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Döbeln Leisnigs Narrenkinder an die Macht
Region Döbeln Leisnigs Narrenkinder an die Macht
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19:39 09.02.2018
Von Julia lässt sich Benjamin die Schritte für den Eröffnungswalzer beibringen. Die beiden kennen sich aus der Schule. Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig

Julia Diesmann besucht die dritte Klasse an der Sigismund-Reschke-Schule in Leisnig und ist bereits ein Karnevalsprofi: Seit der ersten Klasse tanzt sie bei den Leisniger Burgspatzen. Aus diesem Kreis rekrutiert sich die Kinderprinzengarde. Eine kleine Hoheit für die fünfte Jahreszeit zu finden, ist deshalb recht leicht – „Welches Mädchen möchte nicht mal Prinzessin sein?“, lacht Carmen Kießling. Beim Kinder-Carne- valsclub Leisnig (KCCL) sorgt sie dafür, dass alles richtig läuft beziehungsweise marschiert.

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Beim Leisniger Kinderfasching zeigen die Jüngsten, dass sie mit den Großen gut mithalten können.

In Leisnig hat die Kinderprinzengarde genau wie die Garde vom Erwachsenenfasching eine eigene Einmarschmelodie. Die Kinderprinzengarde marschiert dabei zum großen Kinderfasching zum Indigo-Marsch von Johann Strauss. Am Sonntag ab 14 Uhr ist das in der Zimmermann-Sporthalle zu erleben.

Durch vier geteilte Herrschaft

Dass in Leisnig die närrische Herrschaft auf acht Schultern liegt, in diesem Jahr neben Kathrin und Rüdiger Schulze bei den Erwachsenen auch Julia Diesmann und Benjamin Weymann bei den Kindern das Zepter schwingen, hat Tradition. Sie geht auf das Jahr 1995 zurück, als zwei Mitglieder der CCL-Prinzengarde eine Kinderprinzengarde auf die Beine stellten. Seitdem beginnt jeder Kinderfasching, am Sonntag vor Rosenmontag, mit dem Auftritt der Kinderprinzengarde. Dann darf logischerweise auch ein Kinderprinzenpaar nicht fehlen.

Disziplin, Motivation und Spaß

Die Leisniger Kinder lernen beizeiten, bei den Großen standesgemäß mitzumischen: Zur Eröffnung der ersten großen Abendveranstaltung haben Kinderprinzenpaar und Kindergarde einen kurzen Auftritt. Da geht es auch um Disziplin, denn bei einer Prinzengarde darf niemand aus der Reihe tanzen. Carmen Kießling und ihre Mitstreiter hüten nicht nur den sprichwörtlichen Sack Flöhe. Sie bringen den Mädchen und Jungen bei, dass der fröhliche Fasching der Gäste für die Akteure auf Bühne und Parkett bedeutet: Üben, Konzentrieren, Bei-der-Stange-bleiben. Die Erwachsenen geben den Kindern große Portionen Motivation mit, damit sie mit Spaß bei der Sache bleiben.

Marschmusik und Walzerklang

Das Kinderprinzenpaar hat die gleichen Repräsentationspflichten, wie es beim Karneval für die Erwachsenen der Fall ist. Am Sonntag vor Rosenmontag, vorm Kinderkarneval, sind sie schon beim Faschingsumzug mit dabei. Diesen Sonntag ist es wieder so weit: Da trifft sich um 12 Uhr das närrische Leisnig auf dem Marktplatz, zieht durch die Stadt Richtung Zimmermann-Halle. 14 Uhr beginnt dort der Kinderkarneval – die große Stunde für Julia und Benjamin.

Prinzessin fackelt nicht lange

Nach dem Einzug, zusammen mit der Kinderprinzengarde, begrüßen sie von der Bühne aus das närrische Volk, geben außerdem mit dem ersten Tanz das Partyparkett frei. Dafür musste sich Prinz Benjamin einiges von der tanzerfahrenen Prinzessin Julia zeigen lassen. Bei den Proben machten sie schon mal eine gute Figur zusammen. Julia fackelte im Übrigen nicht lange: Ihren Prinzen kennt sie ja aus der Schule und fragte ihn, ob er in der närrischen Jahreszeit an ihrer Seite sein möchte. Er war sofort dabei, konnte sich dem Charme der Prinzessin nicht entziehen – und lernte für seine vorübergehende Herrscherrolle, Walzer zu tanzen.

Jungs bleiben dem Fasching treu

Ob er dem Fasching treu bleiben wird? Der erste Prinz, der beim KCCL auch über den Aschermittwoch hinaus hängen bleibt, wäre Benjamin jedenfalls nicht. „Der Kinderprinz von der vorangegangenen Saison, Eric Klingner, wollte unbedingt beim Fasching dabei bleiben“, weiß Carmen Kießling. Der damalige Zweitklässler kam ähnlich wie Prinz Benjamin zum Fasching: Seine Prinzessin Helena Endrejat gehört beim KCCL zu den Stamm-Mitgliedern der Tanzgruppe Burgspatzen.

Schon als Kinder beim Tanzen dabei

Überhaupt ist seit Jahren aus einigen Jungs vom Kindercarnevalsclub etwas geworden, worauf der Leisniger Fasching heute aufbaut. Theo Sonntag und Sebastian Schmidt zum Beispiel, jetzt schon über 18 Jahre alt, mischen beim Faschingsprogramm für die Erwachsenen mit. Worauf es dabei ankommt, haben sie beim Kinderkarnevalsverein gelernt. Beide kamen zwar nicht als Kinderprinzen zum KCCL, waren jedoch schon als Kinder bei den Tanzgruppen dabei.

Tanz von der ersten Klasse bis zur Garde

Es kann nicht jeder Prinz oder Prinzessin sein, aber trotzdem Spaß haben am Fasching. Tanzen können Kinder und Jugendliche beim KCCL in allen Altersklassen: Bei den Jüngsten, den Burgspatzen, lernen die Kinder von sechs bis etwa zehn Jahren die ersten Schritte auf dem Tanzparkett. Die nächste Gruppe nennt sich die Wilden Hühner. Die noch etwas älteren Wild Angels haben dann schon bald das Alter, bei den Erwachsenen vom CCL mitzuarbeiten.

Als eigenständiger Verein im Vereinsregister

Getanzt wird das ganze Jahr über, nicht allein aus närrischem Anlass. Die Tanzgruppe „Leisniger Burgspatzen“ existiert seit 1999. Zu jedem Kinderfasching steuern die jüngsten Leisniger Tänzer einen Beitrag zum Programm bei. 1999 ist auch das Gründungsjahr vom Kinder-Carnevalsclub Leisnig (KCCL). Er steht als eigenständiger Verein im Vereinsregister.

Von Steffi Robak

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