Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Jugendliche drehen Heimatfilme
Region Döbeln Jugendliche drehen Heimatfilme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:48 14.08.2014
Der richtige Dreh im Museum: Mit einem Filmprojekt des Treibhaus-Vereins nähern sich junge Leute dem Thema Heimat an. Quelle: Sven Bartsch

Stephan Conrad, Sozialarbeiter im Treibhaus-Verein und Erforscher des jüdischen Lebens in Döbeln, entdeckte sofort etwas. Vorm Büro lag das druckfrische Werbeplakat für die große Bernhard-Kretzschmar-Ausstellung. Darauf ein Bild des Malers mit dem Titel "Döbeln am Sonntag, Johannesstraße" aus dem Jahr 1923. Das zeigt auch das Wahrzeichen der Stadt. "Interessant. Auf der Pferdebahn war damals Werbung für das Bekleidungsgeschäft Jacobi", stellte Stephan Conrad fest. Und Bernhard Kretzschmar hat es im Stile der neuen Sachlichkeit gemalt - ein Gemälde wird zum zeit- und heimathistorische Dokument.

Das Bekleidungsgeschäft Jacobi an der Bahnhofstraße hatte Familie Totschek 1911 übernommen und unter dem Namen des Altbesitzers weitergeführt, bis die Nazis die jüdischen Ladeninhaber enteignete. Hugo Totschek starb im Freiberger Gefängnis, der Rest seiner Familie in den Vernichtungslagern. Stephan Conrad und Sophie Spitzner nutzten den Lehrgang, um sich das Rüstzeug für einen Werbefilm der AG Geschichte zu erwerben, um sich dem Teil der Heimat anzunähern, der mit dem jüdischen Leben in Döbeln zu tun hat.

Vor einer Vitrine im Museum entbrannte indes ein Erfahrungsaustausch über die Zigarrenherstellung, die auch ein Teil der Döbelner Heimatgeschichte ist, die das Museum mit Herstellungsutensilien der Tabakwaren verdeutlicht. Einer der jungen Männer, die da vor der Zigarren-Vitrine standen, hatte eine Oma, die in der Döbelner Zigarrenfabrik gearbeitet hatte. Und wieder füllte sich der Begriff Heimat mit Inhalt.

Zwei Minuten Spieldauer

Wer die Jugendlichen danach fragt, was Heimat für sie bedeutet, bekommt ganz unterschiedliche Antworten. "Ich habe keinen Heimatbezug. Jetzt lebe ich hier und bald woanders", sagt Julian Trager aus Leisnig. "Für mich ist Heimat ein Gefühl der Aufgehobenheit und Geborgenheit, der Entschleunigung. Dazu gehören auch Freunde und Familie", sagt Maria Alexander aus Döbeln. Dann filmt sie wieder. Nicht mit einer Kamera sondern einem dieser neumodischen Computer, die flach sind, wie ein Tablett und bei denen Bildschirm und Tastatur eine Einheit sind. Diese Tablett-Computer haben natürlich eine eingebaute Kamera und eignen sich für Filmaufnahmen. Nicht für abendfüllende Spielfilme, aber für kurze Sequenzen. Das Medienkulturzentrum stellte diese Technik zur Verfügung.

Der gestrige Drehtag im Stadtmuseum war zum Üben gedacht und um die richtige Inspiration zu finden. Heute lernen die Lehrgangs-Teilnehmer das Schneiden. Und am Sonnabend läuft die Endproduktion der Zwei-Minutenclips. An zehn Orten in Deutschland sollen so kurze Streifen zum Thema Heimat entstehen. Döbeln ist die erste Stadt, in der junge Leute das Vorhaben in die Tat umsetzten. Damit dies auch alles bezahlt werden kann, fördert der Verein Jugend-Film- und Fernsehen die etwas andere Heimatfilmproduktion. Zu sehen geben wird es die fertigen Filme unter anderem zum Treibhaus-Filmfest am 4. September.

Lieb

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schön wäre es, wenn das Ortsbild bis dahin in Ordnung gebracht wäre.Noch wird in der Kroppacher Straße gearbeitet. Der Abwasserzweckverband (AZV) Döbeln-Jahnatal hatte für den Bereich ab der Kreisstraße 7506 bis zum Trassenneubau der Regen- und Schmutzwasserleitung von der bauausführenden Firma ein Angebot eingeholt.

13.08.2014

Auf der halber Höhe steht am Geyersberg jetzt eine Bauampel. Der Verkehr führt nur über eine Spur der Geyersbergstraße. Grund dafür ist der Abriss eines alten Mehrfamilienwohnhauses aus den 1920er Jahren.

12.08.2014

Früher war auf der Alten Hauptstraße in Töpeln richtig viel Verkehr. Da war sie aber auch noch eine Bundesstraße. Jetzt herrscht Ruhe. Scheinbar. Denn das breite Asphaltband ist zum zügigen Fahren geeignet.

11.08.2014
Anzeige