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Döbeln Kirchgemeinde beantragt Fällgenehmigung – das Ende für die Leisniger Lutherbuche?
Region Döbeln Kirchgemeinde beantragt Fällgenehmigung – das Ende für die Leisniger Lutherbuche?
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00:21 17.09.2017
Weit über 100 Jahre alt ist die Buche, die auf dem Kirchplatz in Leisnig steht. Heute schauen sich Ratsmitglieder des Technischen Ausschuss den Zustand des Baumes genauer an, um zu entscheiden: Bleibt die Buche oder muss sie weichen? Quelle: Sven Bartsch
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Leisnig

Nachdem im August 17 Bäume am Lindenplatz in Leisnig fallen mussten, sind die Bürger der Stadt für das Thema hochsensibilisiert. Die Nachricht, dass nun schon bald der Luther-Gedenkbaum, eine über 100 Jahre alte Buche, am Kirchplatz weichen soll, ruft erneut besorgte Leisniger auf den Plan. So auch Sylvia Eggert. Die Leisniger Autorin rief jetzt in einem offenen Brief zur Sorgfalt auf. „Sicher haben die Menschen, die diese Fällaktion planen, aus ihrer Sicht genauso rationale und triftige Gründe, wie die, welche die Baumfällaktion auf dem Lindenplatz gefordert beziehungsweise ihr zugestimmt haben“, so Sylvia Eggert. „Und trotzdem – oder gerade deshalb – melde ich mich nun mit ganz und gar irrationalen Gegenargumenten. Wo bleibt die Poesie unserer Stadt, wenn wir nach und nach unsere schönen alten Bäume fällen?!“

Finanzielle Belastung für Kirchgemeinde

Den Anstoß zur Fällung der alten Buche gab die Leisniger Kirchgemeinde. „Der Baum ist nicht mehr lebensfähig. Er treibt zwar noch, bringt aber bloß noch kleine Blätter“, erklärt Bernhard Hänel vom Kirchenvorstand Leisnig-Tragnitz. „Seit ein paar Jahren haben wir Totholz zu verzeichnen. Die Ursachen dafür liegen vor allem in den Baumaßnahmen, die in der Vergangenheit auf dem Kirchplatz vonstatten gingen. So etwas verträgt ein Baum nicht.“ Die Kirchgemeinde leistete in den letzten Jahren Sanierungsmaßnahmen. „Wir haben Löcher gebohrt, um den Baum zu bewässern, konnten damit das Baumsterben aber nur hinauszögern“, so Hänel. Die Buche belastet die Kirchgemeinde finanziell, denn sie hat als Eigentümer des Grundstückes die Verkehrssicherungspflicht für den Baum.

Wie Bernhard Hänel mitteilt, ergab sich jetzt eine Chance, einen neuen Baum zu pflanzen. Anlässlich des Lutherjahres gibt es eine Aktion des Mitteldeutschen Rundfunks. „So könnten wir dieses Jahr noch einen neuen Lutherbaum pflanzen und den alten gehen lassen. Er hat jetzt auch das Alter“, erklärt Hänel. Dass der Baum weichen darf, muss die Stadt absegnen. Voraussetzung ist, dass diese eine Fällgenehmigung ausspricht. Schon einmal wurde eine solche Beantragung abgelehnt – und zwar von der Baumschutzkommission. „Mit der Begründung, der Baum ist doch immer noch grün“, so Hänel weiter. Zur Baumschutzkommission gehören Uwe Reichel, der als sachkundiger Bürger im Technischen Ausschuss sitzt und im Heimatverein tätig ist, Stadtgärtner Steffen Holz und Thomas Seidel von der Obstland AG. Die Kommission war sich damals nicht sicher, ob alles für den Erhalt des Baumes getan worden ist. Die Entwicklung des Baumes wollten die Verantwortlichen über einen weiteren Zeitraum beobachten – bis jetzt.

Stadt muss Genehmigung erteilen

Um die Fällgenehmigung nun doch zu erhalten, erbat der Kirchenvorstand einen Termin bei der Stadt. Am Donnerstag treffen sich demnach Kirchgemeindemitglieder, Ratsmitglieder des Technischen Ausschuss sowie ein Vertreter der Baumschutzkommission vor Ort. Dort soll sich ein Bild vom Zustand des Baumes gemacht werden. „Das Wachstum der Buche ist geschädigt“, erklärt Bürgermeister Tobias Goth (CDU). „Wir wollen die Gelegenheit nutzen, dass sich die Stadträte des Technischen Ausschuss selbst ein Bild vom Baum machen können. Erst dann kann eine Entscheidung fallen.“

Sylvia Eggert appelliert in ihrem offenen Brief unterdessen an die Verantwortlichen, fragt nach technischen Möglichkeiten, um sicher feststellen zu können, ob die Fällung eines Baumes tatsächlich nötig ist. „Sollte es am fehlenden Geld liegen, dass der nächste Baum fallen muss, wäre es doch eine gute Idee, einen Aufruf zu starten, um dieses zu sammeln“, so die Autorin. „Wir Leisniger haben unser Stadtbad gerettet. Wären wir nicht auch in der Lage, auf diese Weise einen alten Baum zu retten?“

Von Stephanie Helm

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