wie er nach dem Vorfall eine Entgiftung in einer Suchtklinik absolviert hatte, an die sich aber keine Langzeittherapie angeschlossen hatte. Die Frage nach seinem aktuellen Drogenkonsum beantwortete er ehrlich, gab an, am Wochenende ab und zu mal einen Joint zu rauchen. „Aber bei weitem nicht mehr die Mengen, wie früher.“ Diese Ehrlichkeit sollte ihm später noch auf die Füße fallen.

Justitia bisher nur winken gesehen

„Der Angeklagte hat mit den Drogen gehandelt, dafür spricht die große Menge an Betäubungsmitteln und die Feinwaage“, sagte Staatsanwalt Ressel. Er beantragte anderthalb Jahre Haft. Ohne Bewährung. „Der Angeklagte hat keine Arbeit, keine Ausbildung, keine sozialen Bindungen. Er sagt selber, dass er noch konsumiert. Da ist zu erwarten, dass er weitere Btm-Delikte begeht“, begründete der Anklagevertreter, weshalb er dem 20 Jährigen keine günstige Sozial- und Kriminalprognose ausstellen kann. „Da muss sich mein Mandant denken, das hat man davon, wenn man ehrlich ist“, erwiderte Rechtsanwalt Thomas H. Fischer, der den jungen Mann verteidigte. In einem weitschweifigen Plädoyer begründete er auch, weshalb sein Mandant nicht mit den Drogen gehandelt habe. „Da fehlen Verkaufsabsprachen per SMS oder Whatsapp, ja selbst Verkaufsbemühungen sind nicht zu erkennen.“ Verteidiger Fischer beantragte eine milde Sanktion nach Jugendstrafrecht.

Das Gericht sah letztlich auch keinen Drogenhandel. Es verurteilte den Angeklagten aber sonst wie angeklagt zu 14 Monaten Jugendhaft ohne Bewährung. „Da ist die magische Grenze von einem Jahr überschritten und man besondere Umstände für eine Bewährung prüfen. Da haben wir erhebliche Bedenken“, begründete Richterin Marion Marion Zöllner, die Vorsitzende des Jugendschöffengerichtes, dessen Urteil. Für den jungen Mann ist das recht hart. Bisher hat er lediglich Justitias erhobenen Zeigefinger gesehen. Entweder sah der Staatsanwalt von der Verfolgung ab (Drogenvergehen, fahrlässige Körperverletzung) oder das Gericht stellte die Verfahren (zweimal Diebstahl) nach Jugendrecht ein. Das aktuelle Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Dirk Wurzel

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