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Jugendtrainer bestiehlt eigenen Verein und landet vorm Döbelner Jugendgericht

Über 2000 Euro geklaut Jugendtrainer bestiehlt eigenen Verein und landet vorm Döbelner Jugendgericht

Ein junger Mann klaut plötzlich wie ein Rabe. Vor Gericht bleibt aber im Dunkeln, wieso er sich über 2000 Euro zusammen gestohlen hatte. Wenn es nach der Staatsanwaltschaft gegangen wäre, hätte der 20-Jährige aus der Region Roßwein Knastluft schnuppern dürfen. Aber Jugendrichterin Christa Weik entschied anders.

Der Jugendknast bleibt dem Dieb erspart. Aber er muss den Schaden wieder gut machen.

Quelle: LVZ

Roßwein/Döbeln. Das blanke Unverständnis schlug einem 20-jährigen Angeklagten im Amtsgericht Döbeln von der Richterbank entgegen: „Sie sind strafrechtlich bisher noch nie aufgefallen und dann klauen Sie wie ein Rabe, dass die Staatsanwalt ursprünglich wegen schädlicher Neigung Anklage vorm Jugendschöffengericht erhoben hatte“, sagte Jugendrichterin Christa Weik am Dienstag im Amtsgericht Döbeln zu dem jungen Mann aus der Region Roßwein. Der stammt aus einer kinderreichen Familie, hat einen Realschulabschluss, eine Lehre abgebrochen und aus einer anderen ist er rausgeflogen. Derzeit absolviert der junge Mann aber gerade eine neue Ausbildung. Er kann sich klar und deutlich ausdrücken, nimmt keine Drogen, macht überhaupt einen recht vernünftigen Eindruck. Und räumte alle Anklagepunkte ein. Dass er einem Sportverein aus der Region Roßwein um 1650 Euro erleichterte, bei zwei Rentnern 420 und 140 Euro mauste sowie seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb, einem Pflegedienst aus der Region Roßwein, 150 Euro aus dem Kassenschrank nahm. Weswegen ihn die Firma dann rausgeworfen hatte. Den Stehlschaden habe ihn die Chefin zuvor abarbeiten lassen, sagte der junge Mann.

„Man hat es Ihnen leicht gemacht. Das muss man Ihnen zugute halten“, sagte die Richterin, als sie ihr Urteil begründete. Sie verwarnte den jungen Mann nach Jugendstrafrecht und verdonnerte ihn dazu, an den geschädigten Sportverein 1200 Euro zu zahlen, um den Schaden wieder gut zu machen. Außerdem muss er sich in sozialpädagogische Betreuung begeben und 20 Stunden gemeinnützig arbeiten. Das Urteil ist rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft wollte den Angeklagten eigentlich für zwei Wochenende im Freizeitarrest sehen. Das hielt Richterin Weik aber für übertrieben.

Langfinger kommt überall mit Schlüssel rein

Leicht gemacht hatten es die Geschädigten dem Langfinger in der Tat. Den Schlüssel für den Safe des Sportvereins fand er in einer Schublade des offenen Büros. Dort nahm er dann den Umschlag mit den 1650 Euro – der größte Brocken unter dem erbeuteten Geldsummen. Es war als Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlichen Trainer des Vereins gedacht. „Ich bin nachts spazieren gegangen, weil ich nicht schlafen konnte. Dann bin ich da rein, die Schublade stand offen. Ich habe den Schlüssel für den Safe aufgemacht und den Briefumschlag mit dem Geld herausgenommen“, sagte der Angeklagte, der ebenfalls für den Verein als Jugendtrainer tätig war. Auch bei den beiden alten Leuten hatte der Dieb nicht viel Mühe an die Schlüssel für die Wohnungen zu gelangen. Beim Diebstahl im Pflegeheim nutzte er einfach den Augenblick, als eine Mitarbeiterin das Zimmer verließ, um aus deren Tasche den Schlüssel für den Kassenschrank zu nehmen.

„Als Lehrling hat man ja nie viel Geld“, sagte er, um die Taten zu begründen. Aber wofür genau er soviel Geld stahl, blieb in der Verhandlung am Dienstag unklar. „Sie haben Ihr Ansehen beim Sportverein ruiniert und auch das Ansehen ihrer Eltern beschädigt“, sagte Richterin Weik. Auch sie wird die unbeantwortete Frage aus der Verhandlung mitnehmen, weshalb jemand plötzlich beginnt, sich über 2000 Euro zusammen zu klauen.

 

Von Dirk Wurzel

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