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Döbeln Gedenkstein in Leisnig: Kasper ist wieder da
Region Döbeln Gedenkstein in Leisnig: Kasper ist wieder da
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18:27 06.06.2018
Tri-Tra-Trallalla: Der Kasper von Puppenspieler Heinz Kotte ist wieder da. Die Steinmetze Stefan Weyh und Karsten Wiede haben ihn in Stein verewigt. Quelle: Sven Bartsch
Leisnig

Tri-Tra-Trallalla, der Kasper, der ist wieder da! Tatsächlich: Auf dem Leisniger Friedhof öffnet sich der Vorhang, und der lustige Spaßmacher, als Handpuppe einst geführt von Puppenspieler Heinz Kotte aus Leisnig, grüßt in die Welt. Die Szene haben die Steinmetze Stefan Weyh und Karsten Wiede in einen jüngst enthüllten Gedenkstein gemeißelt.

Flucht aus Nachkriegsalltag

Der steht auf dem früheren Grab von Heinz Kotte. Am Dienstag wurde er enthüllt – am 111. Geburtstag von Heinz Kotte. Die dargestellte Szene mit dem Kasper ist vielen Leisnigern ins Herz geschrieben: In den Nachkriegsjahren war es Heinz Kotte mit seiner Kleinbühne in der Obermarktgasse 20, der die Menschen die Mühsal des Alltags vergessen ließ.

Märchen für Kinder, Klassiker für Erwachsene

Für die Kinder bringt Kotte Märchenstücke auf die Bühne, für die Erwachsenen Klassiker von Schillers „Wilhelm Tell“ bis Goethes „Faust“. Am Dienstag jährte sich Kottes Geburtstag zum 111. Mal. Als er elf Jahre alt war, gründete sein Vater Gustav die Kleinbühne, also vor hundert Jahren – der passende Anlass, um den Kasper wieder auferstehen zu lassen - und wenn es in einer Szene auf dem Gedenkstein ist.

Familie will sichtbaren Erinnerungspunkt

Das Grab des Puppenspieles ist mittlerweile aufgelöst, die Liegezeit abgelaufen. Dennoch ist es für Kottes Tochter Rosemarie Rasch und deren Tochter Christine heute wichtig, an der Stelle auf dem Gottesacker einen sichtbaren Erinnerungspunkt zu haben. Die Familie hat den Stein auch finanziert.

Kulturbund würdigt Initiative

Zur Einweihung sind auch Mitglieder des Kulturbundes Leisnig anwesend. Vereinsvorsitzende Carla Lichtenstein weiß die Initiative der Familie für diesen Gedenkstein zu würdigen. An den Verein hatte die Familie auch das Vermächtnis von Heinz Kotte übergeben: Sämtliche Requisiten, Puppen, Regiebücher aus dem früheren Kleinbühnen-Fundus an der Obermarktgasse 20.

Vom Dachboden ins Technikmuseum

Dort schlummerte alles jahrzehntelang auf dem Dachboden und wäre wohl weggeworfen worden, wenn der Kulturbund die Dinge nicht übernommen hätte. Heute ist im Technikmuseum von Claus Dieter Andrä ein Raum eingerichtet wie die frühere Puppenbühne.

Haus der früheren Kleinbühne verfällt

Das Gebäude in der Leisniger Obermarktgasse hingegen bereitet wegen seines schlechten Bauzustandes zunehmend Sorgen. Es ist wie andere Häuser in der Altstadt unbewohnt und verfällt zusehends. Zuletzt hinterließen die Sturmtiefs, die über Sachsen hinweg fegten, an diesem Haus Schäden.

Erhebliche Schadstellen im Dach

Wer von der Straße aus hinaufschaut, kann durch das Dach hindurch in den Himmel sehen. Darauf weist auch Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) hin. Er sagt: „Wie auch an anderen Stellen der Stadt mit ähnlichen Schwierigkeiten kann die Stadtverwaltung nur versuchen, die Hauseigentümer zu erreichen und darauf zu dringen, dass sie die Schäden beheben.“ Sofern nicht Gefahr von Gebäuden ausgeht, greift die Stadt jedoch nicht direkt ein.

Erinnerungen in früherer Nudelfabrik

Was Kotte den Leisnigern als sein Vermächtnis hinterlassen hat, können Neugierige oder Menschen, die sich gern an ihre Kindertage erinnern lassen, im Technikmuseum von Claus-Dieter Andrä in der Johannes-R.-Becher-Straße, ehemals Nudelfabrik, bestaunen.

Echter Kasper schlummert in der Erde

Die große weite Welt der Märchen und Geschichten ist dort für alle ausgebreitet. Nur den Kasper von Heinz Kotte gibt es nur auf dem Gedenkstein: Der echte liegt noch immer darunter in der Erde: Er wurde dem Puppenspieler mit ins Grab gegeben.

Von Steffi Robak

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