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Junghistoriker arbeiten NS-Zeit auf

Junghistoriker arbeiten NS-Zeit auf

Nach zwei Jahren intensiver Recherche ist die Arbeitsgemeinschaft (AG) Geschichte des Treibhausvereins gestern mit einer Premiere an die Öffentlichkeit getreten: Zum ersten historischen Rundgang auf den Spuren der nationalsozialistischen Diktatur durch die Döbelner Innenstadt zog es knapp 30 Neugierige aller Altersklassen.

Döbeln.

 

 

 

 

 

 

 

Im Café Courage - dem Ausgangspunkt des ersten Stadtrundgangs - holte die AG ihr historisch interessiertes Publikum aber zunächst bei den Grundzügen der NSDAP-Herrschaft in Deutschland und des Zweiten Weltkriegs ab. "Es geht darum, dir großen Fakten aus den Geschichtsbüchern ins Hier und Jetzt zu holen", so Conrad. Danach ging es ins Detail.

An insgesamt 17 Stationen teilte die AG ihre bisher gewonnen Erkenntnisse mit den Rundgängern, die selbst an einigen Punkten Wissenswertes ergänzen konnten. Auf dem Plan standen dabei unter anderem das Stadtbad als wichtiger Bestandteil der NSDAP-Propaganda, das Rathaus am Obermarkt als Ort von Großkundgebungen und einige Standorte von den 143 Firmen in Döbeln, die hier unter Adolf Hitler Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit heranzogen. Ebenso dienten die über die Stadt verteilten Stolpersteine wie etwa in der Theaterstraße als Bezugspunkte jüdischer Schicksale - allen voran die der Familien Glasberg und Gutherz.

Eine drastische Darstellung der Kriegsgräuel wusste die AG an der Station Roßweiner Straße zu berichten: Hier wurden im April 1945 etwa 1400 KZ-Häftlinge des Außenlagers Thekla-Schönefeld entlang getrieben. Unbeschreibliches Elend musste bei diesem Todesmarsch geherrscht haben. "Wir wissen, dass die Häftlinge vor Hunger einmal sogar einen Hund verspeisten", beschrieb Conrad. Um das Gesamtbild der NS-Zeit in Döbeln zu vervollständigen, sei allerdings noch eine Menge Arbeit nötig. Dabei baut die AG Geschichte auch in Zukunft auf die historischen Stadtrundgänge, die zu einem regelmäßigen Projekt werden sollen - zumal der gestrige Rundgang laut Conrad ein voller Erfolg war.

"Wir versprechen uns davon mehr Zulauf, auch um Informationen aus erster Hand von Zeitzeugen zu bekommen", hielt Conrad fest, "zumal wir festgestellt haben, dass es Dinge gibt, die noch nicht geklärt sind". So zum Beispiel, was im Einzelnen aus den über 2000 Zwangsarbeitern in Döbeln wurde - bei einer damaligen Anzahl von etwa 24 000 Einwohnern. "Wenn jeder zehnte ein Zwangsarbeiter ist, ist das doch auffällig", meinte Conrad, betonte aber zugleich, dass es nicht darum gehe, die Döbelner im Nachhinein zu beschuldigen. Vielmehr könnten der AG private Fotografien und persönliche Dokumente aus der NS-Zeit bei der Aufarbeitung helfen. Conrad: "Ich wüsste gerne, wie viele Dachböden in Döbeln noch nicht durchforstet sind."

Felix Kretz

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