Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Döbeln Junghistoriker arbeiten NS-Zeit auf
Region Döbeln Junghistoriker arbeiten NS-Zeit auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:07 27.11.2011

[gallery:600-18830786P-1]

Im Café Courage - dem Ausgangspunkt des ersten Stadtrundgangs - holte die AG ihr historisch interessiertes Publikum aber zunächst bei den Grundzügen der NSDAP-Herrschaft in Deutschland und des Zweiten Weltkriegs ab. "Es geht darum, dir großen Fakten aus den Geschichtsbüchern ins Hier und Jetzt zu holen", so Conrad. Danach ging es ins Detail.

An insgesamt 17 Stationen teilte die AG ihre bisher gewonnen Erkenntnisse mit den Rundgängern, die selbst an einigen Punkten Wissenswertes ergänzen konnten. Auf dem Plan standen dabei unter anderem das Stadtbad als wichtiger Bestandteil der NSDAP-Propaganda, das Rathaus am Obermarkt als Ort von Großkundgebungen und einige Standorte von den 143 Firmen in Döbeln, die hier unter Adolf Hitler Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit heranzogen. Ebenso dienten die über die Stadt verteilten Stolpersteine wie etwa in der Theaterstraße als Bezugspunkte jüdischer Schicksale - allen voran die der Familien Glasberg und Gutherz.

Eine drastische Darstellung der Kriegsgräuel wusste die AG an der Station Roßweiner Straße zu berichten: Hier wurden im April 1945 etwa 1400 KZ-Häftlinge des Außenlagers Thekla-Schönefeld entlang getrieben. Unbeschreibliches Elend musste bei diesem Todesmarsch geherrscht haben. "Wir wissen, dass die Häftlinge vor Hunger einmal sogar einen Hund verspeisten", beschrieb Conrad. Um das Gesamtbild der NS-Zeit in Döbeln zu vervollständigen, sei allerdings noch eine Menge Arbeit nötig. Dabei baut die AG Geschichte auch in Zukunft auf die historischen Stadtrundgänge, die zu einem regelmäßigen Projekt werden sollen - zumal der gestrige Rundgang laut Conrad ein voller Erfolg war.

"Wir versprechen uns davon mehr Zulauf, auch um Informationen aus erster Hand von Zeitzeugen zu bekommen", hielt Conrad fest, "zumal wir festgestellt haben, dass es Dinge gibt, die noch nicht geklärt sind". So zum Beispiel, was im Einzelnen aus den über 2000 Zwangsarbeitern in Döbeln wurde - bei einer damaligen Anzahl von etwa 24 000 Einwohnern. "Wenn jeder zehnte ein Zwangsarbeiter ist, ist das doch auffällig", meinte Conrad, betonte aber zugleich, dass es nicht darum gehe, die Döbelner im Nachhinein zu beschuldigen. Vielmehr könnten der AG private Fotografien und persönliche Dokumente aus der NS-Zeit bei der Aufarbeitung helfen. Conrad: "Ich wüsste gerne, wie viele Dachböden in Döbeln noch nicht durchforstet sind."

Felix Kretz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Burgbäckerei wurde am Sonnabend die Adventszeit mit dem Stollenfest eingeläutet. Zum Schauen, Backen, Riechen und Kosten waren alle Neugierigen und Weihnachtshungrigen in Christian Münchs Backstube gekommen.

27.11.2011

Der Döbelner SC hat seinen Pflichtsieg in Leipzig erfüllt. Bei Tabellenschlusslicht Roter Stern Leipzig zu Gast gingen die Eichhorn-Schützlinge als Sieger vom Platz.

27.11.2011

Die Stadt Döbeln hat ein Problem: Ab 2013 werden in der Stadt Kindergarten- und Krippenplätze fehlen. Eine neue Kindertagesstätte bauen, das scheint die einfachste Lösung.

25.11.2011
Anzeige