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(K)ein Selbstbedienungsladen?

(K)ein Selbstbedienungsladen?

Die Sparkasse prüft Überweisungen bis zu einem Betrag von 500 Euro nicht, die per Formular eingehen. Das sagte jüngst eine Zeugin in einem Betrugsprozess am Amtsgericht Döbeln aus.

Region Döbeln. Susann P. ist eine Betrügerin, die mit folgender Masche den Kleingartenverein "Sonnenland" aus Keuern um 400 Euro brachte: Sie reichte zwei ausgefüllte, mit ihrem eigenen Namen unterschriebene Überweisungsträger bei der Kreissparkasse Döbeln ein und ließ sich so jeweils 200 Euro auf ihr Konto buchen. Für das geschädigte Konto des Kleingartenvereins besaß sie gar keine Vollmacht, die Bank hätte das Geld also eigentlich nie bewegen dürfen.

"Als ich den Fehlbetrag bemerkte, bin ich zur Sparkasse. Dort sagte man mir, dass bei Überweisungen Beträge bis 500 Euro nicht geprüft werden", sagte Cornelia S. vom Sonnenland-Vorstand als Zeugin aus. Sie ist im Gegensatz zu Susann P. berechtigt, auf das Vereinskonto zuzugreifen. Und dachte zunächst, Susann P. würde die 230 Euro zurückzahlen, die sie dem Verein schulde. Als sie den Kontoauszug genauer ansah stellte sie fest, dass sich die Schuldnerin dreist am Vereinskonto bedient hatte.

Die Kreissparkasse teilt auf Anfrage der Döbelner Allgemeinen Zeitung mit, dass es sich bei dem Betrug um einen Einzelfall handelt. "Es werden grundsätzlich alle Überweisungen geprüft. Die Unterschriftenprüfung erfolgt manuell und wird elektronisch unterstützt, das heißt, die Überweisungen werden von einem Beleglesegerät gescannt", so Diana Mollenhauer, Mitarbeiterin im Vertriebsmanagement des Kreditinstitutes. Sie rät, in Schadensfällen die Polizei zu informieren, da es sich um Betrug handelt. Freilich kann die Sparkasse bereits überwiesenes Geld zurückbuchen. Wenn es der Täter aber nicht mehr hat? "Bei unverschuldeten Schadensfällen übernimmt ein Haftungsfonds der Sparkassen eine Erstattung", sagt Diana Mollenhauer.

Rechtsanwalt Martin Göddenhenrich, der Susann P. verteidigte, verstieg sich vor Gericht in der Rechtsauffassung, seine Mandantin habe gar keinen Betrug begangen, weil sie ja mit ihrem eigenen Namen unterschrieb. Richter Janko Ehrlich begegnete dem mit Ironie: "Wenn ich mal 500 Euro brauche, buche ich mir das Geld einfach von Ihrem Konto ab", sagte er in der Urteilsbegründung und schaute den Rechtsanwalt an. Der Richter wertete die Abzocke der Kleingärtnerin als Betrug und verurteilte Susann P. zu einer Gesamtgeldstrafe von 120 Tagessätzen zu 15 Euro. Die Frau hatte aber noch mehr auf dem Kerbholz, stand auch wegen weiterer Betrugsfälle vor Gericht. In diesem Fall zockte sie ihre ehemalige Chefin, eine Leisniger Hotelbesitzerin, ebenfalls mit der Überweisungsmasche ab. Dazu fälschte sie sogar die Unterschrift der Frau. "Sie hat mich schon mal beklaut", sagte Monika O. aus. Dabei habe sie Susann P. gut aufgenommen, ihr sogar eine Wohnung gestellt. Um insgesamt 1200 Euro schröpfte die Betrügerin die Hotelbetreiberin. Zweimal buchte sie jeweils 400 Euro auf ihr eigenes Konto, später noch mal 800 Euro auf das Konto ihres damaligen Lebensgefährten. "Er hat mitbekommen, dass es beim ersten Mal so gut lief", sagte Susann P. in ihrem Teilgeständnis.

Wobei "gut laufen" in diesem Fall relativ ist. "So dumm kann man sich gar nicht anstellen", befand Zeugin Monika O. über ihre gefälschte Unterschrift auf dem Überweisungsträger. Weil ihr Nachname sehr kurz ist, unterschreibe sie stets auch mit ihrem Vornamen. Susann P. setzte dagegen nur den Nachnamen auf die Formulare. Dirk Wurzel

 

Janko Ehrlich, Strafrichter

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