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Döbeln Kampf mit Lehrermangel und Grippewelle
Region Döbeln Kampf mit Lehrermangel und Grippewelle
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00:34 19.03.2018
Arbeit unter erschwerten Bedingungen: Zum allgemeinen Lehrermangel kommt die Grippewelle. Der verstärkte Unterrichtsausfall bereitet den Eltern der Roßweiner Grundschule Sorgen.
Rosswein

„Ich bin sauer“, sagt Monia Handtrack. Ihre Tochter geht in die erste Klasse an Roßweins Grundschule Am Weinberg. „Die Kinder haben viel Unterrichtsausfall, die Klasse meiner Tochter wird ständig aufgeteilt in andere Klassen, hat keine Klassenlehrerin, keine Bezugsperson. Dabei ist das doch gerade in diesem Alter wichtig.“ Tatsächlich ist die Lage an der Roßweiner Schule – wie an vielen anderen auch – angespannt. Das bestätigt auch Schulleiterin Michaela Roßberg. Allein, ändern kann sie an der Situation nicht viel. „Die Kollegen hier arbeiten alle am Anschlag“, sagt die mit Blick auf die vom allgemeinen Lehrermangel in Deutschland beförderte Sitaution. In zahlreichen Elterngesprächen wird versucht, die Lage zu erklären und Lösungen zu finden.

„Wir versuchen immer, Ausfall von Unterricht so weit es geht zu vermeiden“, sagt die Schulleiterin. Unter bestimmten Umständen aber ist sie machtlos. Weil in Roßwein eine Kollegin nach Leipzig versetzt worden, ein anderer ins Seminar gegangen ist, sind zwei neue Kollegen ins Team gekommen. Das Landesamt für Schule und Bildung hat Seiteneinsteiger geschickt, die parallel zu ihrem Lehrauftrag in einer Ausbildung stecken, und damit noch nicht hundertprozentig zur Verfügung stehen. Und damit hat Roßwein offenbar noch Glück. In Sachsen konnten zum zweiten Schuljahr von 660 Stellen nur 622 besetzt werden. Nach Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind aktuell bundesweit rund 2000 Lehrerstellen an Grundschulen nicht besetzt.

Ab Montag neuer Stundenplan

In Roßwein ist seit Februar zudem der Krankenstand ein Problem. Und der macht das Kraut richtig fett. „Wenn Krankheit zuschlägt, haben wir ein Problem“, sagt Michaela Roßberg. „Die Luxussituation, einen Krankenstellvertreter zu haben wie früher, die gibt es schon lange nicht mehr.“ Natürlich habe sie sich Hilfe suchend ans Landesamt gewandt. Doch das kann sich auch keine Lehrer aus dem Ärmel schütteln. „Natürlich würde ich liebend gern selbst Lehrer einstellen, aber das liegt nunmal nicht in meiner Hand. Ich muss nehmen was ich bekomme.“ Die Kollegen in Roßwein leisten bereits mehr Arbeitsstunden, um den Ausfall kompensieren zu können.

Für die Eltern, deren Kinder unter der Situation leiden, ist es eine beängstigende Situation. „In der ersten Klasse wird doch der Grundstein gelegt. Und die Kinder hängen im Unterrichtsstoff schon hinterher“, äußert Monia Handtrack den Eindruck, den die Eltern haben, die sich in gewisser Weise auch hilflos fühlen. Um trotz fehlender Lehrer Beständigkeit in die Situation bringen zu können, wird es ab Montag einen neuen Stundenplan für die Kinder der betroffenen ersten Klasse geben. Auch ein fester Ansprechpartner sei wieder da, sagt Michaela Roßberg. Sie würde sich wünschen, dass sich die Eltern mit ihren Sorgen und der Kritik auch mal dorthin wenden würden, wo sie angebracht ist.

Zuletzt zeigte eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, dass bis zum Jahr 2025 bundesweit 105 000 Grundschullehrer benötigt wurden, jedoch nur 70 000 von den Universitäten kommen. Es bleibt eine Lücke von 35 000 fehlenden Lehrern.

Kommentar

Die Situation ist beängstigend: Deutschlandweit fehlt es an Lehrern. Nach Zahlen der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind aktuell bundesweit rund 2000 Lehrerstellen an Grundschulen nicht besetzt. In Sachsen konnten zum zweiten Schulhalbjahr von 660 Stellen nur 622 besetzt werden. Kein Wunder, dass Eltern wie in Roßwein nervös werden und das Gefühl haben, dem zunehmendem Unterrichtsausfall, den drohenden Stoffschwächen ihres Kindes, dem Problem wechselnder Bezugspersonen hilflos gegenüberzustehen. Doch sie sind nicht die einzigen, denen das so geht. Den Lehrern, die versuchen müssen, die Ausfälle zu kompensieren und unter erschwerten Bedingungen immer noch gute Arbeit am Kind leisten sollen, geht es mit Sicherheit genauso.

Nicht nur an Roßweins Grundschule hat die anhaltende Grippewelle die Lage noch verschärft. Erstklässler haben über Wochen keinen Klassenlehrer, werden aufgeteilt, laufen aus Elternsicht gefühlt „nebenher“. Dass die Eltern das wurmt, ist nachvollziehbar. Weil sich aber niemand Lehrerpersonal aus den Rippen schwitzen kann, können alle Beteiligten nur versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Gegenseitige Vorwürfe helfen keinem weiter. Ausbaden müssen die verkorkste Entwicklung – leider – diejenigen, die gar nichts dafür können: Schüler und Lehrer. Man kann nur den Hut ziehen vor allen, die da nicht das Handtuch werfen und sich ihre Motivation bewahren. Manuela Engelmann

Von Manuela Engelmann

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