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Karin Ilgert vom Amt für Arbeit und Beschäftigungsförderung zur Arbeitsweise der Behörde

Karin Ilgert vom Amt für Arbeit und Beschäftigungsförderung zur Arbeitsweise der Behörde

Nicht jeder, der das Döbelner Amt für Arbeit und Beschäftigungsförderung verlässt, ist mit dessen Tätigkeit zufrieden. Die DAZ ging einigen, im Volke gängigen, Fragen nach und sprach mit Behördenleiterin Karin Ilgert.

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Karin Ilgert

Döbeln. "Bei normaler Unterhaltung kann niemand hören, was nebenan gesprochen wird", sagt Ilgert. "Der sächsische und der mittelsächsische Datenschutz haben das überprüft." Entsprechende Messungen habe es schon 2004/05 gegeben, bevor das Amt eröffnet wurde. Nur wenn jemand laut seinen Frust ablasse, könnten ihn andere im Büro hören. Dies geschehe aber nur selten. "Insofern hat sich die Einrichtung als vorteilhaft erwiesen. Jeder muss sich zusammenreißen, wenn er nicht will, dass andere mitkriegen, wer sich nicht benehmen kann", erklärt Ilgert. "In anderen Behörden kommt es hinter verschlossenen Türen hingegen schon mal zu Randalen oder Angriffen auf Mitarbeiter."

 

-Mitunter verschwinden Dokumente. Sollten nicht alle am Empfang abgestempelt werden?

 

"Wir können es aus Zeitgründen nicht leisten, auf jede Kopie einen Eingangsstempel zu setzen. Was abgegeben wird, kommt gebündelt mit Eingangsstempel ins Postfach der Fallmanager", erläutert Ilgert. "In Ausnahmefällen kann bei unserem Massengeschäft schon mal ein Zettel verloren gehen. Das geschieht aber nicht am Empfang, sondern auf dem Weg vom Fallmanager zum Leistungssachbearbeiter. Ich gebe zu, für den einzelnen ist das bedauerlich." Wenn sich im Gespräch mit den Mitarbeitern nichts klären lässt, könne der Betreffende eine Dienstaufsichtsbeschwerde ans Landratsamt richten, um der Sache nachgehen zu können.

 

-Warum wechseln die Ansprechpartner so häufig?

 

Das Amt hat sich eine Organisationsstruktur gegeben, die zwar nicht vorgeschrieben, aber aus Sicht der Leiterin vom Ablauf her und wirtschaftlich sinnvoll ist. Der Neukunde stößt nach der Anmeldung auf den Erstberater, der sich bis zu einer Stunde für ihn Zeit nimmt. Von ihm erhält er eine Liste, was er alles beim nächsten Vorsprechen mitzubringen hat. Mitunter muss er ihn nochmals aufsuchen. Die Akte geht dann weiter an den Leistungssachbearbeiter, der berechnet, ob der Kunde Geld erhält. An dritter Stelle folgt dann der Fallmanager, der mit dem Kunden zusammen versucht, ihn in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. All diese Mitarbeiter können unter anderem wegen Urlaub oder Krankheit ausfallen. Dann trifft der Kunde jeweils auf deren Stellvertreter. "Vor allem bei den Leistungssachbearbeiterinnen haben wir viele Frauen, die im Mutterschutz oder während der Elternzeit länger ausfallen. Mitunter arbeiten wir dann mit Notvertretungen, bis wir wieder jemanden auf Dauer haben, denn nicht immer findet sich sofort geeigneter Ersatz", räumt Karin Ilgert ein. Eine andere Struktur des Amts lehnt sie ab: "Nur damit jeder ein und denselben Ansprechpartner über die ganze Zeit hat, können wir nicht einen hochqualifizierten Fallmanager für die Erstberatung einsetzen. Das wäre ökonomisch nicht sinnvoll."

 

-Müssen immer wieder neue Eingliederungsvereinbarung abgeschlossen werden?

 

"Ja, das will das Gesetz", lässt Karin Ilgert keine Zweifel. "Alle halben Jahre müssen wir mit dem Kunden Ziele vereinbaren, wie er wieder in den ersten Arbeitsmarkt gebracht werden kann. Beide Seiten erklären zugleich, welche Beiträge sie dafür leisten. Und das halte ich auch für richtig." Gegebenheiten beim Langzeitarbeitslosen könnten sich über die Zeit hinweg ändern. Deshalb sei es unabdinglich, sich immer wieder auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, auch wenn das mit großem Aufwand verbunden wäre. Alles diene dem Hauptauftrag des Amtes, Erwerbslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Ilgert: "Wir sind keine soziale Hängematte, sondern fördern die Aktivitäten der Betroffenen, damit sie alle Möglichkeiten ausschöpfen, ihre Hilfebedürftigkeit zu beenden oder wenigstens zu verringern."

 

-Muss man deshalb massenweise Bewerbungen abschicken?

 

"Zu den Selbstverpflichtungen gehört, dass der Betreffende sucht, wo er in einen Betrieb einsteigen kann. Und der Gesetzgeber erwartet, dass er seine Aktivitäten nachweist", erklärt Ilgert. "Eigentlich muss er den ganzen Tag nach einem Job sausen, denn er hat ja Zeit. Von uns erhalten die Betroffenen Anleitungen, wie sie im Internet nach Arbeitsplätzen suchen können." Es sei eine Sache der Einstellung, ob jemand Nullachtfünfzehn-Bewerbungen abgibt und im Grunde nur seine Ruhe und das monatliche Geld auf dem Konto haben will. Oder ob er intensiv mit seinem Fallmanager nach Lösungen sucht und ordentliche, auf die Unternehmen zugeschnittene Bewerbungen verfasst.

 

-Warum muss es immer wieder Bewerbungstrainings geben?

 

Die Kunden sollen laut Ilgert das Rüstzeug erhalten, sich gegenüber den Unternehmen, bei denen sie sich bewerben, besser verkaufen zu können. "Das muss trainiert werden", sagt sie und räumt ein: "Nicht bei allen Bildungsträgern läuft das so, wie wir es uns wünschen. Wenn jemand Kritik vorzubringen hat, sollte er uns ansprechen. Wir nehmen dann den Bildungsträger unter die Lupe."

Frank Pfeifer

 

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