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Jugendliche sauer: Gemeinde schließt ihren Klub in Kriebethal wegen Eigenbedarf

Freizeit Jugendliche sauer: Gemeinde schließt ihren Klub in Kriebethal wegen Eigenbedarf

Bei einem Teil der Jugend hat sich die Gemeinde Kriebstein jetzt unbeliebt gemacht. Sie schließt ihren Jugendklub in Kriebethal. Alternativen für ein neues Domizil gibt es wenig bis gar nicht.

Die Jugendlichen fühlen sich von Kriebsteins Bürgermeisterin Maria Euchler überfahren und werfen ihr mangelnde Kommunikation vor, was die Schließung ihres Jugendklubs betrifft. Die ist aber leider notwendig, damit die Bauhofmitarbeiter hygienisch zumutbare Räume haben.

Quelle: Dirk Wurzel

Kriebstein/Waldheim. Die jungen Leute vom Jugendklub Kriebethal verstehen die Welt nicht mehr. Sie haben sich nichts zuschulden kommen lassen, aber trotzdem macht ihnen die Gemeinde die Bude dicht. Ihren Unmut darüber brachten die Jugendlichen, von denen viele aus Waldheim kommen, zur jüngsten Gemeinderatssitzung zum Ausdruck. Dort war die Schließung Thema, fand eine große Mehrheit.

Wer einen Grund für die Entscheidung der Kommune sucht, wird im Keller der Gemeindeverwaltung fündig. Hier haben die fünf Bauhofmitarbeiter ihre Pausenräume, das Lager für Arbeitsgeräte und Kleinmaterial sowie einen Sanitärtrakt, der mehr oder weniger aus zwei Waschbecken besteht und diesen Namen gar nicht verdient. Im Lager riecht es modrig, die Wände sind verschimmelt. Bis weit über die Decke stand das Hochwasser im Keller. Die Unfallkasse Sachsen hat diese Zustände moniert und Kriebstein aufgefordert, diese abzustellen. So muss nun der Bauhof in die Räume des Jugendklubs ziehen und die Jugendlichen verlieren ihr Dach über dem Kopf. Dafür gibt es im Gebäude, das Feuerwehr und noch den Jugendklub beherbergt, Duschen und ordentliche Toiletten.

Alternativen rar gesät

Die Jugendlichen warfen Kriebsteins Bürgermeistern Maria Euchler (Freie Wähler) in der Gemeinderatssitzung vor, nicht ordentlich mit ihnen über die Schließung ihres Domizils gesprochen zu haben und sich Alternativen zu verschließen. So boten die jungen Leute an, die Räume gemeinsam mit dem Bauhof zu nutzen. „Eine öffentliche Einrichtung mit einer Arbeitsstätte zu verbinden, das geht nicht“, sagte die Bürgermeisterin dazu. Auch wenn sie nicht direkt auf den Vorwurf der mangelnden Kommunikation antwortete, so sagte sie doch: „Ich bin der letzte Mensch, der Jugendliche an der Bushaltestelle sehen will.“ Es sei keine leichte Entscheidung gewesen. Aber: „Der Bauhof ist eine kommunale Pflichtaufgabe, der Jugendklub eine freiwillige“, verdeutlichte sie die Prioritäten. Neue Räume für die Jugendlichen gibt es derzeit nicht. Die ehemalige Post liegt im Wohngebiet. „Da haben die Anwohner keinen Bock drauf“, sagte Tobias Kunz vom Jugendklub. In Ehrenberg sind die Räume marode und im Grünlichtenberger Klub fühlen sich die Jugendlichen aus Kriebethal und Waldheim nicht willkommen. Auf die etwas naive Frage aus den Reihen der Gemeinderäte, weshalb sie nicht in den Waldheimer Kinder- und Jugendfreizeitreff „Checkpoint“ gehen, antworten sie: „Weil das ein Kinderklub ist.“ Es wird also schwierig mit neuen Klubräumen. Auch ein Gespräch mit Waldheims Bürgermeister Steffen Ernst (FDP) über eine gemeinsame Lösung blieb ohne Ergebnis. Was ist eigentlich mit dem ehemaligen Einkaufsmarkt, wo auch die Sparkasse drin war? Laut Maria Euchler sind zwei Termine zur Zwangsversteigerung verstrichen, beim dritten gibt es keine Preisbindung mehr. „Da wollen wir als Gemeinde mitbieten“, sagt die Bürgermeisterin. Ob dies der neue Kriebethaler Jugendklub sein könnte, lässt sie offen.

Kommentar: Jugendliche brauchen einen Klub

Die Leute vom Jugendklub Kriebethal haben allen Grund, auf die Gemeinde Kriebstein sauer zu sein. Nach anfänglichen Querelen läuft es in ihrem Treff nun recht gut, der Ortschaftsrat sprach sich nach einem Spontanbesuch für den Klub aus. Und nun das: Weil die Gemeinde neue Räume für den Bauhof braucht, müssen die Jugendlichen raus. Bei allem verständlichen Ärger auf die Gemeindeverwaltung sollten sie nun aber die Möglichkeit nutzen, mit der Gemeinde ins Gespräch zu kommen, um eine angemessene Lösung zu finden. Fakt ist auch, dass es nur einen Kompromiss geben kann, wenn beide Seiten auf unerfüllbare Forderungen verzichten. Dazu gehört, dass die Jugendlichen einsehen, dass es keinen Jugenklub im Bauhof geben kann. Und die Gemeinde sollte sich von den Plänen verabschieden, die Kriebethaler Jugendlichen im Grünlichtenberger Klub ansiedeln zu wollen. Keine Rolle sollte in den Gesprächen die Herkunft der Klubbesucher spielen. Es ist egal, ob ein Drittel oder die Hälfte von ihnen aus Waldheim kommt. Es ist sogar recht vorteilhaft, wenn sich Stadt und Land auf dem Dorf mischen. Für Kriebstein bietet eine gescheite Antwort auf die Klubfrage die Chance, gegenüber Waldheim zu punkten. Wenn die Gemeinde mit 2000 Einwohnern etwas schafft, was die Stadt mit knapp 10 000 Einwohnern nicht hinbekommt: Einen Klub für junge Erwachsene aufzubauen, der nicht als „Kinderklub“ wahrgenommen wird. Dirk Wurzel

Kriebethals Ortsvorsteher Wolfram Thieme bat die Jugendlichen eindringlich, auf die Gesprächsangebote der Gemeinde einzugehen. Bis 31. August haben sie und die Gemeinde Zeit, ein neues Domizil zu finden. Die Kommune hat den jungen Leuten einen späten Räumungstermin gesetzt.

Von Dirk Wurzel

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