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Döbeln Kasernenhofton als Pädagogik in Grünlichtenberg
Region Döbeln Kasernenhofton als Pädagogik in Grünlichtenberg
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13:58 05.11.2018
Mit Rohrstock, Schiefertafel, Klassenbuch und Pausenschelle – in Grünlichtenberg unterrichte Michael Kreskowsky (l.) wie ein Lehrer zur Kaiserzeit. Quelle: Gerhard Schlechte
Grünlichtenberg

Eine Zeitreise ins Deutsche Kaiserreich unternahm Michael Kreskowsky am Sonnabend. In der Turnhalle der Grundschule Grünlichtenberg hatte er mit zeitgenössischen Requisiten ein Klassenzimmer aus der Zeit um die Jahrhundertwende nachempfunden.

Der Lehrer befiehlt

Und hielt in diesem eine Schulstunde ab, wie sie damals wohl abgelaufen war. „Heil Dir im Siegerkranz“ sangen schließlich nicht nur die vorbereiteten Schüler dieser Unterrichtsstunde, sondern auch die vielen Zuschauer. Die Melodie der informellen Hymne Deutschlands bis 1918 ist wohlbekannt, die Briten singen dazu noch heute „god save the queen“ (Gott schütze die Königin). „Das konnte ich gerade so verantworten“, sagt Michael Kreskowsky, dem als Christen und Kirchenvorstand Deutschtümelei und Autoritätshörigkeit fern liegen. „Wie schnell geht Diktatur – das zeigt unser Experimentalunterricht. Ich habe nicht ein einziges Mal ,bitte’ und ,danke’ gesagt, sondern nur Befehle gegeben“, sagte er nach der historischen Schulstunde.

In dieser ging es militärisch-zackig zu, so wie es zum Zeitgeist in der Ära Kaiser Wilhelms II. gehörte. Auf Befehl mussten die Schüler ihre Hände vorzeigen und wenn Michael Kreskowsky mit dem Rohrstock auf den Tisch schlug, hatten die Schüler die Hände umzudrehen. War der Lehrer mit der Sauberkeit unzufrieden, schickte er den Schmutzfinken zum Waschen. Schulleiterin Elke Schlieder beendete in der Rolle als Schulinspektorin diesen Anschauungsunterricht.

Kommentar: Rohrstock-Zeit ist zum Glück vorbei

Von Olaf Büchel

Da war Zuck dahinter, vor 120 Jahren in deutschen Schulen. „Oberlehrer“ Michael Kreskowsky zeigte am Sonnabend in Grünlichtenberg, was für einer. Anlässlich des 120-jährigen Jubiläums der dortigen Grundschule gab der Museumsführer eine Unterrichtsstunde wie anno dazumal. Da knallte der Rohrstock – zumindest auf die Schulbank (früher wären es die Hände oder der Allerwerteste gewesen). Der Lehrer kommandierte im Befehlston, fast wie in der Kaserne, und wehe, die Schüler spurten nicht.

Manch einer mag sich diese „Zucht und Ordnung“ zurückwünschen, weil er meint, die Lehrer haben heutzutage kaum noch Autorität, die Kinder könnten machen was sie wollen. Vorsicht mit solchen Gedankengängen! Willfährige junge Menschen, die einem Kaiser, einem Führer oder einem Staatschef bedingungslos folgen, brauchen wir nicht. Wie einfach das funktionieren kann, auch das zeigte Kreskowsky.

Selbstständiges Denken, Pluralismus, Kreativität – das soll heute Schule fördern. Für eine moderne Demokratie sind das wichtige Nährstoffe. Dass die Schüler bei all den Freiheiten, die sie heute haben, dem Lehrer nicht auf der Nase herumtanzen dürfen, ist auch klar. Gute Lehrer wissen das ohne Rohrstock zu verhindern.

Die historische Schulstunde war ein Höhepunkt der Festwoche anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Grundschule Grünlichtenberg, die ein Kind des Deutschen Kaiserreiches, das natürlich nicht nur blinde Autoritätshörigkeit und Militarismus hervorgebracht hat. Aus dieser Zeit stammen die Grundlagen unseres noch heute gültigen Rechts – Strafprozessordnung, Strafgesetzbuch, Bürgerliches Gesetzbuch, Gerichtsverfassungsgesetz. Zudem hatte Reichskanzler Otto von Bismarck die Kirchen aus der Schulaufsicht gedrängt. Der Staat übernahm dies und tut es bis zum heutigen Tage. Gleiches gilt für das Eherecht. Gültige Ehen kann nur der Staat, vertreten durch Standesbeamte, schließen. Allerdings führte der staatliche geförderte Militarismus und Nationalismus auch mit zu jener Kriegsbegeisterung, die ab 1914 Millionen Männer Soldat werden ließ. Der Erste Weltkrieg war zunächst sehr populär.

Von Dirk Wurzel

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