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Döbeln Junge Leute sollen in heimischen Firmen lernen
Region Döbeln Junge Leute sollen in heimischen Firmen lernen
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10:09 12.02.2019
Katrin Pitzing ist Praxisberaterin an der Oberschule Roßwein und sagt: „90 Prozent der Berufswahl machen die Eltern aus.“ Quelle: Manuela Engelmann-Bunk
Rosswein

Wie kann es gelingen, möglichst viele Schulabgänger zu einer Ausbildung in die Unternehmen vor Ort zu lenken und die Jugend somit in der Region zu halten? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Kurzem eine Arbeitsgruppe, zu der nicht nur die Stadtverwaltung Roßwein, sondern auch Unternehmen und die Oberschule der Stadt gehören. Seit November des vergangenen Jahres gehört die Stadt Roßwein zum sächsischen Demografie-Netzwerk Focus Wirtschaft.

Netzwerk befragt Jugendliche

Eine Befragung durch das Netzwerk unter Jugendlichen hat ergeben, dass diese bei der Berufswahl in erster Linie auf ihre Familie hören. „Diese Erkenntnis war für uns alle relativ neu“, sagt Bürgermeister Veit Lindner (parteilos). Dementsprechend gibt es nun einen ersten Schwerpunkt, unter dem die Arbeitsgruppe, zu der insgesamt 17 Unternehmen aus Roßwein und Umgebung gehören, handelt. Es gelte, Strategien zu entwickeln, Kontakt zwischen den Unternehmen und den zukünftigen Auszubildenden herzustellen. Der Weg zur Oberschule lag da nah, zumal dort mit Katrin Pitzing seit August 2017 eine Praxisberaterin unter anderem an eben diesem Thema arbeitet.

Praxisberaterin bietet Orientierung

In ihrem kleinen Büro gleich im Erdgeschoss der Oberschule ist die beim MFM angestellte Praxisberaterin dafür verantwortlich, die Schüler der siebenten und achten Klassen bei der ersten Orientierung im Berufe-Dschungel zu unterstützen, zu lenken und zu leiten. Verhindert werden soll mit dem vom Kultusministerium aufgelegten Praxisberater-Projekt, dass es weiterhin so viele Abbrüche unter der Auszubildenden gibt. Wichtig dafür ist, dass Schüler über die einzelnen Berufsbilder so ausreichend informiert sind, dass sie genau wissen, für was sie sich entschieden haben. Um herauszufinden, was für wen das Richtige sein könnte, wird jetzt bereits in der siebenten Klasse mit der Orientierung begonnen. „Hier geht es noch nicht darum, sich für irgend etwas zu entscheiden, sondern Berufe kennenzulernen und vor allem, die eigenen Stärken herauszufiltern“, erklärt Katrin Pitzing. Die siebente Klasse sei deshalb ein sehr analytisches Jahr. Gerade erst im Januar hat Roßweins Praxisberaterin die Potenzanalyse bei ihren Siebtklässlern durchgeführt. Teamfähigkeit, Kommunikation, Planung und Geduldsspiele sind Komponenten, die auf dem Weg zur Erkenntnis eine Rolle spielen. „Zur Auswertung lade ich die Eltern mit ein“, erklärt Katrin Pitzing das Prinzip. Denn auch sie weiß: „90 Prozent der Berufswahl machen die Eltern aus.“

Roßweiner Unternehmen stellen sich in Schule vor

Initiiert hat sie auch eine Vorstellungsrunde der Roßweiner Firmen in der Schule. Jeden Mittwoch zwischen 14 und 15 Uhr kann sich ein Unternehmen mit seinen Berufsbildern präsentieren. Auf diesem Weg bekommen zukünftige Azubis schon man eine Ahnung davon, was es überhaupt für Jobs geben könnte – und das auch noch vor Ort. Insgesamt 17 Firmen aus Roßwein und Umgebung haben sich derzeit bereit erklärt mitzuwirken. Weiterhin geplant sind Exkursionen und Betriebsbesichtigungen, bevor es dann in der achten Klasse ums stärkenorientierte Arbeiten geht. „Ganz wichtig ist es, dass die Schüler in Praktika rausgehen“, so Katrin Pitzing. Zu ihrem Job gehört es, solche Dinge zu organisieren. Derzeit ist sie gerade dabei, die von den angeschriebenen Firmen zurückgeschickten Fragebögen auszuwerten. „So können wir feststellen, was wo ausgebildet wird, ob Praktika oder Ferienarbeit möglich sind.“ Wertvolle Informationen auf dem Weg der Vermittlung in heimische Unternehmen.

Kommentar: Offensiv zeigen, was möglich ist

von Manuela Engelmann-Bunk

Um Jugendliche noch besser auf den richtigen Weg in ihren Berufsalltag zu lenken, gibt es seit August 2017 auch an Roßweins Oberschule eine Praxisberaterin. Sie ist zuständig dafür, Jugendliche der siebenten und achten Klasse fit zu machen für den nächsten Schritt – die eigentliche Berufswahl. Das heißt: Stärken herausarbeiten, und überhaupt Licht ins Dunkel der vielfältigen Berufsbilder bringen.

Roßweins Firmen und die Stadt wünschen sich, dass noch mehr Kinder der Stadt auch in der Region bleiben, sprich: Eine Ausbildung in heimischen Unternehmen anstreben und später im besten Fall in der Region bleiben. Wie kann das gelingen? Ein erster Schritt: Frühzeitig Beziehungen herstellen. Und nicht nur bei den Jugendlichen, sondern auch deren Familien ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Möglichkeiten es direkt um die Ecke eigentlich gibt. Dafür braucht es nicht nur eine Praxisberaterin an der Oberschule, sondern auf der anderen Seite auch aktive Unternehmen, die offensiv mitarbeiten und zeigen, was bei ihnen los ist, welche Möglichkeiten es bei ihnen gibt. Die Zusammenarbeit im Rahmen des Demografie-Netzwerkes Focus Wirtschaft ist ein richtiger Schritt.

m.engelmann@lvz.de

Von Manuela Engelmann-Bunk

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